Wie sich der Hofladen vom Apfelland Sarorius bewährt
Von fruchtig-süß bis fein-säuerlich: Rund 20 Apfelsorten gibt es in dem Bönnigheimer Familienbetrieb zu kaufen. Inhaber Meik Sartorius sieht sich mit den aktuellen Preissteigerungen und Klimawandel konfrontiert.

Der fein-säuerliche Elstar und die fruchtig-süße Gala sind mittendrin, in den kommenden Wochen kommen Jonagold und Rubinette an die Reihe, geerntet zu werden. Rot und glänzend liegen die Apfelsorten im Hofladen von Apfelland Sartorius, bereit zum Verkauf und Verzehr. Von den Folgen des Klimawandels ist die diesjährige Ernte allerdings nicht verschont geblieben, erzählt Inhaber Meik Sartorius. Vor allem die Sorte Elstar war stark betroffen - die Sonneneinstrahlung hat den Äpfeln Brandflecken verpasst.
Wetterextreme wie Frost, Hitze, Unwetter, dazu die allgemeinen Kostensteigerungen: Obstanlagenbesitzer wie Meik Sartorius sehen sich mit diesen und vielen weiteren Herausforderungen konfrontiert. Schon 2017 hat der Frost massive Schäden im Wein- und Obstbau angerichtet, wegen der Hitze müssen vor allem kleinere Bäumchen stärker bewässert werden.
Vor- und Nachteile des Klimawandels
Etwas Gutes bringen die klimatischen Veränderungen dann doch mit sich, sagt Meik Sartorius: Die deutlich trockeneren Sommer verringern das Risiko von Pilzinfektionen - sie keimen bei viel Nässe. "In diesem Jahr mussten wir deutlich weniger gegen Pilze behandeln", sagt der 41-Jährige. Gegen die Wetterextreme will er künftig mit Hagelnetzen vorgehen: "Die Beschattung von 15 Prozent reicht oftmals aus, damit weniger Schäden auftreten."
Das Angebot im Hofladen vom Apfelland Sartorius macht Appetit: Der Familienbetrieb bietet über 20 ursprünglich regionale Apfelsorten aus eigenem Anbau. Geerntet und eingebracht wird von den Obstanlagen, die in einem Umkreis von maximal 600 Metern um den Bönnigheimer Hof herum liegen. Kurze Lieferwege sollten eigentlich ein Plus sein in Zeiten, in denen Äpfel und anderes Obst aus Ländern wie Spanien oder Neuseeland bei Niedriglöhnen produziert, importiert und zu Dumpingpreisen verkauft werden.
Dass die Nachhaltigkeit der regionalen Obstbauern allerdings infrage gestellt wird, bedauert Meik Sartorius sehr. "Das ist falsch und irreführend." Es sei traurig, wenn regionale Betriebe, die wie Sartorius faire Löhne an langjährige Mitarbeiter und Erntehelfer zahlen, deshalb nicht unterstützt würden, so der 41-Jährige.
Hofladen bietet den direkten Kundenkontakt
In Corona-Zeiten haben dann deutlich mehr Kunden den Wert regionaler Produkte erkannt und sind vermehrt in Hofläden gegangen - auch zum Apfelland Sartorius. Inzwischen hat sich dieser Trend wieder auf dem Normalniveau eingependelt. Ein Grund sind auch die aktuellen Preissteigerungen, schätzt Meik Sartorius. Wegen der gestiegenen Lieferantenpreise, etwa bei den Verpackungen, habe er die Preise für die Produkte "geringfügig" anheben müssen, einen Teil der Kosten übernehme er selbst.
Und die drohende Energiekrise ab Herbst? Dafür sieht sich Sartorius gut aufgestellt. Zwei Photovoltaikanlagen liefern die gesamte Strommenge für den Betrieb, halten etwa die Temperatur in den Obstlagern konstant. Geheizt wird das Gebäude mit Hackschnitzeln und dem Holz der eigenen Apfelbäume. Seit drei Generationen brennt der Bönnigheimer Familienbetrieb Obstbrände und -Liköre, keltert Säfte und vertreibt seine Weintrauben an die Winzer der Genossenschaft Stromberg-Zabergäu. Je nach Saison gibt es beim Apfelland Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen, Kürbisse und Walnüsse sowie seit diesem Jahr auch Honig- und Wassermelonen zu kaufen, im Hofladen außerdem zahlreiche Produkte wie Eier und Nudeln von regionalen Landwirten.
Das Kerngeschäft des Bönnigheimer Obstbaubetriebs liegt aber bei Äpfel und Birnen. Schon sein Großvater habe sich die von ihm entwickelte Flasche für den Williams-Christ-Obstbrand patentieren lassen, erzählt Sartorius und präsentiert stolz eine Flasche mit einer konservierten Birne aus den 50ern.
Außerhalb der Öffnungszeiten können sich Kunden am Verkaufsautomaten bedienen. "Er wird gut genutzt", freut sich Sartorius. Der Hofladen habe aber einen klaren Vorteil: "Wir haben den direkten Kontakt zu den Kunden und wissen, was gefragt ist."
Familiengeschichte
Entstanden ist der Bönnigheimer Familienbetrieb in den 1940er Jahren aus der klassischen Landwirtschaft mit Viehzucht und Ackerbau, der bis in die 1990er Jahre betrieben wurde. Meik Sartorius" Großvater Adolf entwickelte das Geschäft in den 50er bis 60er Jahren weiter, dessen Sohn Frank übernahm den Hof in den 90ern. Er und Frau Edeltraut bauten ihn zur Direktvermarktung für Obst- und Weinanbau aus. Ab 2006 führten Vater Frank und Sohn Meik den Betrieb gemeinsam, ab 2019 übernahm Meik Sartorius vollständig. Seine Frau Carolin hilft sowohl im Hofladen als auch bei der Verwaltung. Bei der Ernte ist die ganze Familie mit von der Partie.
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