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Bad Friedrichshall

Nach Brandkatastrophe: Große Spendenbereitschaft rührt Bäckerfamilie Hörtling zu Tränen

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Mitte Oktober brennt das Lager der Bäckerei Hörtling, die Flammen greifen auch auf die Backstube über. Der Schaden wird auf eine Million Euro geschätzt. Doch nun gibt es erste Lichtblicke.

von Ute Plückthun
Nach dem verheerenden Brand am 14. Oktober (großes Foto) ist der Zusammenhalt groß (kleines Foto). Andreas Haag (links) und Christian Horning (Zweiter von rechts) bringen Spendenzusagen an Familie Hörtling.
Nach dem verheerenden Brand am 14. Oktober (großes Foto) ist der Zusammenhalt groß (kleines Foto). Andreas Haag (links) und Christian Horning (Zweiter von rechts) bringen Spendenzusagen an Familie Hörtling.  Foto: Kinkopf (großes Foto). Plückthun (kleines Foto), Montage: Stimme.de

Der 14. Oktober veränderte für die Bäckerei Hörtling alles: "Wenn über 40 Jahre abbrennen, ist das eine Katastrophe", sagt Bernd Hörtling. Umso mehr freut den 52-jährigen Bäckermeister die große Spendenbereitschaft, die die Familie seitdem erfahren hat. Sie rührt seine Frau Bianka Hörtling-Sosko sogar zu Tränen. Wie zuletzt die beiden Schecks, die Christian Horning vom Musikverein und Andreas Haag vom Förderverein des Friedrichshaller Sportvereins (FSV) übergeben haben.

Nach der Brandkatastrophe spenden Bürger und Vereine für Bäckerfamilie 

Die Gewalt der Flammen ist auf dem Gelände in der Otto-Hahn-Straße 5 noch zu sehen. Vom Wohncontainer der Familie liegen Isoliermaterial, Heizkörper, Wände, Fenster und Türen auf einem Haufen durcheinander. Das Gästezimmer klafft offen wie in einer Puppenstube. Das Lager, in dem der Brand vermutlich ausgebrochen ist, ist zerstört. In der Backstube ist das Dach kaputt. "Ob sie innen saniert werden kann oder ob es wirtschaftlicher ist, sie frisch aufzubauen, muss noch geklärt werden", sagt Bernd Hörtling. Auch, ob die Maschinen wiederverwendet werden können. "Es werden immerhin Lebensmittel produziert."

Um 20.12 Uhr hat er die Feuerwehr alarmiert. "Nach drei oder vier Minuten waren sie schon da." Jeder der für unterschiedliche Bereiche zuständigen Sachverständigen sei innerhalb von einer Woche zur Begutachtung vor Ort gewesen. Der Schaden wird auf eine Million Euro geschätzt. "Wir haben aber noch kein Aktenzeichen von der Polizei, und auch der Stempel der Staatsanwaltschaft fehlt noch", sagt er. Das ist Voraussetzung, "damit sich mit der Versicherung etwas bewegt".


Hörtling: Nicht die Kraft, vier Stunden aufzuräumen

Den verrauchten Raum habe man am Anfang nicht länger als eine halbe Stunde betreten können. Mit Atemschutz und Schutzanzug. Inzwischen gehe es mit FFP-2-Maske. "Aber ich habe nicht die Kraft, vier Stunden aufzuräumen", sagt Hörtling. Im Büro sichert er derzeit Meisterbriefe und Zeugnisse. Die Buchhaltung für das Jahr 2023 dagegen, die kurz vor dem Brand in Arbeit war: "Alles total verrußt".

Die Spendenbereitschaft nach dem Brand, der der fünfköpfigen Familie alles geraubt hat, was sie nicht auf dem Leib trug, war riesig. "Wir haben von Freunden, Kunden und Personal Kleidung und Möbel geschenkt bekommen, sogar eine Spülmaschine, eine Waschmaschine und einen Trockner", erzählt Bianca Hörtling-Sosko, die an einer Tankstelle als Kassiererin arbeitet. Mit Bernd Hörtling und dem 13-jährigen Lukas-Maximilian Hörtling wohnt sie in ihrer Eigentumswohnung, die frisch renoviert vermietet werden sollte. Sohn Fabian Sosko (22) wohnt bei der Freundin, Oliver Hörtling (56) bei Bekannten.

Große Spendenbereitschaft: Mehrere Tausend Euro kommen zusammen

Eine Freundin hat auf einer Spendenseite im Internet unter dem Stichwort "Helft Familie Hörtling in ihrer Not" ein Konto eingerichtet, auf dem bislang rund 6000 Euro eingegangen sind. Zudem haben der Musikverein und der Förderverein des FSV, der insbesondere das Hagenbacher Bockbierfest ausrichtet, für ihren Zulieferer gesammelt. "Beim Musikerbesen Ende Oktober haben wir Spendenkässchen aufgestellt", sagt Vorstand Christian Horning. Plus mehrerer Einzelspenden sind 3000 Euro zusammengekommen. 500 Euro kommen vom FSV-Förderverein. Andreas Haag ergänzt: "Unsere Bockbierfestjugend legt nochmal 250 Euro drauf."

Weitergehen soll es mit der Bäckerei auf jeden Fall. "Wenn es nach ihm geht, gestern schon", sagt Bianca Hörtling-Sosko über ihren Mann. Um möglichst zum 125-jährigen Bestehen wieder verkaufen zu können, werden Pläne geschmiedet. "Wir haben ein paar Backstuben angeschaut, wo die Produktion stattfinden könnte. Alles aber noch in der Schwebe", sagt Hörtling. Es könnte eine Interimslösung vor dem Neustart sein. Immerhin steht mit Sohn Lukas-Maximilian die fünfte Generation bereit.


Eine Bäckerei mit Tradition

Schon der Ururgroßvater von Bernd und Oliver Hörtling, die 1994 ihre Meisterprüfung ablegten, war vermutlich Bäcker. Zum ersten Mal schriftlich verbürgt ist die Bäckerei in der Kochendorfer Rathausgasse (heute Hauptstraße 19) für 1899, als Uropa Heinrich am 20. April die Genehmigung erhielt, zusätzlich zum Backwarenverkauf auch feine Liköre auszuschenken. Von den Großeltern Robert und Helene wurde der Betrieb weitergeführt. Unter den Eltern Roland und Karin, die bis 2007 für Backstube und Laden verantwortlich waren, fand 1987 der Umzug in die Otto-Hahn-Straße 5 statt.

 

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