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Erlenbacher Weinfest: Höhepunkt im örtlichen Leben entfällt erneut

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Die beliebte Veranstaltung im Sulmtal wird schon im zweiten Jahr in Folge wegen Corona abgesagt. Für die Vereine im Ort ist das ein herber finanzieller Verlust.

Von Ralf Schick
Im Ort unterhalb des Kaybergs wird es im August das große Weinfest zum zweiten Mal in Folge nicht geben. Foto: Werner Glanz
Im Ort unterhalb des Kaybergs wird es im August das große Weinfest zum zweiten Mal in Folge nicht geben. Foto: Werner Glanz  Foto: Glanz, Werner

Normalerweise kämen am kommenden Wochenende wieder Tausende zum überregional bekannten Erlenbacher Weinfest. Doch bereits zum zweiten Mal musste der Publikumsmagnet wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Die Vereine trifft das nicht nur finanziell hart, der Gemeinde fehlt auch ein Höhepunkt im örtlichen Leben.

Rund 200 freiwillige Helfer fast ausschließlich aus den örtlichen Vereinen wären in den nächsten Tagen wieder damit beschäftigt, das traditionelle Weinfest vorzubereiten. Doch massenhaft Zwiebel schneiden oder Petersilie zupfen fällt auch dieses Jahr wieder aus. "Wir hätten das nicht stemmen können", sagt Florian Diefenbach, Vorsitzender des organisierenden Festvereins Erlenbach am Kayberg.


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Idee eines kleineren Festes 

"An den vier Tagen kommen normalerweise über 20.000 Besucher", sagt Diefenbach. Bei den derzeit geltenden Corona-Regeln "hätten wir nie und nimmer die Erfassung der Kontaktdaten hinbekommen." Der Verein habe sich zwar überlegt, etwas Kleineres zu veranstalten, "aber nicht unter dem Namen Erlenbacher Weinfest". Denn das Fest ist eine inzwischen weit über die Region hinaus bekannte Marke. Mit rund 245 Hektar Weinanbaufläche gehört Erlenbach schließlich zu den größten Weinbaugemeinden in Baden-Württemberg.

Für den Großteil der 16 Vereine ist die erneute Absage ein herber finanzieller Verlust. "Den größten Nachteil haben natürlich die, denen jetzt zum zweiten Mal in Folge die Haupteinnahmequelle fehlt", weiß Diefenbach. "In erster Linie geht es natürlich um einen finanziellen Verlust für den Musikverein Erlenbach", sagt Susanne Kühner, Vorsitzende Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsbetrieb im Verein. Deswegen habe man auch überlegt, "unsere Finanzen mit einer kleineren Veranstaltung im September ein wenig aufzubessern", sagt Kühner.


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Weinfest sorgt sonst immer für ausgebuchtes Hotel

Corona und die Folgen treffen aber nicht nur die Vereine. "Normalerweise hätten wir an diesen Tagen 360 Übernachtungen", wissen Evelyn Proch-Braune und ihr Mann Andre Braune vom Hotel und Restaurant Rebstock. Ihre 31 Zimmer mit 56 Betten sind seit Jahren an Weinfest-Tagen ausgebucht. "Diese vier Tage fehlen uns sehr", sagt Braune. Auch Erna Maier ist traurig. "Es ist für die ganze Gemeinde einfach schade, dass es nicht stattfinden kann" und dass Corona dem Fest erneut einen Strich durch die Rechnung macht, sagt die 70-jährige Backfrau, die schon seit über 30 Jahren beim Fest mitmacht.

Maier, die normalerweise mit ihren unzähligen Mitstreiterinnen Hunderte der begehrten Bauernkuchen mit Zwiebelrahm und Petersilie in einem der beiden Backhäuser kreiert, rechnet sogar damit, "dass wir auch in den nächsten Jahren nicht mehr so ein Weinfest haben werden wie bisher".

Die Vereine werden sich wohl Alternativen überlegen müssen, wie man das seit 1977 bestehende Fest künftig unter Pandemie-Bedingungen noch feiern kann. Und mancher im Ort wünscht sich das sogar, weil das Fest in den vergangenen Jahren "einfach nur übervoll" war, sagt ein Festanrainer. In seinem Vorgarten muss er am nächsten Tag regelmäßig die Folgen der Großveranstaltung wegräumen. Verzichten möchte aber auch er nicht auf das Fest, "nein, das gehört einfach zu der Gemeinde dazu und fehlt uns allen", betont der Mann. Das findet auch Susanne Kühner. Sie vermisse "die schönen Stunden vor, während und nach dem Weinfest" schmerzlich. Ebenso das tolle Team rund um die zwei Backhäuser, die Weinstände, den Sektstand und die Musik, "die wir ja auch selbst mitgestalten", betont Kühner. Es sei einfach eine ganz besondere Zeit in Erlenbach mit einem ganz besonderen Zusammenhalt, sagt Kühner. Und Erna Maier fehlt "am meisten die Geselligkeit".

Lange Tradition

Das Original Erlenbacher Weinfest wurde auf Initiative des früheren Musikvereinsvorsitzenden Theodor Mosthaf gegründet und fand erstmals am 19. August 1977 statt. Rund ums Rathaus und im Ortskern kamen bereits zum ersten Fest Tausende Besucher. Das Fest veränderte sich in den Jahren und es kamen immer mehr Vereine und Privatbetriebe hinzu, auch die Anzahl der Helfenden stieg kontinuierlich. Viele opfern ihren Jahresurlaub für die viertägige Veranstaltung. Zur Historie des Weinfestes gibt es auch ein Buch, das die Geschichten zum Original Erlenbacher Weinfest überliefert. Weiter Informationen dazu gibt es unter www.weinfestbuch.de ras

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