Geplante Windenergieanlagen: Gegenwind beim Infoabend in Massenbach
Viele der 230 Besucher in der Mehrzweckhalle in Schwaigern-Massenbach äußern Kritik am geplanten Projekt der Waldstiftung. Dass dort neun Windräder gebaut werden sollen, gefällt den Bürgern nicht.

Mächtig Gegenwind gab es bei der Informationsveranstaltung über die geplanten Windenergieanlagen in Massenbach. Rund 230 interessierte Besucher verfolgten den Abend in der Mehrzweckhalle. Viele von ihnen äußerten Kritik oder zumindest Bedenken gegenüber dem Vorhaben.
Die Massenbachsche Waldstiftung möchte neun Windräder auf ihren Grundstücken im Schwaigerner Stadtteil Massenbach errichten (wir berichteten). Sieben sollen in den Waldgebieten Taschenwald und Stöckach gebaut werden, zwei weitere auf einem landwirtschaftlichen Grundstück, direkt neben einer von privat gewünschten 39 Hektar großen Potenzialfläche für eine Photovoltaikanlage. Oliver Renaud, Geschäftsführer der Enerkraft GmbH aus Erlenbach, die diese Anlagen im Auftrag der Waldstiftung bauen möchte, hatte das Vorhaben am 10. November im Schwaigerner Gemeinderat vorgestellt.
Rahmenbedingungen für geplante Windenergieanlagen in Massenbach

Klaus Mandel, Direktor des Regionalverbandes Heilbronn-Franken, stellte zunächst die Rahmenbedingungen für die Erneuerbaren Energien vor. Für die Region Heilbronn-Franken ist vom Gesetzgeber eine Flächenausweisung für Windenergieanlagen von rund 8577 Hektar, das entspricht 1,8 Prozent der Gesamtfläche, gefordert. "Die Erneuerbaren Energien sind herausragende Standortfaktoren", wies Mandel auf die Ansiedlungen von Tesla in Brandenburg, Intel in Magdeburg und dem geplanten Projekt von Northvolt bei Heide (Kreis Dithmarschen) hin. Baden-Württemberg sei hier hintendran.
Kritik am Vorhaben äußerte Landwirt Dieter Boger vom Krainbachhof in Massenbach, unter anderem wegen des befürchteten Schattenschlags. "Hier gibt es noch zu wenig Erfahrung, wie es sich auf die Tiere auswirkt." Außerdem sehe er sich mit 14 Windrädern konfrontiert, wobei er die vorgesehenen fünf Anlagen im benachbarten Kirchhausen mit einrechnete. "Das ist zu massiv. Ich bin nicht dafür, das Projekt in diesem Ausmaß zu realisieren." Für Oliver Renaud stehe es wegen eventuell zu geringer Abstände noch nicht fest, ob dort tatsächlich 14 Anlagen gebaut werden dürfen. Was den Schattenschlag betrifft, schalteten sich die alle mit Rezeptoren ausgestatteten Anlagen automatisch ab einem Schattenwurf von täglich 30 Minuten aus.
Privatwirtschaftliche Interessen
Hans-Peter Essig äußerte Bedenken. Im Gegensatz zum vorwiegend kommunalen Gemeinschaftsprojekt beim Windpark Heuchelberg, an dem Schwaigern, Leingarten, Brackenheim und Nordheim sowie Waldbesitzer Karl-Eugen Graf Neipperg beteiligt sind, stehe hier ein privatwirtschaftliches Interesse im Vordergrund. Mandel antwortete, dass dies für ihn als Planer im Regionalverband keinen Unterschied machen dürfe. Darüber hinaus erinnerte er daran, dass das Flächenziel für die gesamte Region Heilbronn-Franken erreicht werden müsse und nicht für jede der 111 Kommunen. Stephan von Massenbach erklärte, dass, falls die Anlagen 100 Meter weiter entfernt stehen würden, keine Gewerbesteuer an die Stadt Schwaigern fällig werde, "der Effekt wäre aber der gleiche".
"Eigentlich", so der anwesende Massenbachhausener Bürgermeister Nico Morast, der sich für die Windkraft einsetzt, "habe ich mich zurückhalten wollen." Doch ihm ging es um die Sicherung des Grundwassers. Massenbachhausen als Teil der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft sei auch von dem geplanten Windpark betroffen. "Die Frage ist, ob Massenbachhausen nicht überdimensional eingekesselt wird." Seine Sorge: "In diesem Gebiet liegt ein Brunnen, und je mehr Fläche versiegelt wird, desto größer ist die Gefahr, dass die Trinkwasserversorgung beeinträchtigt wird." Er richtete sich auch gegen ein Kirchturmdenken: "Wir leben in einer Solidargemeinschaft, und das Flächenziel ist durchaus eine Orientierungsgröße."
Die Besorgnis der Einkesselung äußerte auch Marcel Mayer, Ortsvorsteher von Fürfeld, und zwar aus einem anderen Aspekt: "Wo soll dann noch bei uns ein Baugebiet entstehen?"

Stimme.de
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