Stimme+
Orientierungslos
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Filmriss nach K.o.-Tropfen im Getränk? Heilbronnerin bricht in Club zusammen

   | 
Lesezeit  4 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Eine junge Frau aus dem Raum Heilbronn geht mit Freunden in eine Disco der Region. Dort wird ihr schwindlig, sie hat ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle. Wurden ihr K.o.-Tropfen verabreicht? 


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Das Geschehen rund um den 17. Januar wird eine junge Frau aus dem Landkreis Heilbronn nicht so schnell vergessen. An diesem Abend ist die Schülerin mit Freunden in einem Club in der Region zu Gast. Doch bevor die Clique mit dem Feiern so richtig angefangen hat, ist der Abend bereits gelaufen. „Als wir gegen Mitternacht in der Disco angekommen sind, ist noch nicht viel losgewesen“, berichtet die junge Frau. Gemeinsam gehen die Freunde zur Bar. Sie selbst ist zwar keine Fahrerin, holt sich aber erstmal einen Becher Cola.

Die Gruppe zieht sich in eine ruhige Ecke des Clubs zurück. Man unterhält sich. Kurz darauf holt sich die junge Frau eine Weinschorle. „Bevor ich an der genippt habe, ist es mir aber schon ganz merkwürdig gegangen“, berichtet die Schülerin. „Ich hab abwechselnd geschwitzt und gefroren, mir war schwindlig und meine Wahrnehmung war wie durch einen Nebelschleier getrübt. Ab dann weiß ich erst wieder, wie ich zu Hause im Bett zu mir gekommen bin.“ Geschmacklich sei ihr an der Cola nichts aufgefallen.

Junge Heilbronner Club-Besucherin vermutet K.o.-Tropfen in Cola

Laut Erzählungen ihrer Freunde hat sich die junge Frau im Club übergeben, war völlig orientierungslos und hatte sich körperlich nicht mehr unter Kontrolle. Als die Freunde die Türsteher der Disco um Hilfe gebeten haben, fiel deren Reaktion recht unbefriedigend aus. „Sie haben mich wohl rausgebracht. Medizinische Hilfe oder andere Unterstützung haben die Securitys laut meiner Freunde aber nicht geleistet“, berichtet die Club-Gängerin. „Offenbar dachten die Türsteher, ich sei betrunken.“

Das kann die Schülerin jedoch ausschließen: „Die einzige Erklärung ist, dass mir jemand K.o.-Tropfen in den Cola-Becher gegeben hat. Von der Weinschorle hatte ich ja kaum genippt – und ansonsten auch keinen Alkohol getrunken oder andere Substanzen konsumiert.“ Sie vermutet, dass ihr die K.o.-Tropfen bereits an der Bar in den Becher gegeben wurden.

K.o.-Tropfen in Clubs? Meist Vorstufe für weitere Straftaten

„In jedem Fall muss es sehr schnell gegangen sein. Ich hatte den Becher immer bei mir. Und in der Ecke, in der wir uns aufgehalten haben, war außer uns niemand.“ Möglicherweise hat auch jemand rasch auf dem Weg von der Bar zur Gesprächsecke einen kurzen Moment der Unaufmerksamkeit genutzt. Jemand Verdächtiges habe sich ihr aber nicht genähert. Auch angesprochen und abgelenkt worden sei sie nicht.

Täter setzen K.o.-Tropfen ein, um potenzielle Opfer handlungsunfähig zu machen und im Anschluss Straftaten wie Sexual- oder Diebstahldelikte zu begehen. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn gehen von K.o.-Tropfen laut offizieller Zahlen allerdings kaum nennenswerten Risiken aus: 2023 seien laut eines Polizei-Sprechers vier Fälle bekannt geworden, bei denen die Stoffe Gamma-Butyrolacton (GBL) oder Gammahydroxybuttersäure (GBH) als Tatmittel fungierten. 2024 seien es fünf Fälle gewesen. Allerdings liege die Dunkelziffer hoch, da viele K.o.-Tropfen-Fälle, etwa aus Scham, gar nicht aktenkundig werden.

