Bürgermeister Patrick Holl verlässt Beilstein
Im Frühjahr 2021 legt Patrick Holl sein Amt in Beilstein nieder und wird Erster Beigeordneter des Gemeindetags Baden-Württemberg. Von seinen Plänen waren auch die Gemeinderäte überrascht.

Paukenschlag in Beilstein: Patrick Holl hört im Frühjahr 2021 als Bürgermeister auf und wechselt in den Gemeindetag des Landes nach Stuttgart. Der 38-Jährige wird der neue Erste Beigeordnete des Gemeindetags Baden-Württemberg und somit auch stellvertretender Geschäftsführer. Das teilte der Kommunale Landesverband am Freitag mit.
Holl wurde einstimmig vom Landesvorstand zum Nachfolger von Steffen Jäger gewählt, der ab 1. Februar 2021 die Funktion des Präsidenten und Hauptgeschäftsführers übernimmt. Holls Amtszeit dauert acht Jahre. Seit 2012 ist er Bürgermeister der Langhansstadt. Erst vor einem Jahr wurde er dort zum zweiten Mal gewählt.
Holl: schwierigste berufliche Entscheidung
"Es war eine einmalige Gelegenheit, sich beruflich weiterzuentwickeln. Auf landespolitischer Ebene mitgestalten zu dürfen ist eine Herausforderung, mit der ich mich identifiziere und die ich gerne annehmen wollte", sagte Holl, der am Donnerstagabend von seiner Wahl zum Beigeordneten erfuhr. Holls Hauptaufgabe beim Gemeindetag wird unter anderem sein, die Kommunen der Kreisverbände zu betreuen. "Es war die schwierigste berufliche Entscheidung, die ich je zu treffen hatte", sagte der 38-Jährige und betonte: "Es war keine Entscheidung gegen Beilstein, sondern für die Perspektive, auf einer anderen Ebene etwas bewirken zu können." Für seine neue Arbeit wird Patrick Holl in die Geschäftsstelle des Gemeindetags nach Stuttgart wechseln. Mit seiner Familie will er weiter in Beilstein wohnen.
Ob Patrick Holl seine neue Tätigkeit zum 1. Februar oder zum 1. März aufnimmt, entscheidet sich erst in der nächsten Zeit. Sicher ist aber: "In Beilstein wird es eine gewisse Karenzzeit geben", kündigte der Bürgermeister an. In dieser Zeit wird Oliver Muth, erster Bürgermeisterstellvertreter und FWV-Fraktionssprecher im Gemeinderat, die Geschicke im Rathaus federführend lenken.
Stadträte können Entscheidung nachvollziehen

Für Muth und alle anderen Gemeinderäte, die Holl am Donnerstagabend in einer Videokonferenz informierte, kommt die Neuigkeit sehr überraschend: "Wir bedauern den Weggang des Bürgermeisters inmitten der Corona-Krise. In Beilstein stehen außerdem viele wichtige Themen an." Der Gemeinderat müsse nun die drängenden Themen mit Vorrang behandeln. Ein Wechsel in der Verwaltungsspitze sei zwar ungünstig, sagte Muth, er könne Holls beruflichen Stellenwechsel aber nachvollziehen: "Es ist in Ordnung. Für ihn ist das eine Chance, sich weiterzuentwickeln." Gemeinderat und Verwaltung müssten nun eng zusammenarbeiten, damit es in Beilstein während einer Übergangszeit nicht zum Stillstand komme.
So sieht das auch Oliver Kämpf. "Es ist jetzt wichtig, dass sich der Gemeinderat organisiert, sich als Gremium sieht und als solches festlegt, welche Dinge vorweggenommen und beschlossen werden", sagte der Fraktionssprecher der Bürgerliste und zweiter Bürgermeisterstellvertreter. "Es stellen sich viele offene Fragen. Wir werden uns als Gremium selbst finden und auch an uns denken müssen."
Auch Wolfgang Behr (FDP) sieht die Aufgabe des Gemeinderats nun darin, die richtigen Dinge auf den Weg zu bringen, damit später keine Grundsatzdiskussionen geführt werden müssen. "Für uns ist Patrick Holls Entscheidung nachvollziehbar. Wir wünschen ihm natürlich alles Gute für seine neue Tätigkeit." Verständnis zeigt auch Peter Gruner von der Initiative Beilstein: "Wir schätzen die Art und Weise, wie Patrick Holl konstruktive Diskussionen in den Gemeinderat eingeführt hat. Er hat auch kleinere Fraktionen wie uns in allem mit eingebunden. Er hat in der Stadt vieles mit Bedacht und Voraussicht vorangetrieben."
SPD-Stadtrat Bernd Kircher sagte: "Uns hat überrascht, dass es Herrn Holl zu einer anderen politischen Organisation zieht. Er war gut für Beilstein, das haben andere wohl mitbekommen."
Beilsteins Bürgermeister wechselt zum Gemeindetag Baden-Württemberg. Holl ist seit 2012 Bürgermeister der Stadt. 2019 wurde er zum zweiten Mal ins Amt gewählt.
Wichtige Projekte in der Stadt
Gemeinderat und Bürgermeister haben eine Reihe von Projekten angestoßen, die Beilstein noch lange beschäftigen werden. Da wäre die Entwicklung des Neubaugebiets Hartäcker, mit dem rund 300 neue Einwohner hinzukommen. Die Stadt muss die millionenschwere Sanierung des Schulzentrums stemmen. Und beim Projekt Bottwartalbahn gehe mit Holl "einer der Speerspitzen", sagt Stadtrat Oliver Kämpf.
Kommentar: An einem Strang
Vor gerade mal einem Jahr freute sich Patrick Holl über seine Wiederwahl zum Bürgermeister der Stadt Beilstein. Grund zum Jubeln hatte er allemal: 93,6 Prozent der Stimmen und eine hohe Wahlbeteiligung von mehr als 40 Prozent sind ein klares Zeichen aus der Bürgerschaft. Die Beilsteiner stehen hinter ihrem Bürgermeister, der die Geschicke im Rathaus seit 2012 lenkt.
Weitere acht Jahre sollte Holl die Geschäfte führen. Doch schon nach einem Jahr der Paukenschlag: Der 38-Jährige wird im Frühjahr 2021 nach Stuttgart wechseln und im Gemeindetag Baden-Württemberg wichtige Aufgaben übernehmen. Als Beigeordneter steht er im engen Austausch mit den Mitgliedskommunen, kann bei wichtigen Entscheidungen auf landespolitischer Ebene mitbestimmen. Holl wollte die Chance nutzen. Das ist nur verständlich - so sieht es auch der Gemeinderat.
Und doch könnte der Zeitpunkt für seinen Rücktritt nicht schlechter gewählt sein: Die Corona-Krise wütet, und in der Langhansstadt stehen viele wichtige Themen an. Etwa die Entwicklung des Wohngebiets Hartäcker, der Standort für das neue Seniorenpflegeheim oder die Frage, wie es mit dem Gelände der Spätregen-Mission, an dessen Kauf die Stadt interessiert ist, weitergeht. Zusätzlich muss die Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin organisiert werden. Umso wichtiger ist jetzt, dass Gemeinderat und Verwaltung zusammenhalten und gemeinsam an einem Strang ziehen.
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