Vor Gericht angeklagt: Brüder wollten Schwager wegen Familienehre ermorden
Weil sie versucht haben sollen, ihren Schwager zu töten, stehen seit Freitag, 20. Juni, zwei Brüder vor dem Heilbronner Landgericht. Das Motiv soll verletzter Stolz und die Familienehre gewesen sein.
Mit einem zehn Zentimeter langen Messer und einem Schlüssel sollen die beiden Angeklagten am 18. Dezember 2024 den Ehemann ihrer Schwester in dessen Wohnung in Heilbronn angegriffen und verletzt haben. Laut Anklage sollen sie darüber hinaus auf ihren Schwager eingeschlagen haben. Von einer Stange oder dem Mundstück einer Shisha-Pfeife ist die Rede. Einer der Beschuldigten soll dem Geschädigten außerdem in einen Finger gebissen haben. „Die Angeklagten entschlossen sich, ihre Todesdrohung in die Tat umzusetzen“, sagte die Staatsanwältin vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts.
Vor Gericht angeklagt: Brüder wollten Schwager wegen Familienehre ermorden
Demnach hätten die beiden 33 und 29 Jahre alten Brüder ihrem Schwager die Tat im Vorfeld angekündigt. Das Motiv war laut Anklage verletzter Stolz und Familienehre. Weil sich das mutmaßlich Opfer in einem Streit mit seiner Ehefrau abfällig über sie und deren Familie geäußert haben soll. Die Anklage lautet gemeinschaftlich versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung. Seit Freitag, 20. Juni, läuft der Prozess gegen die beiden Angeklagten am Heilbronner Landgericht.
Den Streit sollen die Eheleute drei Tage vor dem mutmaßlichen gemeinschaftlichen versuchten Mord gehabt haben. Zwei Tage danach habe einer der beiden Brüder gegen 22.15 Uhr zunächst mit einem Baseballschläger auf das parkende Auto seines Schwagers eingeschlagen. Dabei entstand laut Anklage ein Sachschaden von rund 1000 Euro.
Landgericht Heilbronn: Angeklagte sollen Opfer gestochen, geschnitten, geschlagen und gebissen haben
Einen Tag später, am 18. Dezember 2024, suchten die beiden Brüder offenbar kurz vor 23 Uhr die Wohnung der Eheleute auf. Ihre Schwester habe die Tür geöffnet, obwohl ihr Ehemann sie gebeten habe, das nicht zu tun. Die beiden Brüder schlugen und stachen laut Anklageschrift dort auf ihr Opfer ein. Dabei sollen sie ein rund zehn Zentimeter langes Messer und einen Schlüssel benutzt haben, der mit seiner Spitze zwischen den Fingern einer Faust herausragte. Darüber hinaus sollen sie ihn in einen Finger gebissen haben.
„Sie schlugen und stachen auf Kopf und Oberkörper“, sagte die Staatsanwältin. Der Geschädigte habe versucht, die Angriffe abzuwehren. „Bei so einem dynamischen Geschehen sind lebensgefährliche Verletzungen möglich“, sagte die Anklägerin. „Die Angeklagten wollten den Tod herbeiführen.“
Nur durch das Eingreifen der Kinder sei dem mutmaßlichen Opfer die Flucht aus der Wohnung gelungen. Seine beiden Schwäger sollen ihn auf der Straße eingeholt haben. Dort hätten sie ihre Angriffe fortgesetzt und dem Geschädigten unter anderem in den Rücken gestochen.
Geschädigter rollte sich beim Eintreffen der Polizei auf der Straße hin und her
Die Hilferufe des Ehemanns hätten schließlich auch die Nachbarn alarmiert. Als die Polizei eintraf, waren die mutmaßlichen Täter bereits geflohen. Der Geschädigte habe auf der Straße gelegen, sich hin und her gerollt und laut geschrien. „Er war offenbar auch eingenässt“, sagte einer der Polizeibeamten im Zeugenstand. Um ihn herum habe sich eine Menschentraube gebildet.
„Er glaubte, er müsse um sein Leben kämpfen“, sagte der Polizist. Man habe ihm erklären müssen, dass seine Verletzungen nicht so dramatisch sind, berichtete der Beamte weiter. Zu dieser Einschätzung kamen auch die Notfallsanitäter und später zunächst auch die Notärztin. Eine rund einen Zentimeter breite und etwa einen Zentimeter tiefe Stichwunde im oberen Rücken stellte die Medizinerin fest, darüber hinaus eine ganze Reihe von oberflächlichen Schnittverletzungen am Oberkörper. Außerdem Prellungen sowie eine Verletzung an der Lippe und am Hinterkopf.
Polizeistreife hält Tatverdächtige auf der Straße an
Wie schwer der Geschädigte womöglich tatsächlich von dem Angriff verletzt wurde, stellte sich mutmaßlich erst am Folgetag heraus. Der Ehemann musste wegen Nierenversagens ins Krankenhaus gebracht werden.
Die beiden Brüder wurden bereits kurz nach der mutmaßlichen Tat verhaftet. Eine Polizeistreife, die zum Tatort in Heilbronn gerufen wurde, sah auf dem Weg dorthin in der Werderstraße zwei Männer. Die Beamten hielten die beiden an und stellten ihre Personalien fest. Als einer der Polizisten Blut auf der Hand einer der Brüder sah, nahmen sie die beiden fest, berichtet einer Polizisten im Zeugenstand. Er erinnerte sich daran, dass die beiden Männer außer Atem waren und sehr stark schwitzten.
Der nächste Verhandlungstag findet am Freitag, 11 Juli, um 9 Uhr im Landgericht Heilbronn statt. Dann wollen sich die Angeklagten mit einer Einlassung, die von ihren Anwälten verlesen werden soll, zur Sache äußern.
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