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Jahresrechnungen versendet

Warum Ilsfelder Nahwärmekunden mehr bezahlen müssen

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Die Gemeinde Ilsfeld hat Infoschreiben und die Jahresrechnungen für 2023 versendet. "Bei uns wird das Telefon nicht mehr stillstehen", fürchtet Bürgermeister Bernd Bordon. Warum die Abschläge für 2024 deutlich höher ausfallen werden.

Die Heizzentrale ist das Herzstück des Nahwärmenetzes. Geklärtes Abwasser der Gemeinschaftskläranlage Schozachtal wird hier zur Wärmeerzeugung genutzt.
Die Heizzentrale ist das Herzstück des Nahwärmenetzes. Geklärtes Abwasser der Gemeinschaftskläranlage Schozachtal wird hier zur Wärmeerzeugung genutzt.  Foto: Berger, Mario

"Bei uns wird das Telefon nicht mehr stillstehen", fürchtet Bürgermeister Bernd Bordon. In diesen Tagen hat die Gemeinde Ilsfeld die Jahresrechnungen 2023 samt Infoschreiben an ihre 444 Nahwärmekunden versendet. Zwar bekämen viele eine Erstattung, sagt Bordon. Aber die Abschläge für 2024 werden deutlich höher ausfallen als zuletzt. Der Grund: Ab 1. April gilt auf Gas und Fernwärme wieder der Mehrwertsteuersatz von 19 und nicht mehr der reduzierte von sieben Prozent. Außerdem ist die Wärmepreisbremse des Bundes zum Jahresende weggefallen.

"Im Prinzip gehen die Preise nach unten", erklärt Kämmerer Steffen Heber. Er hat die aktuellen Indizes des Statistischen Bundesamtes für Gas, Lohn, Maschinenbauerzeugnisse, Pellets, Strom und Wärme abgerufen und anhand der in Ilsfeld geltenden Preisgleitklausel den Arbeitspreis für die Nahwärme neu berechnet: betrug er pro Kilowattstunde (kWh) bisher 22,83 Cent netto, sind es ab 1. Januar 20,7 Cent. "Das ist eigentlich erfreulich, aber jetzt kommt der Bund mit der Mehrwertsteuer", so Heber.

Deutlicher Unterschied im Nahwärmepreis für Ilsfelder Kunden

Doch nicht nur das: Durch die gesetzliche Wärmepreisbremse sind die Kunden im vergangenen Jahr stark entlastet worden. Für die Wärmemenge, die 80 Prozent ihres Verbrauchs im Jahr 2021 entsprach, mussten sie nur 9,5 Cent statt 22,83 Cent/kWh bezahlen.

Für die ersten drei Monate 2024, in denen noch die sieben Prozent Mehrwertsteuer gelten, kommt die Gemeinde den Kunden entgegen. "Wir werden zum 31. März nochmal eine Ablesung machen - mit erhöhtem Aufwand auf unserer Seite", sagt Bernd Bordon. Nur 300 von 444 Anschlüssen seien elektronisch abrufbar. Den Rest müssen Mitarbeiter der Gemeinde vor Ort ablesen.

Ilsfeld Bürgermeister Bordon zu Nahwärme: "Verluste müssen aufhören"

Das Thema Nahwärme treibt Bordon - noch keine zwei Jahre Bürgermeister in Ilsfeld - nach wie vor die Sorgenfalten auf die Stirn. Bis 2022 hat der Eigenbetrieb der Gemeinde rund 1,94 Millionen Euro Verlust eingefahren. 2020 waren es 327.000 Euro, 2021 dann 368.000 Euro. Das Jahresergebnis 2022 von minus 685.000 Euro beinhaltet bereits einen Zuschuss von 600.000 Euro aus dem Finanzhaushalt der Gemeinde. 2023 wird der Abmangel voraussichtlich "nur" 200.000 Euro betragen. "Die Verluste müssen aufhören", sagt Bordon. "Als Gemeinde in finanziellen Nöten können wir es uns nicht leisten, die Nahwärme wie ein Freibad zu betreiben und über den kommunalen Haushalt den Steuerzahler zu belasten."

Er legt aber auch Wert darauf zu betonen, "dass in unserer Preisgleitklausel die Verluste der Vergangenheit nicht mit einbezogen werden". Zum ersten Mal überhaupt sei die Preisgleitklausel auch umgesetzt worden: "Das ist nach zehn Jahren Nahwärme eine spannende Thematik." Bordon hat Verständnis für "eine gewisse Frustration" bei den Kunden. "Aber wir haben insgesamt ein gutes Produkt und sind mit dem Transformationsplan auf dem Weg, von fossilen Brennstoffen wegzukommen", ist er überzeugt. Eine gewisse Frustration kann auch Bordon selbst nicht verhehlen: "Die Gemeinde Ilsfeld fängt bei der Nahwärme überall bei Null an." Es gebe keine Pläne, die aus der Schublade gezogen werden könnten. "Ab einem gewissen Zeitpunkt wurde das Netz auch nicht mehr strategisch ausgebaut", kritisiert der Rathauschef. Im Grunde sei es der Ukraine-Krise zu verdanken, dass sich Gemeinderat und Verwaltung "intensivst mit dem Thema Nahwärme beschäftigten mussten".

444 Nahwärmekunden in Ilsfeld

Im Februar 2023 hat der Gemeinderat die Anpassung der Nahwärmepreise und Neuberechnung der Preisgleitklausel beschlossen. Den Kunden wurde ein Sonderkündigungsrecht bis 30. April 2024 eingeräumt. Rund 60 Ilsfelder haben sich daraufhin zur Initiative Nachhaltige Nahwärmeversorgung (INN) zusammengeschlossen, um sich gegen die neuen Konditionen zu wehren. Bisher habe es 15 Widersprüche gegeben, so Bürgermeister Bernd Bordon.

Zwei Kunden hätten den Bezug der Nahwärme gekündigt. Weitere drei, die zwar schon angeschlossen waren, aber noch keine Nahwärme bezogen haben, hätten ebenfalls gekündigt. Außerdem 32, die einen Vorvertrag hatten und ein Kunde der Kalten Nahwärme. "Es gibt aber auch mehr als zehn, die sich neu angeschlossen und die Kosten für die Leitung übernommen haben", so Bordon. Zurzeit hat der Eigenbetrieb der Gemeinde 444 Kunden.

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