Zwei Hausmeister erinnern sich an die Anfänge des Kreisberufsschulzentrums in Böckingen
Vor 50 Jahren begann die Planung des Kreisberufsschulzentrums in Böckingen. Dirk und Karl-Heinz Wolf sind nicht nur Vater und Sohn, sondern auch beide Hausmeister in der großen Schule.

"Die Schule ist gewachsen. Erst kamen mehr Lehrer, dann mehr Schüler", erinnert sich Karl-Heinz Wolf an die Entwicklung des Kreisberufsschulzentrums in Böckingen. Der 76-Jährige war von Schulbeginn 1975 bis ins Jahr 2010 Hausmeister des großen Gebäudekomplexes. Dort sind bis heute die Christiane-Herzog- und die Andreas-Schneider-Schule zu Hause. Letztere leitet Dieter Arweiler seit zwölf Jahren. Welche Berufe besonders beliebt sind, kann Arweiler nicht so einfach sagen: "Das schwankt je nach Bedarf der Wirtschaft." Mal könne man mit Rechtsanwaltsfachangestellten drei Klassen füllen, in einem anderen Schuljahr - wie auch aktuell - ist es nur eine.
Ab und an müsse man auch einen Ausbildungsweg aufgeben, wie den zum Gartenbaufachwerker an der Christiane-Herzog-Schule vor vier Jahren, sagt Schulleiter Klaus Ulbrich. Oder ein Beruf entwickle sich weiter: Seit 2020 gibt es die Ausbildung zum Digitalen Manager an der Andreas-Schneider-Schule, die sich aus den Berufen Informatikkaufmann und IT-Systemkaufmann herausgebildet hat.
Andere Aufgaben für die Hausmeister

Nicht nur die Schulen haben sich weiterentwickelt, auch die Arbeit der Hausmeister ist eine andere geworden. Während Karl-Heinz Wolf noch viele Mängel selbst beheben konnte, beispielsweise kaputte Stühle reparierte, ist sein Nachfolger mit anderen Herausforderungen konfrontiert. "Früher war die Arbeit mehr handwerklich und praktisch. Heute muss man auch das Kaufmännische mitbringen", sagt Dirk Wolf, Sohn und beruflicher Nachfolger von Karl-Heinz Wolf.
"Er wusste, wo die Heizung ist. Er wusste, wo alles ist", erklärt Karl-Heinz Wolf, weshalb er auf seinen Sohn wegen der Nachfolge zukam, als seine Rente bevorstand. Es sei nicht verwunderlich, dass er sich auskenne, sagt Dirk Wolf. Schließlich hat die Familie während der Hausmeistertätigkeit seines Vaters auf dem Grundstück gelebt. Heute wohnt Dirk Wolf wieder auf dem Schulgelände, in derselben Wohnung.
"Mein Arbeitstag war nicht nur acht Stunden lang", berichtet Karl-Heinz Wolf. Und zudem nicht planbar. "Ob ich das heute noch mal so machen würde..." Die Antwort bleibt der Rentner schuldig. Im Team von Sohn Dirk sind ein weiterer Hauptamtlicher, ein Gehilfe und ein Gärtner. Kein Vergleich zu damals, als sein Vater nur einen Kollegen hatte. Gemeinsam gossen sie Bäume, zupften Unkraut, erfassten die Arbeitszeit der Putzkräfte, als es noch keine Stupfuhren gab.
Heute geht am Berufsschulzentrum vieles schneller
Sohn Dirk Wolf hingegen dokumentiert Schäden mit Fotos und Berichten. Damit Freigaben schneller gehen, arbeitet er dem Bauamt aktiv zu. Häufig vergibt er auch spontan selbst Aufträge, denn: "An Feiertagen bekommt man niemanden vom Bauamt." Apropos Feiertage und Ferien: Hat ein Hausmeister die ganzen Ferien über frei? "Die Ferienzeit ist die einzige Zeit, in der wir lärm- und dreckintensive Arbeiten durchführen lassen können", sagt Nadine Friedel, Schul- und Kulturamtsleiterin im Landratsamt Heilbronn. Außerdem stünden Wartungen an, ergänzt Wolf junior.
"Nach 50 Jahren steht nun der Landkreis Heilbronn erneut vor denselben Herausforderungen, das berufliche Schulwesen für das nächste halbe Jahrhundert zukunftsfähig aufzustellen", sagt Friedel. Aufgrund des Alters des Kreisberufsschulzentrums und der gravierenden Mängel ist ein Neubau geplant. Aktuell wird ein entsprechendes Gutachten erstellt, erklärt Friedel. Dann wohl ohne Dirk Wolf als führenden Hausmeister: "Das muss ein Junger machen. Das wäre ein Vorteil für das Haus."
Bau des Kreisberufsschulzentrums

Bis 1964 waren Landkreise nur in Einzelfällen für berufliche Schulen zuständig. Schulträger waren meist Kommunen und Schulverbände. Durch das Gesetz zur Vereinheitlichung und Ordnung des Schulwesens, das in Baden-Württemberg am 5. Mai 1964 in Kraft trat, fiel den Landkreisen diese Aufgabe nun vollständig zu. Im Zuge der wachsenden Schülerzahl baute der Landkreis Heilbronn die Kaufmännische Schule ebenso aus wie die Haus- und Landwirtschaftliche Berufsfachschule. Dafür reichten die angemieteten Räume aber nicht aus. Deshalb startete am 17. September 1973 der Bau des Kreisberufsschulzentrums in Böckingen. Hier fanden ab dem Schuljahr 1975/76 rund 3000 Schüler in 100 Klassenzimmern Platz.
Schon 1982 musste angebaut werden. Auch beim Anbau blieb man bei der schon sieben Jahre zuvor genutzten Skelettbauweise mit Fertigteilen, die vor Ort montiert wurden. Neben dem Kreisberufsschulzentrum sind auch die Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm (seit 1968) und die Peter-Bruckmann-Schule in der Bahnhofsvorstadt (gegründet 2005) unter Trägerschaft des Landkreises.


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