Bauernhofcafé "Toskana" bei Gemmingen: Wer selbstgebackenen Kuchen mag, ist hier richtig
Adelheid Schukraft lebt gerne draußen vor den Toren der Gemeinde Gemmingen: auf dem Aussiedlerhof der Familie. Dort hat sie Platz, sich zu verwirklichen. Mit dem "Toskana" hat sie 2006 das erste Bauernhofcafé weit und breit eröffnet.

Gut lebt es sich 1,5 Kilometer vom Gemminger Ortskern entfernt, dort, wo der Aussiedlerhof der Familie Schukraft liegt - und wo Adelheid Schukraft vor 16 Jahren "als Schnapsidee", wie sie heute sagt, ein Café eröffnete.
Das "Toskana" hat sich seit 2006 zu einem beliebten Ausflugsziel für Radfahrer, Busreisende und Freundeskreise entwickelt, ein Ziel für alle, die selbst gebackene Kuchen und Torten schätzen. An manchen Tagen sind die 90 Sitzplätze drinnen oder die Terrasse mit ihren knapp 50 Sitzplätzen voll.

Auf einem Aussiedlerhof ist es manchmal einsam
Am Anfang aber, 1982, als Rainer und Adelheid Schukraft beschlossen, die Teilaussiedlung ihrer Schwiegereltern in den Schleifweghöfen zu erweitern und dort für sich selbst neu zu bauen, war es einsam.
Damals, und daran erinnert sich Adelheid Schukraft nicht gern, "gab es hier draußen noch kein Straßenlicht. Es war so was von dunkel." Das kannte die im Gemminger Ortskern aufgewachsene Bauerntochter nicht. Sehr ruhig war es unweit der Bundesstraße B 293, die junge Familie hatte den ersten von sechs Aussiedlerhöfen.
Wenn ab und zu ein Auto vorbeifuhr, war Adelheid Schukraft dankbar, das da noch Leben war. "An so eine Einsamkeit muss man sich erstmal gewöhnen", betont die rührige Bäuerin. Ihre Oma, die wenige Höfe weiter hinten wohnte und kein Auto hatte, war stets froh, wenn Besuch kam: "Die waren wirklich einsam da draußen", sagt die Enkelin heute.

Weil sie die letzten waren, die damals in den Schleifhöfen gebaut haben, hatten ihre beiden Kinder in der Nachbarschaft keine Gleichaltrigen zum Spielen. Für die Mutter hieß das: fahren. Hatten die beiden zu unterschiedlichen Zeiten aus, nahm sie sich etwas zum Stricken mit, um die Wartezeit zu überbrücken. "Das war eine rechte Fahrerei", sagt Adelheid Schukraft rückblickend: "Da war man ständig unterwegs."
Asphaltierte Straßen und ein Radweg: "Das gab es früher alles nicht."
Mehr Leben, nach Eröffnung des Toskana-Cafés
Deutlich mehr Leben kehrte ein, als sie 2006 das erste Bauernhofcafé weit und breit gründete. "Die Namensfindung war schwieriger als die für ein Kind", sagt sie schmunzelnd. "Feldwegcafé" stand als Name im Raum. Doch das habe ihr nicht gefallen. Erst als sie irgendwo las, dass der Kraichgau auch die Toskana des deutschen Südens genannt werde, fiel der Groschen.
2006 wurde die Käfighaltung für Legehennen abgeschafft. Die Familie bauten einen neuen Hennenstall - und schuf so Platz für einen Neubau, wie ihn Adelheid Schukraft sich vorgestellt hatte: mit Regalen, in denen regionale Produkte und selbstgemachte Marmeladen stehen, mit viel Licht - und mit dem Blick raus in den Garten. Der ist mit seinen Mäuerchen, den unterschiedlichen Ebenen, der Rutsche für Kinder und den schattenspendenden Bäumen tatsächlich so etwas wie ein Kleinod.
Das man auf dem Land ist, riecht man gelegentlich. Aber das vergisst man sofort, wenn man vom Parkplatz her kommt und das Gelände zum ersten Mal sieht. Mittwochs, freitags, samstags und sonntagnachmittags haben das Toskana und der Hofladen geöffnet. "Das war kein Traum von mir", sagt Adelheid Schukraft. Aber sie konnte backen - und hatte damals, als 45-Jährige, einfach Lust, etwas Neues zu machen. Der Platz dazu war ja da.
Ein Urlaubstag auf dem Land
Adelheid Schukraft selbst kommt selten dazu, Urlaub zu machen: Ihre Arbeitswoche hat sieben Tage. Um so glücklicher ist sie, dass sie in ihrer "Toskana" anderen einen keine Urlaub vom Alltag verschaffen kann. Die fremden Leute, die immer wieder auf dem Hof vorbeischauen, haben sie noch keinen Tag gestört.
Ihrer Tochter sei das manchmal zu viel gewesen, erzählt sie. Den privaten Sitzplatz im Garten mussten sie daher verlegen, "damit wir nicht so unter den Gästen sitzen." Sabine Schukraft scheint sich versöhnt zu haben. Heute hängen ihre Aquarelle im Café an der Wand: natürlich mit toskanischen Motiven.
Infos
Der Geflügelhof Schukraft ist ein Landwirtschaftsbetrieb in vierter Generation. "Was klein anfing", schreibt Adelheid Schukraft in einer kurzen Geschichte des Familienbetriebs, "hat sich im Laufe der Jahre zu einem landwirtschaftlichen Unternehmen mit 250 Hektar Ackerfläche entwickelt." Vater Rainer und Sohn Michael Schukraft bauen Zuckerrüben, Weizen, Gerste und Mais an und produzieren so das gesamte Futter für die Mastschweine und für über 20.000 Legehennen selbst.
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