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Tierwohl

Kritische Stimmen gegen die Jagd: „Teilweise pauschales Töten ohne Konzept“

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Die Jagd spaltet die Gemüter, insbesondere durch Konflikte zwischen Naturschutz, Tierschutzrechten und Sicherheitsbedenken. Kritik kommt unter anderem vom Deutschen Tierschutzbund und von engagierten Privatleuten – auch aus Heilbronn.


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Über die Jagd wird kontrovers diskutiert: Neben Befürwortern gibt es zahlreiche kritische Stimmen. „So wie sie aktuell ausgeübt wird, wie die rechtlichen Vorgaben sind, lehnen wir die Jagd ab“, sagt James Brückner, Leiter des Wildtierreferats beim Deutschen Tierschutzbund. „Für uns muss es für die Tötung eines Tieres einen vernünftigen Grund geben“, so der Experte. „Das ist bei vielen Arten, die bejagt werden, nicht gegeben.“

Tierschützer: Keine Schäden durch Fuchs, Marder, Dachs, Wiesel, Krähen oder Elstern

Darunter fielen Fuchs, Marder, Dachs, Wiesel, Krähen oder Elstern. „Diese Tierarten gefährden keine anderen, sie richten keine Schäden an und werden auch nicht verwertet“, sagt Brückner. Beim Thema Wildschäden müsse man schauen, so Brückner, ob es alternative Möglichkeiten zum Schutz gebe, eingebettet in ein Wildtier-Management-Konzept könne auch Bejagung und Tötung von Tieren ein Bestandteil sein.

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die Jagd auf bestimmte Tierarten und stellt einige Jagdmethoden fest, die tierschutzwidrig sind.
Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die Jagd auf bestimmte Tierarten und stellt einige Jagdmethoden fest, die tierschutzwidrig sind.  Foto: dpa

Aber: „Jeder, der einen Jagdschein besitzt und ein Revier hat, handelt nach seinem Gutdünken“, so Brückner. Das sei teilweise ein „pauschales Töten ohne Konzept“. Zudem gebe es nach wie vor Jagdmethoden, die tierschutzwidrig sind: beispielsweise Fallenjagd oder die Jagdhundeausbildung an lebenden Tieren.

Der Tierschutzbund macht eine starke Jagd-Lobby aus

In Deutschland werden jährlich schätzungsweise zwischen vier und fünf Millionen Wildtiere durch die Jagd getötet. „Man muss davon ausgehen, dass da viel passiert, was nicht tierschutzkonform ist.“ Dass dadurch mögliche Seuchen eingedämmt werden könnten, kann Brückner nicht nachvollziehen. „Die Tollwut beispielsweise wurde nicht durch die Jagd, sondern durch die Impfung zurückgedrängt.“

„Gesetzesänderungen bei der Jagd werden massiv bekämpft“, sagt Brückner, der von einer „sehr starken“ Lobby spricht. „Die Vernetzung reicht von der Politik bis in die Justiz und zu allen relevanten Stellen.“ Das Bundesjagdgesetz wurde zuletzt Ende der 1970er Jahre umfassend novelliert, so Brückner, der ergänzt: „Wenn man die Jagd zukünftig akzeptieren muss, dann mit anderen Rahmenbedingungen. Das heißt: Tiere töten, die schwer krank oder verletzt sind, und die man von ihrem Leid erlösen muss. Oder, in Ausnahmefällen, wenn die menschliche Sicherheit bedroht ist.“ 

Studierter Biologe aus Heilbronn: „40 Prozent sind glatte Tierquälerei“

Rigoroser ist der Heilbronner Kurt Eicher, der seit rund 25 Jahren die Webseite abschaffung-der-jagd.de betreibt. Eicher hat Biologie studiert und sagt: „60 Prozent der ersten abgegebenen Schüsse von Jägern sind letal, 40 Prozent sind glatte Tierquälerei.“ Zahlen, die von Jägern selbst stammen, wie Eicher sagt.

„Die Natur kann sich selbst regeln“, sagt der 70-Jährige, der auf Monokulturen als Problem verweist. Und: „Die Tierbestände wären ohne Zufütterung und Bejagung viel geringer.“ Auch die Zahlen von Verbissschäden wären nicht korrekt. Stattdessen wäre es, so Eicher, die Aufgabe des Menschen, „den Tieren einen Lebensraum zu bieten und die Lebensräume zu koppeln“.

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