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Hochradioaktiver Atommüll

Längere Zwischenlagerung in Neckarwestheim? Atom-Endlager kommt wohl deutlich später

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Ein Gutachten zeigt, dass das Jahr 2031 für die Suche nach dem Atommüll-Endlager bei Weitem nicht zu halten ist. Das sorgt für Frust in Neckarwestheim. Denn hier bleibt das Zwischenlager wohl noch Jahrzehnte bestehen.

Von Rebekka Wiese, Heiko Fritze und Friedhelm Römer

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Die Suche nach dem Endlager für den hochradioaktiven Atommüll aus dem abgeschalteten Atomkraftwerk in Neckarwestheim könnte sich um Jahrzehnte verzögern. Der Atom-Müll lagert aktuell noch im Zwischenlager in der Region Heilbronn. Dass sich die Suche nach einem geeigneten Endlager noch derart in die Länge ziehen könnte, ging nun aus einem aktuellen Gutachten hervor, das das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) nun veröffentlicht hat. Geplant war ursprünglich mal das Jahr 2031.

Atom-Zwischenlager in Neckarwestheim bleibt wohl Jahrzehnte länger bestehen als geplant

Rund 43 Jahre Verzögerung. So kann man die aktuelle Prognose zusammenfassen. Das Gutachten hält somit frühestens das Jahr 2074 für realistisch. Zuerst hatte der Deutschlandfunk über das Gutachten berichtet und so offenbar dazu beigetragen, dass es nun veröffentlicht wurde. Dabei war es seit Ende Februar fertig. Das BASE übergab das Gutachten dem Bundesumweltministerium allerdings erst im Juli. Das sei nicht ungewöhnlich, erklärt das BASE auf Nachfrage dieser Redaktion.

Verschiebung von Atom-Endlager schon länger im Gespräch – aber noch nie für einen so langen Zeitraum

Dass die Standortsuche länger dauern könnte als 2031, dürfte Fachleute nicht überraschen. Das Datum stammt aus dem Standortauswahlgesetz, das der Bundestag in dieser Form 2017 verabschiedete. Doch 2022 legte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Berechnungen vor, nach denen frühestens 2046 über einen Standort entschieden werden könnte, womöglich sogar erst 2068. Um diese Zahlen zu prüfen, beauftragte das BASE das aktuelle Gutachten beim Öko-Institut – mit dem Ergebnis, dass sich die Standortsuche weiter verzögern könnte.

Das Atommüll-Zwischenlager in Neckarwestheim könnte noch Jahrzehnte bestehen.
Das Atommüll-Zwischenlager in Neckarwestheim könnte noch Jahrzehnte bestehen.  Foto: Sebastian Kahnert (dpa)

Doch die Zeit drängt. Der hochradioaktive Müll soll schließlich für eine Million Jahre in der Tiefe endgelagert werden; aktuell befindet er sich in oberirdischen Zwischenlagern - auch in Neckarwestheim. Diese haben allerdings zeitlich begrenzte Genehmigungen.

Nach Mitteilung zur Verschiebung des Atommüll-Endlagers: Kritik von Neckarwestheims Bürgermeister

Der Neckarwestheimer Bürgermeister Jochen Winkler zeigt sich von dem nun angestrebten Ziel nicht sonderlich überrascht. "Die Zielmarke 2031 war schon seit zwei Jahren vom Tisch", sagte Winkler gegenüber der Heilbronner Stimme. Winkler: "Mit der neuen Zielmarke ist unsere Befürchtung nur noch bestätigt worden."

Winkler kritisiert die Informationspolitik. "Wir hatten Mitte Juni ein Treffen mit den Standortkommunen und den politischen Entscheidungsträgern. Eine Information über ein vor dem Abschluss stehendes Gutachten des Öko-Instituts gab es nicht. Das passt aber ins Bild." Er rechnet ohnehin mit einem noch längeren Zeitraum. "Ich bin der Meinung, dass es 100 Jahre dauern wird, bis die bundesweit 1900 Castoren in eine Endlagerstätte gebracht worden sind."

Atom-Zwischenlager in Neckarwestheim bleibt wohl länger: Naturschützer sprechen von Pulverfass

"Das Gutachten bestätigt das bekannte Wissen, dass die Lagerung der Atommüll-Castoren in den Zwischenlagern wie in Neckarwestheim noch über Generationen andauern wird - wenn nicht sogar für immer", sagt Franz Wagner, Sprecher des Bunds der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN). "Somit sitzt unsere Region auf einem Pulverfass, denn niemand weiß, wie sich Zustand und Stabilität der Castoren und der Lager in den nächsten Jahrzehnten verhalten werden." Der BBMN fordert daher massive Investitionen in die Verbesserung der Sicherheit der Zwischenlager und in Reparaturmöglichkeiten vor Ort für die Castoren. Der ehemalige Umweltminister von Baden-Württemberg Franz Untersteller (Grüne) erklärte vor einigen Jahren: Es gebe "kein sichereres Zwischenlager als Neckarwestheim".

Betreiber arbeitet an Prüfverfahren: Betriebserlaubnis für Atommüll-Lager in Neckarwestheim endet 2046

Beim Betreiber, der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), laufen dafür schon längst die Vorbereitungen, berichtet Sprecher Burghard Rosen - im Wesentlichen mit einem umfassenden Forschungsprogramm, das Alterungseffekte der Behälter und deren Inventare untersucht.

Die BGZ sei verpflichtet, die sichere Aufbewahrung über den bisher genehmigten Zeitraum von 40 Jahren zu gewährleisten. Die Betriebserlaubnis für das Castor-Lager Neckarwestheim endet 2046.

Zwei Zwischenlager in Neckarwestheim: Wie es im mit hochradioaktivem Abfall weitergeht

Auf dem Gelände des abgeschalteten Kernkraftwerks Neckarwestheim gibt es zwei Zwischenlager: In einem Gebäude werden schwach- und mittelradioaktive Abfälle untergebracht, die in den Schacht Konrad bei Braunschweig gebracht werden sollen. Außerdem gibt es das Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle, in dem derzeit 99 Castorbehälter vor allem mit Brennstäben der Kernkraftwerke Obrigheim und Neckarwestheim stehen. Für sie wird noch ein Endlager gesucht.

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