Bürgermeister Patrick Holl: "Abwechslung macht den Reiz aus"
Bürgermeister Patrick Holl spricht über die Vorzüge seiner Stadt und die Herausfordrungen, die kommende Projekte mit sich bringen.

Wie wird sich Beilstein in den kommenden Jahren entwickeln? Was sind die Herausforderungen? Im Rahmen der Stimme-Aktion "50 Wochen - 50 Orte" steht Bürgermeister Patrick Holl Rede und Antwort.
Herr Holl, haben Sie einen Lieblingsort in Beilstein?
Patrick Holl: Es gibt viele schöne Aussichtsplätze. Einer ist im Ortsteil Maad, an einem kleinen Spielplatz. Er liegt in exponierter Lage, und man sieht schön ins Schmidbachtal runter. Der andere ist oberhalb der Burg auf dem Wartkopf. Da sieht man gut über die Stadt und die Burg. Ansonsten bin ich mit meiner Familie auch gern am Annasee.
Was ist für Sie das Besondere an ihrer Stadt?
Holl: Das, was Beilstein sicher auf den ersten Blick ausmacht, ist die klassische Stadtansicht mit Burg, Schloss, Kirche und Weinbau. Dazu kommt eine relativ große Gemarkung mit attraktiver Landschaft, und trotzdem hat man es nicht weit zu den naheliegenden Großräumen. Für die Bewohner bietet Beilstein ein aktives Gemeinwesen und viele Möglichkeiten für Hobbys, Freizeit und Vereinswesen.
Sind Sie deshalb auch gern Bürgermeister in Beilstein?
Holl: Ja, sicherlich. Es gibt hier ländlich, aber auch städtisch geprägte Anforderungen. Die Abwechslung, die teilweise fast ein bisschen gegensätzlich ist, kann herausfordernd sein, macht die Arbeit in Beilstein aber auch spannend. Es bieten sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten.
Herausforderungen stecken auch im Haushalt 2020, den die Verwaltung kürzlich eingebracht hat. Dort sind so viele Investitionen wie noch nie eingeplant. Macht Ihnen das Sorgen?
Holl: Zunächst muss der Haushalt noch verabschiedet werden. Aber natürlich werden große Investitionssummen bewegt. Denen stehen auch Fördergelder oder Einnahmen durch Grundstücksverkäufe gegenüber.
Sie gehen die Projekte also relativ entspannt an?
Holl: Einen gewissen Anlass zur Sorge gibt es durchaus, wenn ich mir zwei Trends ansehe. Nach zehn Jahren stetig steigender Steuereinnahmen gibt es nun Anzeichen, dass es zumindest nicht noch einmal zehn Jahre so weitergehen wird. Da wird der Spielraum enger. Hinzu kommt das neue Haushaltsrecht mit strengeren Regelungen. Da muss man in den nächsten Jahren sicher einige Stellschrauben anpassen.
Bedeutet das Steuererhöhungen?
Holl: Man kann auch versuchen, Ausgaben zu reduzieren, aber das ist nicht einfach, da damit in der Regel auch Angebote infrage gestellt werden. Und ja, Einnahmen zu erhöhen, bedeutet für eine Kommune meist, Steuern zu erhöhen. Auch das ist nicht einfach. Einsparpotenzial kann manchmal auch interkommunale Zusammenarbeit bieten. Zudem muss man sehen, wie sich die Förderkulisse entwickelt. Der nachfolgenden Generation möchte man bestenfalls solide Finanzen und eine zeitgemäße Infrastruktur hinterlassen. Beidem gerecht zu werden, scheint jedoch immer schwieriger zu werden.
Zeitgemäße Infrastruktur soll auch durch die Sanierung von Gymnasium und Grundschule geschaffen werden. Der Gemeinderat hat kürzlich ein Architekturbüro beauftragt. Wie geht es dieses Jahr weiter?
Holl: Es ist angedacht, zeitversetzt zu arbeiten. Man wird versuchen, das eine Gewerk in die Bauphase zu bringen, während man das andere planerisch vorbereitet. Wir wollen dieses Jahr einen Auftakt mit der Sanierung des Dachs und/oder den Sanitäranlagen schaffen.
Wie lang dauert die Sanierung?
Holl: Wir müssen laut Förderrichtlinien Ende 2022 fertig sein und Ende 2023 abgerechnet haben. Das ist ein straffer Zeitplan.
Sie haben inzwischen öfter angedeutet, dass sich bei der Standortsuche für ein neues Pflegeheim eine Lösung abzeichnet. Wie sieht die aus?
Holl: Von privater Seite wurde ein Grundstück als potenzieller Standort angeboten und die Bereitschaft als Investor tätig zu werden signalisiert. Inwieweit eine Realisierung an dem Standort machbar ist, wird derzeit geprüft.
Durch das Neubaugebiet "Hartäcker" und andere kleinere Wohnbauprojekte kommen immer mehr Einwohner hinzu. Wie stark wird die Stadt in den nächsten Jahren wachsen?
Holl: Durch das Neubaugebiet kommen etwa 250 bis 300 Einwohner hinzu. Es kann auch Effekte durch das Sanierungsgebiet Schmidhausen geben, die ich noch nicht genau bemessen kann. Auch der demografische Wandel spielt eine Rolle. In altersbedingt frei werdende Einfamilienhäuser, welche von einer oder zwei Personen bewohnt wurden, ziehen häufig Familien mit mehreren Kindern.
Reicht die vorhandene Infrastruktur auf Dauer aus?
Holl: Sicher nicht in allen Bereichen. Bei der Kinderbetreuung wird es in jedem Fall mehr Bedarf geben - auch in der Kernzeitbetreuung der Grundschule.
Gibt es noch weitere Pläne für Baugebiete und damit für mehr Wachstum? Die Nachfrage wäre ja da.
Holl: Nun sollten erst einmal die Projekte abgearbeitet werden, die wir angestoßen haben. Die Herausforderung ist, die Balance hinzubekommen zwischen Wachstumsdruck und dem Erhalt der Lebensqualität und der Identität der Stadt. Eine Notwendigkeit, über die im Raum stehenden Vorhaben hinaus noch weitergehende Wachstumsziele auszurufen, sehe ich aktuell nicht.

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