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Mit Hündin Ginny unterwegs: Schozacher als Sprachrohr für Schlaganfall-Patienten

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Vor neun Jahren traf ihn der Schlaganfall. Heute inspiriert Jörg Zuber aus Ilsfeld-Schozach bundesweit und setzt sich für Betroffene ein – TV-Beiträge inklusive.

Tanja Eggers und Jörg Zuber mit ihrer sechsjährigen Labrador-Hündin Ginny. Die drei sind seit einem Interview in der Heilbronner Stimme auch immer wieder in anderen Medien präsent.
Tanja Eggers und Jörg Zuber mit ihrer sechsjährigen Labrador-Hündin Ginny. Die drei sind seit einem Interview in der Heilbronner Stimme auch immer wieder in anderen Medien präsent.  Foto: Claudia Kostner

Gerade noch als Manager mitten im Leben. Vielseitiger Musiker in einer Band, aktiver Sportler, rhetorisch versiert – ein „Bühnenmensch“. Von einer Sekunde auf die andere halbseitig gelähmt, Sprachvermögen und Kurzzeitgedächtnis gestört – Schlaganfall.

Neun Jahre ist Jörg Zubers „persönlicher schwarzer Freitag“ jetzt her. Doch statt in Selbstmitleid zu versinken, hat sich der Schozacher zurück ins Leben gekämpft. Und noch viel mehr: „Ich werde als Sprachrohr für andere Schlaganfall-Patienten gesehen“, ist der 58-Jährige stolz. Immer an seiner Seite: Ehefrau Tanja Eggers und Labrador-Hündin Ginny.

Vom erfolgreichen Manager zum Schlaganfall-Patienten: Jörg Zuber kämpft sich zurück ins Leben

Seit er im Mai 2023 in einem ganzseitigen Interview in unserer Zeitung zum „bundesweiten Tag gegen den Schlaganfall“ über den Umgang mit seiner Krankheit berichtet hat, ist viel geschehen. Die AOK hat ihn in ihrem Gesundheitsmagazin porträtiert, er war in L-TV und der SWR-Landesschau zu Gast.

Ganz aktuell hat ihn ein ARD-Team drei Tage lang für die Doku-Reihe ARD Wissen/Mein Körper im Alltag begleitet (Sendetermin Ende 2025). 2024 wurde er von der Deutschen Schlaganfall-Hilfe für den Motivationspreis nominiert. Andere Schlaganfallpatienten ermuntern ihn, weiter zu machen. Danken ihm für seine Offenheit. Warum das Interesse gerade an Jörg Zuber so groß ist? „Das liegt an der Kombination mit Ginny“, ist Tanja Eggers überzeugt. 

110 Kilometer auf dem Jakobsweg: Mit Labrador Ginny zu neuer Stärke gefunden

Mit so viel Aufmerksamkeit hat das Ehepaar nie gerechnet. „Das hat sich einfach so ergeben“, sagt Tanja Eggers. Im Gegensatz zu den Zielen, die sich Jörg Zuber mit eisernem Willen selbst gesteckt hat. Vier Etappen des Jakobswegs hat er im Juni 2023 zusammen mit Ginny bewältigt. 110 Kilometer durch Bayern. „Gefühlt war das etwas ganz Normales“, sagt der gebürtige Deizisauer. „Für mich war es eine Mischung aus Anspannung und Loslassen“, beschreibt es Tanja Eggers. „Ich fühle mich in der Verantwortung.“

Dank Handy-Tracking wusste sie zwar immer, wo sich ihr Mann gerade befand. Der Schreck war trotzdem groß, als ein Fremder am Telefon war, bei dem Zuber plötzlich orientierungslos in der Hofeinfahrt stand, statt wie geplant im acht Kilometer entfernten Hotel. „In dem Moment war Jörg so ausgelaugt. Er wusste nur noch: Tanja anrufen!“ Im Rückblick nimmt es Jörg Zuber gelassen: „Der Jakobsweg hat mein Selbstbewusstsein fürs weitere Doing gestärkt.“

Sport, Musik und Lebensfreude: Wie Zuber trotz Schlaganfall aktiv geblieben ist

Jörg Zuber hat mehr geschafft, als Ärzte ihm zugetraut haben. Er fährt Fahrrad, spielt Golf. Auch die Musik spielt im Leben des vierfachen Vaters wieder eine Rolle: Im Musikverein Auenstein spielt er Bariton, hat seit einem Jahr Einzelunterricht. „Wenn es schneller wird, komme ich nicht mehr mit. Aber ich bin besser geworden“, sagt Zuber. Vor dem Schlaganfall hat er auch Posaune, Trompete, Bassgitarre und Helikon beherrscht. War als Mitglied der Oberkrainer-Band Berni-Buam viel unterwegs. Mit seinem Schicksal zu hadern, ist nicht seine Art: „So ist es im Leben, ich mache das Beste draus.“

Auch Tanja Eggers hat das Beste draus gemacht. „Unsere optimistische Grundeinstellung hat uns geholfen und meine Coaching-Weiterbildung“, ist sie überzeugt. Der Schlaganfall ereignete sich im ersten Jahr ihrer Beziehung, vorher waren sie 20 Jahre lang Kollegen.

Tanja Eggers und Jörg Zuber sind beide mit Hunden groß geworden. Vor sechs Jahren haben sie Labrador-Hündin Ginny zu sich geholt – als tierische Therapeutin. Seitdem ist sie ein vollwertiges Mitglied der Patchworkfamilie, zu der auch Jörg Zubers vier Kinder aus erster Ehe gehören. „Ginny ist immer bei mir“, ist Jörg Zuber dankbar. „Sie spürt, dass sie eine besondere Aufgabe hat“, sagt Tanja Eggers. „Ohne Ginny würde es auch das neue Ehrenamt nicht geben.“

Die international agierende Prokuristin hat sich nach dem Schicksalsschlag als Systemische Management-Beraterin und Business Coach selbstständig gemacht. Begleitet Führungskräfte in der Organisations- und Teamentwicklung, hat zusätzlich Gesundheitsmanagement studiert, bildet sich in Neurowissenschaften weiter. Gemeinsam engagiert sich das Ehepaar für Schlaganfallprophylaxe. Spricht auch in Workshops für Manager und Studenten darüber. „Das ist das, was wir geben können“, sagt Eggers.

Besuchshunde-Team aus Ilsfeld-Schozach schenkt Freude in Kindergärten und Heimen

Als Frührentner hat Jörg Zuber vor allem die bestandene Besuchshundeprüfung mit Ginny im Juli 2023 eine neue Perspektive eröffnet. Inzwischen ist das sechsbeinige Duo drei bis vier Mal im Monat ehrenamtlich in Kindergärten und Pflegeheimen in Stadt- und Landkreis Heilbronn zu Gast. An vielen Orten, etwa bei Zubers Therapeuten, liegt die Visitenkarte des „Zertifizierten Besuchshunde-Teams mit Herz und Pfote“ aus. 

Nicht nur für die Kinder und Senioren sind die Besuche eine Bereicherung. „Kontakte knüpfen, reden müssen: Das ist es, was auch Jörg etwas bringt“, weiß Tanja Eggers. „Er ist mit der Aufgabe gewachsen, wird wieder gesehen und gehört. Er ist wieder wer.“ Ihr persönliches Ziel als Partnerin habe sie erreicht: „Ich habe Jörg die Bühne zurückgegeben. Wenn er wieder eine Bühne hat, egal, wie klein sie ist, kann das ein Teil seiner Genesung sein.“

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