Schminken ohne Wimpern: Kosmetik-Seminar für Krebspatientinnen in Heilbronn
Krebspatientinnen durchlaufen während der strapaziösen Behandlung körperliche Veränderungen, oft fallen die Haare aus. Die DKMS bietet für Betroffene ein Kosmetik-Seminar in den SLK-Kliniken in Heilbronn an.
Krebspatientinnen durchlaufen während der strapaziösen Behandlung häufig körperliche Veränderungen, oft fallen Haare, Augenbrauen und Wimpern aus – für die Betroffenen eine zusätzliche emotionale Belastung. Damit die Frauen sich wieder ein Stück wohler fühlen, bietet die DKMS ein Kosmetik-Seminar in den SLK-Kliniken in Heilbronn an. Hier lernen Frauen, die an Krebs erkrankt sind, wie sie ihre angegriffene Haut pflegen, Rötungen abdecken und ihr Gesicht in Szene setzen können.
„Uns ist besonders wichtig, dass ihr euch selbst schminkt, um ein Gefühl dafür zu bekommen“, sagt Larisa Smitko, Kosmetikerin und Dozentin des Seminars. Vor jeder der sieben Teilnehmerinnen stehen ein Spiegel, Taschentücher und eine Tasche voller gesponserter Kosmetikprodukte: Foundation, Rouge, Lippenstift und mehr. In einer mehrstufigen Anleitung bringt Larisa Smitkó ihnen Tipps und Tricks im Umgang damit bei.
Krebspatientinnen beim Kosmetik-Seminar in den Heilbronner SLK-Kliniken
Viele der Frauen, die unterschiedlich alt sind, tragen nach eigener Aussage nur wenig Make-Up im Alltag. Sie singe im Chor und male sich bei Auftritten nur die Lippen rot an, erzählt eine Patientin. Mehrere Schichten Schminke seien daher etwas ungewohnt.

„Durch die Perücke ist man eh nicht mehr, wer man vorher war“, sagt die 59-jährige Michaela, die an Brustkrebs erkrankt ist. Käme jetzt noch starke Schminke hinzu, würde sie sich verkleidet vorkommen. Ihren künstlichen Haarersatz trage sie meist nur zur Arbeit. Auch an diesem Tag ist sie nur mit Mütze gekommen.
Die Jüngeren sind schon etwas versierter. Fiona (32) trägt sich rosa Lidschatten auf, eine ähnliche Farbe wie ihr T-Shirt. „Das passt zu meinem Outfit heute“, sagt sie und lacht. Im Alltag spielt die Brustkrebspatientin gerne mit verschiedenen Haarteilen und Perücken, denen sie auch Namen gegeben hat. Heute trägt sie zum Beispiel „Ulla“ – ein braunes Haarteil aus Kunststoff und darüber eine Mütze und Haarklammer.
Larisa Smitkó wird nicht müde zu betonen, wie wichtig Sonnenschutz unter dem Make-Up ist. „Wirklich alles eincremen, die Kopfhaut ist so empfindlich“, ermutigt sie eine Teilnehmerin, die Lotion auch auf den baren Kopf aufzutragen, wo durch die Chemotherapie die Haare ausgefallen sind. Ein Concealer decke die vom Cortison gerötete Haut gut ab, mit einem braunen Gelstift lassen sich die Augenbrauen nachzeichnen, erklärt die Seminarleiterin, die aus dem Raum Pforzheim angereist ist.

Augen richtig Schminken: Kosmetikerin zeigt Krebspatientinnen, wie es geht
Die 43-Jährige Rumänin absolvierte in Deutschland eine Ausbildung zur Kosmetikerin und wurde dann auf das Programm aufmerksam. Bereits seit mehreren Jahren ist die DKMS damit in den SLK-Kliniken zu Gast. Seit der Corona-Pandemie fanden jedoch keine persönlichen Seminare mehr statt. Auf Initiative von Katrin Aigner, Koordinatorin im Tumorzentrum, wird die Veranstaltung nun wiederbelebt. Die nächste Auflage findet am Montag, 6. Juli, statt.
Nach rund zwei Stunden ist die Gruppe mit ihrer Routine durch. Zuletzt sind die Augen dran. Die Wimpern und Augenbrauen fallen meist ganz zuletzt aus, wenn das Haupthaar oft schon wieder nachkommt, berichten die Teilnehmerinnen. „Wenn wir keine Wimpern haben, brauchen wir etwas anderes für die Tiefe“, erklärt Smitkó und demonstriert, wie sie sich mit Kajal die obere Wasserlinie nachzeichnet. Die Teilnehmerinnen sind begeistert. Ob sie sich auch künstliche Wimpern ankleben würden? Teilnehmerin Michaela lacht. „Dafür bin ich zu ungeschickt“, urteilt sie.
Smitkó hat auch Kopftücher mitgebracht und stellt verschiedene Bindetechniken vor, zum Beispiel einen Turban oder ein Piratentuch. Die Gruppe findet etwas zögerlich Gefallen an dem Styling, das ein oder andere Produkt wollen sie künftig auch Zuhause benutzen.
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