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Obersulm

Was wird aus der alten Schule in Affaltrach, nachdem die Musikschule ausgezogen ist?

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Projektentwickler stellt seine Pläne vor: In der Ortsmittel von Affaltrach könnten neun Wohnungen entstehen. Es gibt jedoch ein großes Aber im Gemeinderat.

Die Gemeinde Obersulm will die alte Schule, aus der die Musikschule ausgezogen ist, verkaufen. Ein Investor plant neun Wohnungen einzubauen. Platz für die im Bebauungsplan vorgeschriebenen zwei Stellplätze pro Wohnung gibt es nicht.
Foto: Ralf Seidel
Die Gemeinde Obersulm will die alte Schule, aus der die Musikschule ausgezogen ist, verkaufen. Ein Investor plant neun Wohnungen einzubauen. Platz für die im Bebauungsplan vorgeschriebenen zwei Stellplätze pro Wohnung gibt es nicht. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Die alte Schule in Affaltrach steht leer, nachdem die Musikschule Obersulm in ihr neues Domizil im Multifunktionsgebäude umgezogen ist. Der Gemeinderat ist sich einig, das sanierungsbedürftige Gebäude zu verkaufen. Die Verwaltung hatte mit verschiedenen Interessenten Kontakt aufgenommen.

Was aus der alten Schule in Affaltrach wird

Jetzt präsentierte das Architekturbüro Prof. Rollmann + Partner aus Homburg seine Pläne zur Umnutzung in Wohnraum. Diese würde eine positive Entwicklung für den Ortskern bedeuten, führte Helmut Knopf vom Büro aus. Die Planung gefiel den Räten sehr, sie hatten jedoch ein großes Aber: Wie meist bei Bauprojekten oder Baugebieten sind die Stellplätze ein Thema im Gremium.

Für die neun Wohnungen, die für die alte Schule geplant sind, enthält der Planungsentwurf nur neun Stellplätze. Bei zwei Gegenstimmen von Alexander Heinrich und Axel Leinz aus den Reihen der Freien Wähler war der Gemeinderat für die Planung und beauftragte die Verwaltung, mit dem Architektur- und Ingenieurbüro Prof. Rollmann über den Verkauf zu verhandeln.

Die alte Schule biete Potenzial, in Wohnungen umgestaltet zu werden, meinte Knopf, der auf die Notwendigkeit innerörtlicher Nachverdichtung hinwies, in Zeiten, in denen Wohnraum dringend benötigt werde. Der Charakter des Gebäudes und des Ortskerns bleibe erhalten, versicherte er. Es gebe nur kleine Veränderungen an dem historischen Haus, das nicht unter Denkmalschutz steht.


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Umbau zu einer Flüchtlingsunterkunft wäre viel zu teuer

"Ich bin positiv überrascht über die wirklich gelungene Planung", sagte Grünen-Sprecher Armin Waldbüßer. Von "guten Ideen", die die SPD mittrage, sprach deren Fraktionsvorsitzender Michael Schepperle. Er regte an, den Umbau zu verschieben, weil dringend Wohnraum für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen benötigt werde. Bürgermeister Björn Steinbach winkte ab. Ohne Brandschutz und neue Elektrik beliefen sich die Sanierungskosten auf 700 000 Euro. Das hatte eine Prüfung ergeben.

Aus aus den Reihen der CDU und FWV gab es zwar auch lobende Worte für die Planung, aber ebenfalls Bedenken wegen der geringen Zahl an Parkplätzen. Weniger Wohnungen einrichten oder die öffentlichen Parkplätze in der Straße Am Ordensschloss kaufen, lautete der Vorschlag von Axel Leinz (FWV), der sonst Bauchschmerzen hätte.

Gleichbehandlung bei den Stellplätzen gefordert

Ein Bauträger müsse nur einen Stellplatz pro Wohneinheit nachweisen, aber ein Privatmann zwei? Damit war Alexander Heinrich (FWV) nicht einverstanden. Er forderte wie Roland Eisele von der CDU eine Gleichbehandlung. "Sonst sind wir unglaubwürdig", meinte Eisele. "Wir sollten uns Gedanken machen, wie wir uns künftig aufstellen", ergänzte er. Jedes Mal werde über die Stellplätze diskutiert. "Wir dürfen keine unterschiedlichen Stellplatzzahlen festlegen", lautete auch die Auffassung von CDU-Sprecher Hermann Hohl. Die Gemeinde könne dem Projektentwickler doch beim Verkaufspreis entgegenkommen, dann könne dieser auf eine Wohnung verzichten. "Es steht noch kein Preis im Raum", erwiderte Steinbach. Der Bürgermeister neigte zu einer Ausnahme bei diesem "Sonderprojekt". Wenn man die Kröte nicht schlucke, müsse man das Gebäude abreißen.

In Michael Schepperles Brust schlugen zwei Herzen. Für ihn war jedoch die Schaffung von Wohnraum das wichtigere Argument. Ulrich Hohl (FWV) sinnierte darüber, die Tiefgarage noch tiefer unter den Garten des Kinderhauses Silbergrube zu graben, um sie zu vergrößern. "Das ist eine Kostenfrage", warf Knopf ein. Ob das technisch möglich wäre, müsste planerisch geprüft werden. Heidi Kübler (FWV) gefielen die vielen kleinen Wohneinheiten für Ein-Personen-Haushalte. Affaltrachs Ortsvorsteher Harald Hohl berichtete, dass die Ortschaftsräte bei einer Enthaltung die Planung begrüßt, aber ebenfalls über die Stellplatz-Zahl diskutiert hatten. Vielleicht könnte eines der Carsharing-Autos in der Nähe platziert werden.

Wie der Entwurf im Detail aussieht

Architektin Mandy Wark ging ins Detail des Entwurfes: Die vier Wohnungen im Erdgeschoss sind 33 bis 45 Quadratmeter groß. Die drei Appartements im Obergeschoss bieten 54 bis 75 Quadratmeter Fläche und haben wie diejenigen im Erdgeschoss jeweils einen Balkon. Im Dachgeschoss bekommen die beiden Wohnungen mit 65 und 95 Quadratmetern Loggien und Gauben. Drei Parkplätze sind zur Eschenauer Straße vorgesehen zusammen mit Fahrradabstellplätzen, die Tiefgarage mit Zufahrt von der Straße Am Ordensschloss bietet sechs Autos Platz.

Im Bebauungsplan "Silbergrube - 1. Änderung" werden zwei Stellplätze pro Wohneinheit verlangt. In Gebieten von Obersulm ohne Bebauungsplan wird die Stellplatzsatzung herangezogen. In dieser sind eineinhalb Stellplätze pro Wohneinheit festgeschrieben. Die Landesbauordnung hingegen fordert nur einen Stellplatz und ermöglicht Ausnahmen bei Umbauten und Schaffung von Wohnraum.

Wohnungen auf drei Stockwerken mit Balkonen und Loggien, das sieht die Planung des Architekturbüros Prof. Rollmann + Partner in der alten Schule vor, die eine Tiefgarage und oberirdische Parkplätze enthält.
Wohnungen auf drei Stockwerken mit Balkonen und Loggien, das sieht die Planung des Architekturbüros Prof. Rollmann + Partner in der alten Schule vor, die eine Tiefgarage und oberirdische Parkplätze enthält.  Foto: Prof. Rollmann
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