Gnurpsel City bleibt für immer geschlossen
Das Kinder- und Jugendreferat des GVV "Raum Weinsberg" tüftelt an einer neuen Ferienfreizeit als Ersatz für die Spielstadt Gnurpsel City. Start ist frühestens 2023.

Die schlechte Nachricht zuerst: Die legendäre und beliebte Gnurpsel-City für Kinder aus Weinsberg, Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld macht nie mehr ihre Tore auf. Die gute Nachricht: Es wird einen Ersatz geben. Dieser wird allerdings nicht mehr allzu viel mit der ursprünglichen Spielstadt-Idee zu tun haben. Am Konzept für die künftige Ferienfreizeit muss noch getüftelt werden. Im Idealfall wird es 2023 umgesetzt.
Ein eigener Bürgermeister für die Spielstadt
Es war alles wie "in echt": Gnurpsel-City hatte einen Bürgermeister, rund um die Weinsberger Mühlrainturnhalle gab es Werkstätten, wo die Kinder zwischen neun und zwölf Jahren aus dem Verbreitungsgebiet des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV) "Raum Weinsberg" arbeiten konnten. Jobs gab es auch im eigenen Postamt, im Krankenhaus oder bei der Bank, und die Währung hieß Gnurpsel.
Mit Gnurpsel konnten die Jungen und Mädchen in den Werkstätten oder im Supermarkt der Spielstadt einkaufen. Gnurpsel-City war ein in sich geschlossenes System, das in den Sommerferien zehn Tage lang Raum für Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit ließ. Weil der Aufwand so groß war, wurde sie nur alle zwei Jahre aufgebaut, 1998 zum ersten Mal. 2016 fiel sie wegen des Todes der damaligen Kinder- und Jugendreferentin aus. 2020 machte Corona der Spielstadt einen Strich durch die Rechnung.
Der Planungsvorlauf ist lang
Dieses Jahr wäre turnusgemäß wieder Gnurpsel-City-Zeit gewesen. Doch daraus wird nichts. Der Aufhänger ist erneut die Pandemie. Die Spielstadt hat einen langen Planungsvorlauf. "Wir müssen im Herbst des Vorjahres beginnen", sagt Isabel Steinert, die das GVV-Kinder- und Jugendreferat leitet. 2021 war nicht abzusehen, wie der Sommer 2022 werden könnte.
Für Isabel Steinert und Anette Schmitt, im GVV zuständig für die Kinderpädagogik, war klar: "So ein großes Projekt kann man nicht kurzfristig anpassen." Man kann auch nicht kurzfristig Personal rekrutieren. Damit das Planspiel funktioniert und sich die Grundidee umsetzen lässt, den Kindern ein Maximum an Entscheidungsfreiheit zu gewähren, müssen die Stationen - in Summe waren es rund 50 Ämter und Berufe - engmaschig betreut werden, sagt Steinert. Es seien für die 220 Kinder pro Spielstadt jeweils rund 120 Helfer notwendig gewesen. Bis auf das kleine Team des Kinder- und Jugendreferats waren alle ehrenamtlich im Einsatz: als Betreuer, als Springer oder in der Küche.
Die Erinnerung verblasst immer mehr
Der hohe Bedarf an ehrenamtlichen Helfern ist auch der Hauptgrund, warum die pandemiebedingte Absage zum Anlass genommen wird, die Spielstadt endgültig zu Grabe zu tragen. Isabel Steinert: "Helfer möchten immer flexibler sein." Sie müssten außerdem geschult werden, was die Organisation zusätzlich erschwere, sagt Steinert. Hinzu kommt der große zeitliche Abstand: Die letzte Spielstadt war vor vier Jahren. "Die Erinnerung verblasst immer mehr. Das macht es noch schwieriger, Ehrenamtliche zu finden und zu motivieren." Viele der oftmals jungen Helfer seien gar nicht mehr vor Ort.
Der Blick nach vorne
"Es war zehn Mal ganz fantastisch. Aber jetzt wollen wir etwas anderes machen und nach vorne blicke", sagt Anette Schmitt. Die Bürgermeister der vier GVV-Kommunen tragen das mit, betonen die beiden Expertinnen. Was künftig angeboten wird, soll vom Prinzip her ähnlich ablaufen wie etwa die Freizeiten auf dem Heilbronner Gaffenberg. "Bei Gruppenangeboten kommt man mit weniger als der Hälfte an Helfern aus. Wir brauchen dann nicht mehr diesen hohen Betreuungsschlüssel", sagt Isabel Steinert
Noch ist vieles offen. Etwa die Frage nach dem Gelände. Möglichst viel soll sich in der Natur abspielen: Geländespiele seien gefragt, sagt Schmitt. Doch dafür sei das Areal rund um die Mühlrainturnhalle nicht geeignet. Wo im GVV-Gebiet gibt es eine passende Fläche? Wo wäre Platz für Toiletten und eine Ausweichmöglichkeit bei Regen?
Kinder sollen nach ihren Wünschen befragt werden
Welche Angebote kann man machen? Diskutiert werden soll das auch mit dem harten Kern der früheren Spielstadt-Betreuer. Für wie viele Kinder ist das Areal geeignet? Was wünschen sich die Jungen und Mädchen selbst? Steinert und Schmitt wollen das mithilfe von Fragebögen herausfinden. Wollen sich Kooperationspartner engagieren? Die beiden Frauen nennen Vereine, THW oder Jugendfeuerwehren als Beispiele. Wenn möglich, sollen sich Elemente aus Gnurpsel City im neuen Angebot wiederfinden.
Ein paar Grundpfeiler stehen dagegen fest: Das neue Angebot soll es jährlich geben, frühestens ab 2023. Es erstreckt sich über zwei Wochen, und der Transport soll, wie bei der Spielstadt, wieder vom GVV organisiert werden.
Weitere Infos
In den 1990er Jahren wurde viele Konzepte zu Kinderspielstädten entwickelt. In Weinsberg war der damalige Jugenreferent Volker Fuchs der Initiator. An den zehn Spielstädten nahmen insgesamt und 2200 Jungen und Mädchen aus Eberstadt, Ellhofen, Lehrensteinsfeld und Weinsberg teil. Jede Spielstadt kostete laut GVV-Kinder- und Jugendreferat mehrere zehntausend Euro, inklusive Verpflegung, Bus-Transport der Kinder und innere Verrechnungen, etwa für die Einsätze des Weinsberger Baubetriebshofes beim Auf- und Abbau. Planmäßig soll das neue Angebot 2023 starten, doch sollte die Vorbereitung länger dauern, kann es sich verzögern.
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