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Ärzteversorgung in Neudenau langfristig gesichert

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Die Jagsttalpraxis wurde auf 210 Quadratmeter verdoppelt. Mit zukünftig drei Fachärzten und einer Assistentin ist die Ärzteversorgung gesichert. Bürgermeister Manfred Hebeiß spricht von einem Glücksfall.

Von Ute Plückthun
Bürgermeister Manfred Hebeiß (rechts) und das Team der Jagsttalpraxis lassen sich von Steffen Grüll das Diagnoseverfahren beim EKG erläutern.
Bürgermeister Manfred Hebeiß (rechts) und das Team der Jagsttalpraxis lassen sich von Steffen Grüll das Diagnoseverfahren beim EKG erläutern.  Foto: Plückthun, Ute

Die Ärzteversorgung bereitet vielen Kommunen Sorgen. "Im Landkreis Heilbronn sind 13 Sitze frei", sagt Hausarzt Steffen Grüll, der zugleich Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie, Ernährungs- und Notfallmedizin ist, zu unbesetzten Praxisstandorten. Anders in der Stadt Neudenau, in der die Jagsttalpraxis die Stellung hält. Für Bürgermeister Manfred Hebeiß ist es deshalb schlichtweg "ein Glücksfall, dass die Nachfolge geregelt werden konnte".

Zudem nahtlos: Bis Ende 2022 ist Dr. Ulrich Seidler noch mit im Boot. Bereits zum 1. Oktober 2021 hat er die Praxis verkauft, die durch Gabi und Steffen Grüll renoviert, umgebaut und durch eine schon länger leerstehende physiotherapeutische Praxis auf das Doppelte erweitert wurde - dank abtrennbarer Praxishälften im laufenden Betrieb. Einige Gäste hatte das Ehepaar nun zur Besichtigung eingeladen.


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"Super, ganz toll", beurteilt eine 59-jährige Besucherin die vier Sprechzimmer, Empfangs- und Wartebereiche, das Verbandszimmer und den Funktionsraum, in dem EKG-Messungen erstellt oder Lungenfunktion und Blutdruck überprüft werden. Alles ist hell und modern eingerichtet. Böden wurden ausgetauscht, Wände gestrichen, das Mobiliar komplett erneuert und Bilder vom namensgebenden Jagsttal, teils auch innenbeleuchtet oder schallschluckend, aufgehängt.

Patientin ist begeistert

Was sie vor allem freut: "Ich bin gottfroh, dass ich hier übernommen wurde und am Ort bleiben kann." Bisher Patientin in der zur Jahresmitte geschlossenen Praxis von Dr. Birgit Heck, sei dies keine Selbstverständlichkeit. "Sonst hätte ich vielleicht Probleme bekommen, einen neuen Hausarzt zu finden." Zur Verstärkung der hausärztlichen Praxis wurde zum 1. März 2022 Dr. Eva Piazolo angestellt. Die Fachärztin für Innere Medizin, Diabetologie und Ernährungsmedizin war zuvor an der Klinik Tettnang tätig. Denn zu den fast 2000 Patienten sind in der Praxis weitere 1500 hinzugekommen.

Zur Zahl sagt Steffen Grüll: "Im Moment ist es anstrengend, aber noch gut machbar." Käme aus anderen Kommunen noch weiterer Zustrom, sei bei 4000 Patienten eine Grenze erreicht. Mehr sei wohl nicht zu bewältigen. Um das inhaltliche Angebot noch breiter aufzustellen, stehen in Kürze weitere personelle Aufstockungen an. Zum Jahresende nimmt mit Dr. Lukas Piazolo ein Internist und Nephrologe seine Tätigkeit auf. Außerdem stößt im Januar vom Klinikum am Plattenwald die approbierte Assistenzärztin Dr. Melanie Schäfer in ihrer Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Jagsttalpraxis hinzu.

Dass die Entwicklung nicht überall so positiv ist, betont Bürgermeister Hebeiß. "Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum ist sehr problematisch", sagt er. Auch im direkten Umfeld: "Nach der Klinikschließung in Möckmühl hat sich das extrem verstärkt." Vom Medinischen Versorgungszentrum als "Nachfolgegeschichte" ist er enttäuscht. Statt die erhoffte Entlastung zu bringen, habe es sich seiner Meinung nach "fast desaströs" entwickelt.

Trotz Kinder- und Jugendheilkunde, orthopädisch-chirurgischer Praxis, Notfallpraxis, Frauenarztpraxis, ASB Therapiezentrum und Pflegestützpunkt des Landkreises Heilbronn: "Das, was vollmundig versprochen wurde, ist nicht eingelöst worden." Internisten gebe es nicht, die Frauen- und Kinderarztpraxen seien lediglich von der Stadt in die Hahnenäcker verlegt worden. Wegen der nur kurzen Sprechzeiten an vier Vormittagen in der allgemeinmedizinischen Hausarztpraxis seien "viele Patienten zu uns rübergeschwappt. Da klafft eine Lücke."

Aufwendiger Umbau

Nach Umbau und Renovierung für rund 600 000 Euro sind die neuen Praxisräume auf 210 Quadratmetern seit 1. Juli fertig. Drei Sprechzimmer, Funktionsraum und Verbandsraum befinden sich im ersten Stock. "Um Barrierefreiheit herzustellen, war zunächst ein Aufzug im Gespräch", räumt Steffen Grüll ein. Dieser Plan sei aus Platz- und Kostengründen verworfen worden. Stattdessen gibt es im Erdgeschoss für gehbehinderte Patienten ein weiteres Sprechzimmer mit beweglichem Behandlungsstuhl und zusätzlichen Funktionen wie etwa Ultraschall. Eine Stufe zur Unteren Brunnengasse hin hat die Stadt baulich beseitigt. 

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