Islamisten-Prozess in Heilbronn: Psychiater soll Angeklagten untersuchen
Erhöhte Sicherheit im Heilbronner Landgericht: Sechs Polizisten und fünf Justizbeamte bewachten den dritten Verhandlungstag gegen drei mutmaßliche Islamisten.
Mit Bewerbungen und Spendenaufrufen hat sich der Hauptangeklagte im Prozess gegen drei mutmaßliche Islamisten offenbar kurz vor seiner Verhaftung am 3. Mai dieses Jahres beschäftigt. Ein Polizeibeamter berichtete am Dienstag vor der 15. Großen Jugendkammer, was er infolge der Hausdurchsuchung auf dem Laptop des 25-Jährigen gefunden hat.
Nur gut eine halbe Stunde lang verhandelte die 15. Große Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts am Dienstagvormittag im Prozess gegen drei mutmaßliche Islamisten. Zwei sollen laut Staatsanwaltschaft „aus Hass auf Juden“ unter anderem einen Anschlag auf eine jüdische Gemeinde in Frankfurt oder Heidelberg geplant haben. Dem dritten Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren Straftat vor.
Islamisten-Prozess in Heilbronn: Hauptangeklagter wollte ehrenamtlich in Gaza helfen
Im Blickfeld stand dabei an diesem Vormittag ausschließlich der Hauptangeklagte, gegen den eine halbe Stunde später ein Parallelprozess wegen versuchten Totschlags eines Polizeibeamten vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts startete. Im Internet soll er sich Videos über ungerechtfertigte Verhaftungen angeschaut haben und sich vergeblich bei einem Sicherheitsunternehmen in Nordrhein-Westfalen sowie ehrenamtlich als Helfer in Gaza beworben haben. Auch dafür erhielt er eine Absage.
Außerdem habe er einen Spendenaufruf gestartet, mit dessen Eingängen Kinder vor den Versuchungen des Westens geschützt werden sollten. Gespendet hatte aber offenbar niemand.
25 Jahre alter Bad Friedrichshaller wollte wegen ADHS und Wutanfällen bei Eltern ausziehen
Als „serious sharp“ (ernsthaft scharf) habe er sich im Internet ausgegeben. Als Profilbeitrag stand daneben „Allahu akbar“ (Allah ist groß). Ein Dokument fand der Heilbronner Polizeibeamte, in dem der Hauptangeklagte erkläre, er wolle aus dem Elternhaus ausziehen. Wegen seiner gesundheitlichen Probleme wie ADHS und Wutanfällen.
Was es mit dem Krankheitsbild und der Persönlichkeit des 25 Jahre alten Y. aus Bad Friedrichshall auf sich hat, soll jetzt Dr. Matthias Michel, Ärztlicher Direktor im Zentrum für Psychiatrie am Klinikum am Weissenhof klären. Auf Antrag der Verteidigung bestellt das Gericht den Psychiater als Sachverständigen.
Der Gutachter soll sich auch mit der Kindheit des Hauptangeklagten beschäftigen. Der Prozess wird am Dienstag, 7. Januar, um 8.30 Uhr fortgesetzt.
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