Jäger aus Oedheim: „Die Waffe ist eher eine Belastung“
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Was macht eine verantwortungsvolle Jagd aus? Gibt es die überhaupt? Martell Görbert und Martin Schäffner betreiben eine Jagdschule in Oedheim und sprechen im Interview über Traditionen und das Waffenrecht.
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Herr Schäffner, Herr Görbert, wie ist es um das Image der Jagd oder des Jägers bestellt?
Martell Görbert: Das kommt darauf an, wo Sie fragen. Im großstädtischen Bereich wird die Jagd eher kritischer gesehen, weil da die Entkopplung zur Natur größer ist. Im ländlichen Raum ist es besser um das Image bestellt, denn da sehen die Menschen beispielsweise, dass das Schwarzwild auch Schäden am Mais oder Weizen anrichtet.
Martin Schäffner: Es gibt sehr viele Missverständnisse und Fehleinschätzungen von Menschen, die sich nicht mit der Jagd befassen.
Haben Sie ein Beispiel?
Schäffner: Wir leben in einer Kulturlandschaft. Viele sagen vielleicht, die Natur regelt sich schon von selbst. Das wäre so, wenn man den Mensch aus der Gleichung rausnimmt. Durch den Klimawandel werden natürliche Regulative aber weniger: Sterblichkeit durch Frost oder Futtermangel. Der Klimawandel ändert die Fruktifikation (Geburtenrate, Anm. der Redaktion), Regulation von Wildtieren ist heute also notwendiger denn je.
„Die Menschen sollen ruhig kritisch sein“: Martell Görbert (links) und Martin Schäffner betreiben in Oedheim die Jagdschule Willenbach.
Foto: Ralf Seidel
Warum Jäger Wildbestände regulieren müssen
Görbert: Wenn wir die Jagd jetzt einstellen würden, hätten wir eine extreme Explosion der Population, vor allem von bestimmten Arten. Irgendwann brechen Seuchen aus. Klar, regelt das die Natur von alleine, die Frage ist aber, ob man da zuschauen will, wenn das Wild jämmerlich eingeht. Es gibt Krankheiten wie die Schweinepest, die auch auf unsere Nutztiere übertragen werden. Und: Wenn Mais und Weizen von Wildtieren weggefressen werden, dann merkt man das auch wirtschaftlich, beispielsweise beim Bäcker, wenn das Brot teurer wird.
Was macht eine verantwortungsvolle Jagd aus?
Schäffner: Der Landesjagdverband hat den Slogan: Leidenschaft und Auftrag. Das passt ganz gut. Wichtig ist, dass man weiß, was ein gesunder Wildtierbestand ist.
Görbert: Es gehört immer dazu, dass ich mein Handwerkszeug beherrsche. Ich muss meine Büchse kennen, muss wissen, wohin sie schießt. Man muss die Waffe mehrmals im Jahr Kontrollschießen, ein Jäger muss regelmäßig trainieren. Wir legen deshalb auch einen großen Wert auf die Schießausbildung.
Verantwortung statt Vergnügen: Was gute Jagd ausmacht
Aber es gibt doch sicher Jäger, die anders handeln oder ein Stück weit aus Vergnügen Tiere erlegen.
Schäffner: Das ist aber niemand, den wir einen Jäger nennen würden. Es gibt, wie überall, schwarze Schafe, Menschen, die auch sinnfrei ballern. Aber der Großteil ist das eben nicht. Und oft werden aber diese Negativbeispiele herausgegriffen.
Görbert: Viele denken auch, ein Jäger rennt immer mit einem Gewehr in der Hand herum. Der Umgang mit der Waffe macht aber nur zwei Prozent unseres Jobs aus. Man tötet nicht aus Spaß und erlegt kein Tier leichtfertig. Man hat Respekt vor dem Wild.
Die Jagd macht also keinen Spaß?
Schäffner: Die Jagd schon, aber eben nicht das Schießen und Töten. Sondern die Wild-Beobachtung, die Verbesserung des Habitats, und dass man für mehr Artenvielfalt sorgt. Wenn ich mich richtig verhalten habe, das richtige Tier zur richtigen Zeit geschossen habe und am Ende ein hochwertiges Lebensmittel erhalte, das freut mich.
Görbert: Die Jagd verändert die Einstellung zum Fleischessen, zum Leben und zur Natur. Man hat ein sehr natürliches Lebensmittel, das man selbst verarbeitet und kocht. Man erfährt den kompletten Prozess, bis das Fleisch auf dem Teller liegt. Wenn ich so etwas esse, habe ich ein ganz anderes Bewusstsein, als wenn ich ein anonymes Stück Fleisch im Supermarkt kaufe.
Was bedeutet die Jagd für Sie?
