Wenn Kinder still leiden: Weinsberger Projekt hilft Familien mit psychisch kranken Eltern
|
2 Min
Anhören
00:00 / 00:00
Erfolgreich kopiert!
Kinder mit psychisch oder suchtkranken Eltern leiden oft still und tragen insgeheim eine große Verantwortung. Hilfe bietet das Projekt „Stark im Sturm“ des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg. Die Verantwortlichen erklären, welche Anzeichen es gibt und was Angehörige tun können.
An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Glomex, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.
Externer Inhalt
Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.
Etwa jedes vierte Kind in Deutschland lebt in einer Familie, in der mindestens ein Elternteil psychisch krank ist. Die betroffenen Jungen und Mädchen haben ein deutlich höheres Risiko als andere Menschen, später selbst zu erkranken oder eine Sucht zu entwickeln. „Es handelt sich also nicht um Einzelfälle, sondern um ein relevantes gesellschaftliches Thema“, betont Anne Koopmann. Sie ist Leiterin des klinikübergreifenden Projekts „Stark im Sturm“, das betroffenen Kindern zur Seite steht. Seit 2024 ist die Initiative auch im Weinsberger Klinikum am Weissenhof etabliert. Das Ziel ist, passende Präventions- und Hilfsstrukturen bereitzustellen und Familien zu unterstützen, in denen eine psychische Krankheit oder Suchterkrankung besteht.
Drei Millionen Kinder betroffen: So leiden sie unter psychisch kranken Eltern
Wie viele Kinder sind deutschlandweit betroffen?
In Zahlen sind schätzungsweise rund drei Millionen Kinder betroffen. Dazu kommen weitere 2,6 Millionen Kinder, deren Mutter oder Vater suchtkrank ist. „Für Baden-Württemberg lässt sich daraus eine Größenordnung im hohen sechs- bis niedrigen siebenstelligen Bereich ableiten“, erklärt Anna Koopmann.
Wie leiden Kinder?
„Kinder psychisch oder suchterkrankter Eltern tragen oft sehr viel Verantwortung und Sorge – und das häufig im Stillen“, meint Angelika Schmidt, Sozialarbeiterin und Koordinatorin des Projekts im Klinikum am Weissenhof. Typische Belastungen seien eine ständige Unsicherheit, Schuld- und Schamgefühle sowie soziale und schulische Probleme. Der Alltag sei durch Stimmungsschwankungen oder Rückfälle der Eltern schwer vorhersehbar. Viele Kinder würden glauben, sie seien schuld an der Erkrankung ihrer Eltern und dürften mit niemandem darüber sprechen. Oft ziehen sie sich von Freundschaften zurück und lassen in ihren schulischen Leistungen nach. Zeitgleich kann eine sogenannte Parentifizierung eintreten: Die Kinder übernehmen im eigenen Zuhause Aufgaben, die eigentlich den Erwachsenen obliegen – wie die Betreuung der Geschwister.
Wenn ein Elternteil krank ist, leidet das Kind oft still. Das Projekt "Stark im Sturm" am Klinikum am Weissenhof setzt hier mit Hilfe an.
Foto: ronstik
Not erkennen und helfen: Hier setzt das Projekt „Stark im Sturm“ an
Woran erkennen Angehörige oder Lehrkräfte Handlungsbedarf?
Es gebe eine Reihe von Warnsignalen, die aufmerksam machen sollten – besonders wenn sie in Kombination auftreten, sagt Yvonne Grimmer, ebenfalls Projektleiterin von „Stark im Sturm“. In der Schule oder Kita können das ein plötzlicher Leistungsabfall und häufige Fehlzeiten sein. Auch auffälliges Verhalten wie starke Unruhe oder Aggressivität können auch heimische Probleme hindeuten. „Das Kind wirkt oft müde, ungepflegt oder bringt selten Unterlagen und Materialien mit“, beschreibt Grimmer ein Szenario. Handlungsbedarf besteht, wenn der Eindruck entstehe, das Kind trage „zu viel für sein Alter“. Sinnvoll könne dann sein, die Schulsozialarbeit oder Jugendhilfe hinzuzuziehen.
Welche Hilfe brauchen die Kinder?
Essenziell seien verlässliche Bezugspersonen, die den Kindern zuhören, erklärt Angelika Schmidt. Sie müssten im Alltag entlastet werden und etwa im Haushalt oder bei der Betreuung der Geschwister unterstützt werden. Die Vernetzung mit anderen betroffenen Kindern, zum Beispiel durch niederschwellige Beratungsangebote und Gruppen, kann ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Hier setze das Projekt „Stark im Sturm“ an, indem es bedarfsgerechte Versorgung bietet.
„Stark im Sturm“ setzt auf bedarfsgerechte Versorgung – was heißt das?
„Es wird nicht irgendein Angebot vermittelt, sondern geschaut, was diese konkrete Familie gerade braucht“, gibt Anna Koopmann an. Außerdem erfolgt die Betreuung „evidenzbasiert“. Das bedeutet, das Vorgehen stützt sich auf Studien, die deren Wirksamkeit belegen.
Projekt „Stark im Sturm“ am Weinsberger Klinikum Weissenhof: Das steckt dahinter
Welche Strukturen zur Prävention gibt es?
Hier wird bereits bei den Eltern angesetzt. Speziell geschulte Fachkräfte sprechen erkrankte Mütter und Väter in den Kliniken auf ihre Kinder an und vermitteln dann gezielt weiter. Auf diese Weise entstünde laut Anna Koopmann eine Routineversorgung, und das Schicksal der Kinder sei nicht vom Zufall oder einzelnen engagierten Mitarbeitern abhängig.
Was hat sich seit der Einführung im Weissenhof 2024 getan?
Auf den Stationen des Klinikums wurden Kinder- und Familienbeauftragte etabliert, erklärt der Leitende Psychologe Christian Brandt. Einheitliche Schutzkonzepte wurden entwickelt und umgesetzt. Zwischen den einzelnen Kliniken, Beratungsstellen und weiteren Einrichtungen bestünden verbindliche Kooperationen, fügt Robert Prager Loos hinzu, Chefarzt für Suchttherapie am Weissenhof. Für das Personal gibt es regelmäßige Fortbildungen, um Gefährdungen frühzeitig zu erkennen. Regelmäßige Aktionswochen sollen dazu beitragen, das Thema aus der Tabuzone zu holen.
Projektverantwortliche von „Stark im Sturm“
Prof. Dr. Anne Koopmann und Prof. Dr. Yvonne Grimmer bilden die Leitung der klinikübergreifenden Projektinitiative „Stark im Sturm“, die 2018 am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim startete und schrittweise in weiteren psychiatrischen, psychosomatischen und suchtmedizinischen Kliniken in Baden-Württemberg aufgebaut wurde. Seit 2024 ist das Projekt auch im Klinikum am Weissenhof in Weinsberg etabliert. Dr. Christian Brandt ist dort Leitender Psychologe der Medizindirektion. Angelika Schmidt ist Sozialarbeiterin und Projektkoordinatorin. Robert Prager Loos ist Chefarzt der Klinik für Suchtherapie. Finanziell gestützt wird das Projekt von der Dietmar-Hopp-Stiftung sowie durch das Land Baden-Württemberg im Rahmen des Masterplans Kinderschutz.
Traurig, aber keine Sorge: Sie können natürlich trotzdem weiterlesen.
Schließen Sie einfach diese Meldung und sichern Sie sich das andere exklusive Angebot auf der Seite. Bei Fragen hilft Ihnen unser Kundenservice unter 07131/615-615 gerne weiter.
Kommentare