Neustart: Hospizdienst Bad Friedrichshall und Umgebung bietet wieder Trauergruppen an
Eltern, die ein Kind verloren haben, sowie Witwer und Witwen können Angebote des Hospizdienst Bad Friedrichshall und Umgebung an neuen Veranstaltungsorten wahrnehmen. Was der Verein sonst noch bietet und wofür er Ehrenamtliche sucht.

Als ihre Tochter 1994 an Leukämie starb, hat Heidi Nowak Unterstützung vermisst - außerhalb des Familien- und Freudeskreises. "Es ist etwas anderes, sich mit Fremden auszutauschen", sagt sie. Damals entstand die Idee, Trauer- und Sterbebegleitung anzubieten. 2007 gründete sie mit einer Freundin den Hospizdienst Bad Friedrichshall und Umgebung, deren Vorsitzende Heidi Nowak bis heute ist. Während der Corona-Pandemie musste der Verein alle Gruppenangebote auf Eis legen.
Jetzt soll es in neuen Räumlichkeiten wieder losgehen - mit der Elterntrauergruppe, einer Trauergruppe für Witwer und Witwen und einem Trauercafé. Mit Martin Schmelcher, der Hausoberer im Krankenhaus in Öhringen ist sowie Diakon in Ausbildung hat Heidi Nowak zusätzliche Unterstützung an ihrer Seite.
Die Gruppen sind für viele Menschen wichtig, vor allem das Trauercafé hat sehr treue Teilnehmer, erzählt Heidi Nowak. Als es nicht stattfinden konnte, habe sie viele Nachfragen bekommen. Problematisch war vor allem, dass es bisher in einem Seniorenheim stattfand, wo strenge Zugangsbeschränkungen gelten. "Das Trauercafé ist für viele die Flucht aus der Einsamkeit", weiß Nowak. Die meisten seien über 65 Jahre alt. Eine Teilnehmerin aus Tiefenbach sei vor Corona jeden Mittwoch dagewesen.

Besuche zu Hause sind auf Dauer nicht möglich
Soweit es ging, hat Heidi Nowak Trauernde auch in den vergangenen zweieinhalb Jahren zu Hause besucht. Das sei aber nicht auf Dauer leistbar. Deshalb sei es wichtig, dass die Gruppen wieder stattfinden. Neu bei der Elterntrauergruppe ist eine Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde Oedheim. Das hat sich auf der Suche nach einem neuen Raum ergeben, berichtet Heidi Nowak. Ab 7. September findet das Treffen mit Eltern, die ein Kind verloren haben, wieder statt.
Teilnehmen kann jeder, betont Martin Schmelcher. Es sei kein religiöses Angebot. Auch die Teilnehmerzahl sei unbegrenzt, eine Anmeldung nicht notwendig. Oft heiße es in Selbsthilfe-Gruppen: "Wir sind schon voll", weiß Heidi Nowak. Das sei schlimm für Trauernde. Nach Rückschlägen zögen sie sich schnell in ihr Schneckenhaus zurück.
Im ersten Jahr nach einem Trauerfall geht es nur ums Überleben
Heidi Nowak weiß aus eigener Erfahrung und durch ihre Ausbildung zur Trauerbegleiterin: Das erste Jahr nach einem Todesfall versucht man nur zu überleben. Die meisten sagten jedoch, dass Reden helfe. Das Wichtigste bei der Trauerbewältigung ist aus ihrer Erfahrung: "Sich Zeit lassen."
Viele Menschen hätten dafür kein Verständnis, dass der Betroffene nicht nach wenigen Monaten wieder der alte ist, dass man sich keinen neuen Partner suchen könne und auch Kinder, die man noch hat, kein Ersatz für ein verstorbenes Kind seien.
Bei den Trauerangeboten des Hospizdienstes erwarte die Teilnehmer Verständnis und Menschen, die zuhören. Nowak und Schmelcher raten jedem, der einen trauernden Freund oder Angehörigen hat: "Zuhören ist wichtig, auch wenn er oft dasselbe erzählt. " Trauernde erwarteten keine Antwort. Der Hospizdienst bietet nicht nur Trauer-, sondern auch Sterbebegleitung an. Rund zehn Mitglieder haben eine entsprechende Ausbildung gemacht und begleiten Sterbende sowie deren Familien zu Hause, im Krankenhaus, im Seniorenheim oder im Hospiz.
Martin Schmelcher ist sich sicher: "Ohne uns würden noch mehr Menschen einsam und anonym im Krankenhaus sterben." Der Verein setze sich dafür ein, "das Sterben wieder nach Hause zu holen". Dort habe die Familie und der Sterbende Ruhe, es sei ein würdiger Abschied möglich. Heidi Nowak ist für Hilfesuchende die erste Ansprechpartnerin. Sie vermittelt Sterbebegleiter des Vereins. "Manchmal reicht aber auch schon ein Gespräch und die Gewissheit, dass sie mich jederzeit wieder anrufen könnten", erzählt sie.
Sich so viel mit Trauer und Tod zu beschäftigen, gehe ihr zwar oft an Herz und Seele, sagt Nowak. Sie habe aber gute Freunde, ihre Familie, ihre Tiere, und sie gehe viel in die Natur, was ihr helfe. "Ich möchte die Menschen aber unterstützen", sagt sie. Und man bekomme viel Dankbarkeit zurück, findet Martin Schmelcher.
Anfang September startet das Angebot mit einer Elterntrauergruppe
Die Elterntrauergruppe des Hospizdienstes Bad Friedrichshall und Umgebung findet im katholischen Gemeindehaus in Oedheim (Säukisweg 2) ab 7. September immer am ersten Mittwoch im Monat von 18.30 bis 20.30 Uhr statt. Die Trauergruppe trifft sich immer am zweiten Dienstag im Monat von 18 bis 20 Uhr in Offenau. Der genaue Ort wird unter 0170 8327717 oder hospiz@t-online.de mitgeteilt. Der erste Termin ist am 13. September. Das Trauercafé öffnet seine Türen wieder ab 21. September jeden dritten Mittwoch im Monat im Züchterheim Z88 in Bad Friedrichshall (Mühlstraße 20) von 15 bis 17 Uhr. Einmal im Monat veranstaltet der Hospizdienst zudem einen Stammtisch für Trauernde.
Dringend gebraucht werden Ehrenamtliche, die sich vorstellen können, eine Ausbildung zum Trauer- oder/und Sterbebegleiter zu machen. Bei Interesse beantwortet Heidi Nowak Fragen unter 0170 8327717 oder hospiz@t-online.de. Weitere Infos gibt es auch auf der Homepage: www.hospizdienst-badfriedrichshall.de.
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