Schozach-Bottwartalbahn: In Beilstein geht der Blick entspannt Richtung Heilbronn
Zwischen Heilbronn und Marbach soll eine Bahnstrecke entstehen. Angebunden wäre Beilstein bei allen möglichen Varianten. Ob das Projekt tatsächlich den verkehrsgeplagten Beilsteiner Stadtkern entlastet?

Eines hat Beilstein den anderen Kommunen im Landkreis Heilbronn schon mal voraus, wenn es um die geplante Wiederbelebung der Schozach-Bottwartalbahn geht: "Grundsätzlich ist klar, dass wir auf jeden Fall an die Stadtbahn angebunden werden - wie auch immer die Trasse letztlich verlaufen wird", machte Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld bei einer Informationsveranstaltung in der Stadthalle zum aktuellen Sachstand klar.
Trasse nach Marbach folgt der alten Strecke
In der Diskussion, welchen Weg die Bahnverbindung zwischen Heilbronn und Marbach im Landkreis Heilbronn einschlagen wird, kann sich die Langhansstadt also erst einmal beruhigt zurücklehnen. Schließlich herrscht Einigkeit darüber, dass die Trasse im Nachbarlandkreis Ludwigsburg dem früheren Verlauf der ehemaligen Bottwartalbahn folgen soll. Im nordwestlichen Abschnitt dagegen - zwischen dem Ilsfelder Teilort Auenstein und Heilbronn - muss eine neue Strecke gefunden werden, weil die alte dort entwidmet und überbaut ist. Für eine Neutrassierung stehen nun gleich vier mögliche Varianten zur Wahl, von denen jede für sich durch den Bund förderfähig wäre. Das geht aus der Machbarkeitsstudie der Karlsruher Büros TTK und PTV hervor, die Diplom-Ingenieur Nicolas Kämmerling den knapp 100 interessierten Zuhörern vorstellte.
Aus der Erfahrung mit vergleichbaren Projekten sei damit zu rechnen, das es "ungefähr acht bis zehn Jahre dauern wird, bis die Stadtbahn realisiert wird", so Kämmerling. Ob sie dann auch in diesem Abschnitt dem historischen Verlauf der Bottwartalbahn über Ilsfeld und Talheim folgen wird, oder ob sie Untergruppenbach und Abstatt mit den dortigen Unternehmen wie Bosch und Magna anbinden soll, darüber entscheide am Ende der Heilbronner Kreistag.
Kreistag entscheidet Anfang kommenden Jahres über Variante
Zuvor müssten die Gemeinderäte der einzelnen potenziellen Anrainerkommunen abwägen und dem Landkreis ihr Votum mitteilen. "Wenn sich ein Gremium dagegen ausspricht, dann hat sich die entsprechende Variante erledigt", verdeutlichte Lutz Mai, erster Landesbeamter und Stellvertreter von Landrat Norbert Heuser. Die Stimmen aus den Kommunen sollen bis zum Ende des Jahres eingehen. "Anfang 2024 entscheidet dann der Kreistag Heilbronn, mit welcher Variante es weitergehen wird", so Mai.
Die Zuhörer in Beilstein interessierte natürlich in erster Linie der Streckenverlauf durch ihre Stadt, der aber laut Nicolas Kämmerling "nur eine Grundlage für die Wirtschaftlichkeitsprüfung und noch nicht final festgelegt ist".
"Die Strecke ist eine Rechengröße, die über stadteigenes Gebiet führt. Die Bahn kommt nach Beilstein, bindet im Idealfall das Schulzentrum an und fährt wieder raus - mehr steht noch nicht fest", so Barbara Schoenfeld. Die Verwaltung bereite aktuell einen Fragebogen für alle Haushalte vor, der auch den konkreten Bedarf ermitteln soll. "Wir versuchen, bei der Streckenfindung Konfliktpotenziale wie enge Kurven und damit eine höhere Geräuschentwicklung so weit als möglich zu vermeiden", sagt die Bürgermeisterin. Auch auf eine Enteignung von Flächen soll verzichtet werden.
Hofnnung auf weniger Durchgangsverkehr
Neben Kritik an der Bahn als zu unflexibel bei der Bedienung von abgelegeneren Teilorten wurde bei den Wortmeldungen aber eines auch deutlich: Die Beilsteiner sehen in der Stadtbahn auch eine Chance, um die Stadt vom hohen Verkehrsaufkommen in der Hauptstraße zu befreien, nachdem das Thema Umgehungsstraße seit geraumer Zeit auf Eis liegt. Die Machbarkeitsstudie prognostiziert auf dem gesamten Streckenverlauf zwischen Marbach und Heilbronn schließlich rund 5000 Fahrzeugbewegungen, die durch die Stadtbahn eingespart werden könnten.
"Den meisten Verkehr machen wir selbst", betonte Stadtrat Peter Gruner (Initiative Beilstein), der auch für die Grünen im Heilbronner Kreistag sitzt, mit Verweis auf die Wachstumspotenziale durch neue Baugebiete in Beilstein, Oberstenfeld oder Großbottwar. Auch, weil Heilbronn als Arbeitsstandort weiterhin stark wachse, sei es wichtig, dass sich der Pendelverkehr zunehmend von der Straße auf die Bahn verlagert, so Gruner.
Grundstücksfragen in der Bahnhofstraße
Für den innerörtlichen Streckenverlauf in Beilstein könnten auf lange Sicht Grundstücksfragen relevant sein, für die noch eine Lösung gefunden werden muss. So etwa die Situation rund um das Busdepot der Bahn-Tochter DB-Regio auf dem ehemaligen Feuerwehrareal an der Bahnhofstraße. Das Unternehmen beharrt auf der Grunddienstbarkeit für das Gelände und lehnt den ihm angebotenen Standort auf den Drittelwiesen ab.
Infoveranstaltungen zum Bahnprojekt finden in den kommenden Wochen auch in den Nachbarkommunen Abstatt, Ilsfeld, Talheim und Untergruppenbach statt.
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