Stimme+
Erlenbach

Pläne für neuen Waldfriedhof in Erlenbach gehen weiter

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Ein vier Hektar großes Areal im Tiergarten in Erlenbach scheint die Kriterien für einen Waldfriedhof zu erfüllen. Bürgermeister Uwe Mosthaf hält eine Inbetriebnahme für das zweite Halbjahr 2021 für möglich.

Ähnlich dem Pfadbirkle in Eberstadt, den das Erlenbacher Ratsgremium im April 2018 besucht hat, soll auch der Waldfriedhof in Erlenbach werden.
Foto: Dennis Mugler
Ähnlich dem Pfadbirkle in Eberstadt, den das Erlenbacher Ratsgremium im April 2018 besucht hat, soll auch der Waldfriedhof in Erlenbach werden. Foto: Dennis Mugler  Foto: Mugler

Die Idee, in Erlenbach einen Waldfriedhof anzulegen, gibt es seit fast genau zwei Jahren. Im April 2018 besuchten nämlich die Mitglieder des Gemeinderats den Waldfriedhof Pfadbirkle in Eberstadt und waren sehr angetan. Doch welche Fläche eignet sich in Erlenbach, um Urnenbestattungen im Wald vorzunehmen? Dafür muss der Forst einige Kriterien erfüllen: Ist es halbwegs eben? Wie ist der Baumbestand? Ist es gut anfahrbar? Gehört es der Kommune? Unter diesen Gesichtspunkten haben sich Verwaltung und Forstrevierleiter Ekkehard Matter auf die Suche gemacht. An der Gemarkungsgrenze zu Neckarsulm wurden sie fündig: Ein vier Hektar großes Areal im Tiergarten scheint geeignet zu sein. Warum, erklärte nun Forstrevierleiter Matter in der jüngsten Sitzung.

"Wir haben hier zwei zusammenhängende Flächen à zwei Hektar. Also vier Hektar, die der Gemeinde gehören", erklärt Matter anhand einer Karte, in der zwei Rechtecke markiert sind. Eine Anfahrt zum Waldfriedhof sei später über den Neckarsulmer Schweinshag möglich, "dort gibt es auch Parkplätze ohne Ende". Eine weitere Zufahrt, die für die Erlenbacher eigentlich direkter wäre, sei die über das Aquatoll. Allerdings sei die Straße hier aktuell nur für den Landwirtschaftsverkehr freigegeben. "Vielleicht lässt sich da mit Neckarsulm eine Einigung finden, wenn Bestattungen stattfinden", überlegte der Forstrevierleiter.

Eine interkommunale Zusammenarbeit mit Neckarsulm in Sachen Waldfriedhof sei ohnehin denkbar. "Die Neckarsulmer haben angrenzend Flächen mit gleichem Potenzial", erklärte Matter. Es sei möglich, deren Fläche dazuzupacken. Das erschien auch Bürgermeister Uwe Mosthaf sinnvoll: "Gemeinsam etwas anzubieten, schadet nicht. Ich bin auf deren Antwort gespannt." Der Wald im Tiergartenareal besteht aus teilweise 170 Jahre alten Bäumen, vorwiegend Eichen. Auch Eschen, Buchen, Kirschen und Ulmen sind darunter. "Durch einen Teilbereich ist im August 2019 ein heftiger Sturm gezogen. An diesen Stellen sieht es derzeit noch etwas licht aus." Das regele die Natur jedoch selbst in den nächsten paar Jahren, weiß Matter. Denkbar seien Einzel-, Doppel- und Familienbäume.

Waldcharakter erhalten

Klar sei, betonte Rathauschef Mosthaf in diesem Zusammenhang, dass der Waldcharakter erhalten bleiben soll. "Wir wollen keinen Park anlegen, wo man mit Stöckelschuhen rumlaufen kann." Zwei Kreuze auf der Karte markieren mögliche Andachtsplätze: entweder mittig im Gebiet oder am Randbereich von der Zufahrt aus Richtung Schweinshag kommend. "Mit Holzbänken und Sandsteinalter kann man einen einfach gehaltenen Abschiedsplatz gestalten, so wie das auch in Eberstadt der Fall ist", schlug Matter vor.

Durch die Muldenlage könne das Gelände am tiefsten Punkt relativ feucht werden, Richtung Schweinshag werde der Boden hingegen zunehmend trocken, erklärte Matter. Uwe Bühler äußerte hierzu Bedenken: "Nachher steht das Wasser im Loch, und wir haben eine Seebestattung." Das müsse man noch genauer untersuchen, bestätigte Matter. "Da kann man sicherlich auf die Erfahrungen in Eberstadt zurückgreifen. Auch die haben diese Wasserproblematik." Wolfgang Ingelfinger (FWV) erkundigte sich nach der Zeitschiene. "Nach den Sommerferien 2021 sollten wir soweit sein", entgegnete Uwe Mosthaf. Wenn die behördlichen Hürden genommen sind, könne er im September, Oktober mit der Durchforstung starten, sagte Matter. CDU-Rat Carlo Padrini war es wichtig, dass für die Erschließung des Waldfriedhofs keine zusätzliche Fläche versiegelt wird.

Was ist mit der Jagd?

"Kann das Gebiet normal bejagt werden?", wollte Maren Löhe (CDU) wissen. "Das klären wir. Aber ich kann mir das gut vorstellen. Es ist ja immer noch ein Wald", vermutete der Rathauschef. Auf die Frage von Jörg Rank (FWV), welche Kosten zu erwarten seien, entgegnete Matter: "Bei der Durchforstung als Ersteingriff werden wir erstmal durch den Verkauf von Holz Geld verdienen. Wie das dann mit der Pflege sein wird, kann ich noch nicht abschätzen", so Matter. "Doch die Illusion, dass man da nie etwas machen muss, muss ich Ihnen leider nehmen." Bürgermeister Uwe Mosthaf verwies darauf, dass man in Sachen Kosten noch mal ins Gremium gehen werde.

Der Waldfriedhof Pfadbirkle in Eberstadt ist zirka 8,4 Hektar groß. Der erste Abschnitt des Waldfriedhofes umfasst drei Abteilungen mit insgesamt 150 Bestattungsplätzen. Den Mittelpunkt des Waldfriedhofs bildet der "Platz des Abschieds". Die Gemeinde Erlenbach will den geplanten Waldfriedhof - ähnlich wie Eberstadt - in Eigenregie betreiben. Andere Orte wie Obersulm etwa bedienen sich einer externen Betreiberfirma. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben