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Weinsberg

Die Stadt Weinsberg schafft neue Unterkunft für Flüchtlinge

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Die  Container in der Weidachstraße werden jetzt für 48 Menschen hergerichtet. Weinsberg erfüllt damit das Aufnahmekontingent und spart die Fehlbelegerabgabe. 

"Wir hatten Glück“, sagt Benjamin Fink. Nur acht Monate nach der Bestellung stehen die Container in der Weinsberger Weidachstraße. Normalerweise betrage die Lieferzeit ein Jahr, weiß der Mitarbeiter des städtischen Baurechtsamts. Der Innenausbau ist im Gange. In den 24 Zwei-Bett-Zimmern mit Spinden, Tisch und Stühlen kann

In den 38 Containern auf dem Parkplatz in der Weidachstraße befinden sich Zimmer für 48 Geflüchtete, eine Küche, Sanitäranlagen und zwei Büros.
In den 38 Containern auf dem Parkplatz in der Weidachstraße befinden sich Zimmer für 48 Geflüchtete, eine Küche, Sanitäranlagen und zwei Büros.  Foto: Lina Bihr

die Weibertreustadt 48 Flüchtlinge der ersten Welle aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und anderen Ländern unterbringen. Damit erfüllt sie ihr Kontingent und muss nicht länger die Fehlbelegerabgabe von jährlich rund 200 000 Euro an den Landkreis bezahlen. In der Mühlrainhalle sind aktuell zwölf der 32 Plätze für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine belegt.


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Nah an Stadt und Haltestellen

„Der Standort ist perfekt“, meint Thomas Goth, Leiter des Baurechtsamts, zu der Fläche in der Weidachstraße. Sie gehört der Stadt und war jahrzehntelang an die Firma Fibro als Parkplatz verpachtet. Der Bedarf ist nun nicht mehr da und so bot sich der Stadt die Chance, das Gelände zu nutzen. „Wir haben schnell reagiert“, betont Goth. Eine Ausnahmeregelung macht die Anschlussunterbringung im Gewerbegebiet möglich.

„Es ist nicht ganz außerhalb“, beurteilt Goth die Lage. Die Bushaltestelle kommt nach der Sanierung eines Straßenteilstücks direkt vor die Tür. Die Stadtbahnhaltestelle ist fußläufig zu erreichen, und auch zu den Geschäften ist es nicht weit.

Von längerer Nutzung ist auszugehen

Die 38 Container, so erklärt Fink, der die Anlage mit geplant hat, stehen auf Streifenfundamenten. Denn die Stadt geht von einer längeren Nutzung aus. Deshalb hat sie die Container gekauft. „Es rechnet sich nicht, diese zu mieten“, sagt Goth. Einschließlich Küche und Sanitäranlagen gibt die Stadt rund 800 000 Euro dafür aus. Hinzu kommen noch mindestens 150 000 Euro Nebenkosten wie Anschlüsse. Im Zuge der Straßensanierung erhält die Flüchtlingsunterkunft einen neuen Zuweg. Die Hausanschlüsse für Strom, Gas und Abwasser müssen noch gemacht werden. Die Möbel für die Zimmer werden nächste Woche geliefert, die Küche jedoch erst später.

Integrationsmanager ziehen um

Im Dezember sollen die ersten Geflüchteten einziehen können, hofft Goth. Die beiden Integrationsmanager mit jeweils 50-Prozent-Stellen des Landkreises, die vom Traubenplatz in die beiden Büros in der Container-Anlage umziehen, unterstützen die Flüchlinge bei ihren Anliegen. Die Stadt sucht noch einen Hausmeister, der auch für die Mühlrainhalle zuständig sein wird. Einen Flüchtlingsbetreuer mit 15 Wochenstunden stellte die Stadt bereits im Mai ein. Am 16. November kommt ein weiterer mit 25 Wochenstunden hinzu, berichtet Daniela Wenninger, die im Rathaus für den Bereich Sicherheit und Ordnung zuständig ist.

Daniela Wenninger und Benjamin Fink in einem der Zimmer in der Mühlrainhalle. Seit Juli bringt die Stadt Weinsberg hier ukrainische Kriegsflüchtlinge unter.
Daniela Wenninger und Benjamin Fink in einem der Zimmer in der Mühlrainhalle. Seit Juli bringt die Stadt Weinsberg hier ukrainische Kriegsflüchtlinge unter.  Foto: Lina Bihr

Mühlrainhalle hat noch Kapazität für Ukrainer

Ortswechsel: In der Mühlrainhalle ist es angenehm warm. Obwohl ein öffentliches Gebäude, muss es als Flüchtlingsunterkunft nicht die 19-Grad-Vorschrift einhalten. „Es sind 21 Grad“, sagt Fink. Die Halle wurde in zehn Dreibett- und ein Zwei-Bett-Zimmer aufgeteilt. Tisch, Stühle, Spinde und ein Kühlschrank gehören zum Inventar auf den jeweils 21 Quadratmetern. „Wir haben versucht, so viel Privatsphäre wie möglich zu schaffen“, sagt Fink. Wegen der Heizung und Beleuchtung konnten jedoch keine Zwischendecken eingezogen werden. „Es ist eine Notunterkunft“, macht er deutlich. 

Ehrenamtliche kümmern sich um Geflüchtete

Zwölf der 130 in Weinsberg gemeldeten Ukraine-Flüchtlinge haben hier Obdach erhalten, bis sie eine Wohnung finden – wie überall ein schwieriges Unterfangen. Die Diakonische Bezirksstelle Weinsberg steht den Familien zur Seite, etwa bei Behördengängen oder Kontakten zum Jobcenter. Wenninger berichtet von Ehrenamtlichen, die sich engagieren. So gab es neulich ein Willkommensfest. Eine Gruppe stellt Angebote für Kinder und Frauen zusammen. Einheimische haben Patenschaften für Familien übernommen, die eine Wohnung haben oder privat untergekommen sind. Acht ukrainische Kinder werden in einer Spielgruppe von zwei Landsfrauen in Rossäcker-Räumlichkeiten betreut. Mit der VHS hat Wenninger einen Deutschkurs vereinbart. 

 

Was gibt die Stadt aus?

Rund eine Million Euro investiert die Stadt Weinsberg in die Container für Geflüchtete aus dem arabischen und asiatischen Raum, um damit ihr Kontingent zu erfüllen. Die Umrüstung der Mühlrainhalle für Ukrainer belief sich auf rund 100 000 Euro.

Ob die 32 Plätze ausreichen werden? „Das weiß keiner“, sagt Benjamin Fink vom Baurechtsamt. Die Stadt ist für den Notfall vorbereitet. Die Pläne für die technische Umrüstung der Wildenberghalle in Grantschen liegen in der Schublade. 

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