Görbert: Es ist ein Stück weit Tradition. Und ein Gegenentwurf zur Massentierhaltung. Wildbret zu essen, ist die ehrlichste Art, Fleisch zu konsumieren. Dazu kommt: Ein Jäger muss Hege betreiben, das Habitat muss vernünftig aussehen, ich muss mich auskennen in meinem Revier. Man muss wissen, wie es den Tieren geht, wie hoch der Bestand ist. Der Forst stellt an Jäger hohe Anforderungen. Ich muss dem Wildtier gerecht werden, dem Landwirt und der Öffentlichkeit. Das ist wie Topfschlagen im Minenfeld.
Belächelt man Tierschützer und Kritiker der Jagd?
Görbert: Nein, die Menschen sollen ruhig kritisch sein. Aber sie sollen faktenbasiert und auf Augenhöhe ins Gespräch gehen, offen bleiben und empfänglich für Argumente. Wenn man zumacht und militant oder ideologisch auftritt, dann wird es schwierig. Es braucht Toleranz in beide Richtungen.
Es gibt keine genauen Zahlen über Wildtierbestände. Woran hält man sich denn beim Abschuss?
Schäffner: Es kommt auf die Wildart an. Für Feldhasen gibt es Zählungen und Monitoring-Programme. Rehe kann man schlecht zählen, weil sie ein Streifgebiet haben. Abschätzen kann ich einen Bestand etwa am Verbiss von Waldpflanzen oder an den Schäden in der Landwirtschaft. Man kann es an der Anzahl der Fegestellen messen oder daran, wie oft ein Wild kotet. Man hat seine Parameter.
Viele junge Menschen scheinen die Jagd und Hege für sich zu entdecken. Was denken Sie warum?
Görbert: Wir haben auch immer mehr Frauen, die zur Jagd gehen. Und wir fragen unsere Schüler nach ihren Gründen. Manche kommen aus Jägerfamilien, manche sind einfach nur neugierig. Die meisten sagen aber, dass es um die Ernährung geht, um das Fleisch. Da geht es um besagten Gegenentwurf zur Massentierhaltung. Wir wollen den Schülern Waidgerechtigkeit vermitteln, die Tradition weitergeben sowie den Respekt vor der Kreatur. Wir haben eine Verantwortung, der wir gerecht werden wollen.
Waffenrecht und Jagd: Warum Jäger keine Verschärfung fordern
Braucht es Ihrer Meinung nach eine Waffenrechtsverschärfung?
Schäffner: In meiner Wahrnehmung nicht. Wenn ich die Gesetze, die ich habe, konsequent anwenden würde, wäre alles okay. Für einen Jäger ist die Waffe ein Werkzeug. Unsere Waffen sind eingeschlossen und die Munition separat. Eine Waffe an sich ist nicht gefährlich, sondern immer nur der, der sie benutzt.
Görbert: Wir haben eines der schärfsten Waffengesetze weltweit, und das ist gut so. Man wird oft überprüft, wird durchleuchtet vom Verfassungsschutz und von der Polizeibehörde. Die Waffengesetze gehen in der Regel am Ziel vorbei, treffen eher die legalen Waffenbesitzer. Das Hauptproblem sind jedoch die vielen illegalen Waffen.
Aber mit einer Waffe in der Hand, spürt man doch schon eine gewisse Macht, oder?
Schäffner: Das hat nichts mit Macht zu tun. Es ist eher eine Belastung. Macht man mit der Waffe irgendetwas verkehrt, hat man sofort sehr viele Scherereien.
Was macht das mit einem, wenn man ein Tier tötet?
Görbert: Man wird demütig. Es gibt sehr viele Tiere, an die man sich zurück erinnert. Noch mal: Das Töten an sich macht keinen Spaß. Es ist erleichternd, wenn das Tier liegt, wenn man weiß, dass man alles richtig gemacht hat. Es ist aber ein notwendiger Prozess, um hinterher das Wildbret zu haben.
Schäffner: Wenn ich ein Leben beende, dann macht das etwas mit mir. Wenn dem nicht mehr so wäre, würde ich mit der Jagd aufhören, weil dann stimmt etwas nicht. Man übernimmt, wie überall im Leben, Verantwortung für sein Handeln.
Die Geschäftsführer der Jagdschule
Martin Schäffner und Martell Görbert leiten die Jagdschule Willenbach in Oedheim. Martell Görbert, Jahrgang 1979, ist gelernter Modelltischler und absolvierte die Eignungsfeststellung zum Kommandosoldaten bei den Spezialkräften in Calw. Er bezeichnet sich auf der Homepage als ausgebildeter Sprengstoffspezialist. Martin Schäffner, Jahrgang 1984, ist gelernter Bankkaufmann, war ehrenamtlich als Führungsleiter und Dozent sowie Vorstandsmitglied, zuletzt als Geschäftsführer, für die Robert-Mayer-Sternwarte Heilbronn tätig. Beide sind in ihrer Schule als Jagdausbilder tätig.
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