K.o.-Tropfen sind im Blut meist nur kurz nachweisbar

Auf Nachfrage in dem regionalen Club, in dem die Schülerin am 17. Januar zu Gast gewesen ist, erklärt das Team, dass man „aktuell keinerlei Probleme mit K.o.-Tropfen“ habe. Auch zu dem konkreten Fall liegen keine Informationen vor. „Unsere Security hat Anweisung bei solchen Fällen, wenn etwas gemeldet wird, die Person in einen dafür vorgesehenen Bereich mit Liege zu bringen. Dann wird sofort das Krankenhaus benachrichtigt“, erklärt das Team der Disco.

Am Morgen nach dem Vorfall sei die junge Frau, nachdem die Freunde sie nach Hause gebracht hatten, mit Kopfschmerzen erwacht. „Ich habe mich verkatert gefühlt, mir war schwindlig. Auch Tage später hatte ich immer noch Herzrasen und Konzentrationsprobleme.“

Montags sei sie zum Arzt gegangen, habe eine Blut- und eine Urinprobe abgegeben. „Auffälligkeiten waren dabei nicht feststellbar. Laut des Praxisteams sei das bei K.o.-Tropfen aber auch üblich, dass sich eineinhalb Tage später nichts mehr nachweisen lasse“, berichtet die junge Frau.  

Heilbronner Geschädigte will gegen K.o.-Tropfen-Dunkelziffer vorgehen

Als die Mutter der Geschädigten die Polizei kontaktiert, machen die Beamten wenig Hoffnung, dass eine Anzeige und daran anschließende Ermittlungen zum Erfolg führen. Anschließend entschied sich die junge Frau dazu, persönlich zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. „Selbst wenn in meinem Fall nichts mehr herauskommen sollte: Ich möchte dazu beitragen, dass das K.o.-Tropfen-Thema präsent ist und die Menschen sich des Problems bewusst sind. Die Dunkelziffer muss auf jeden Fall ins Licht rücken“, sagt die junge Frau.

Im Nachhinein ist sie froh, dass der Club-Besuch für sie keine dauerhaften Folgen nach sich gezogen hat. „Meinen Freunden bin ich dankbar, dass sie sich gleich um mich gekümmert haben. Wäre ich auf mich allein gestellt gewesen, wären bestimmt meine Wertsachen weg gewesen – oder mir wäre noch Schlimmeres passiert, was ich mir gar nicht ausdenken möchte.“ Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat bereits im vergangenen Herbst härtere Strafen für Menschen gefordert, die K.o.-Tropfen in Umlauf bringen.

Verschließbare Glasflaschen gegen K.o.-Tropfen in Clubs als Option?

Um K.o.-Tropfen-Fällen vorzubeugen, würde sie vorschlagen, dass Clubs bei Softdrinks weniger auf Glas-Ausschank, sondern auf verschließbare Flaschen setzen würden. „An besagtem Abend ist mir an der Bar an Alkoholfreiem nur Wasser aufgefallen, das in Flaschen angeboten wurde“, berichtet die junge Frau.

Wie das Team der Disco mitteilt, sei dies jedoch keine Option: „Softgetränke werden in der Gastronomie zum Großteil in Bechern ausgeschenkt.“ Verschließbare Plastikflaschen in der Größe seien nicht zeitgemäß – gerade auch aus Umweltschutzgründen. Und weiter: „Glasflaschen können schnell auch mal geworfen werden oder zerbrechen am Boden und würden die Gefahr von Verletzungen, insbesondere bei Frauen mit offenen Schuhen, erhöhen. Wir setzen hier auf bewährte wiederverwendbare Kunststoffbecher.“

Mutmaßliche K.o.-Tropfen-Geschädigte aus Heilbronn will in Clubs vorsichtiger sein

In Zukunft möchte die junge Frau bei Club-Besuchen noch vorsichtiger sein. „Wenn ich mit einem offenen Getränk durch die Menge gehe, werde ich fortan die Hand darauf legen. Ich habe ja nun am eigenen Leib erlebt, dass es ganz schön schnell passieren kann. Und so glimpflich wie bei mir geht es leider nicht immer aus.“

Während der vergangenen Faschingszeit machten Gerüchte die Runde, K.o.-Tropfen seien auch auf dem Papier in öffentlichen Toiletten im Umlauf. Erst vor wenigen Wochen klagten einige Besucher eines Clubs in Stuttgart über die Folgen von mutmaßlich verabreichten K.o.-Tropfen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben