Dr. Axel Kempa ist Direktor der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Beatmungsmedizin an der SLK-Fachklinik in Löwenstein.
Husten geht nicht weg? SLK-Lungenfacharzt erklärt Erkältungslage
Langanhaltender Husten scheint in diesem Herbst viele zu plagen. Mehr als sonst? Axel Kempa von der SLK-Klinik in Löwenstein schätzt die Lage ein.
Langanhaltender, trockener Husten: Damit haben aktuell viele Menschen zu kämpfen. Woran liegt das und haben die Beschwerden im Vergleich zu Vorjahren zugenommen? Das schätzt SLK-Lungenfacharzt Axel Kempa ein.
Haben Sie auch den Eindruck, dass aktuell überdurchschnittlich viele Menschen von Husten geplagt sind?
Axel Kempa: Ich denke sogar manchmal bei mir selbst: „Was, schon wieder Husten?“ Objektiv muss man sagen: Das Aufkommen an Erkältungskrankheiten ist nicht höher als in normalen Jahren, das zeigt die Statistik des Robert-Koch-Instituts zu akuten respiratorischen Erkrankungen. Wir sehen seit Mitte September einen deutlichen Anstieg, das ist typisch für die Jahreszeit. Während der Pandemie gab es quasi keine parallel zu Covid zirkulierenden Erkältungsviren aufgrund der Schutzmaßnahmen, danach haben wir einen Nachholeffekt gesehen, aber inzwischen hat sich die Lage normalisiert. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass eine durchgemachte Covid-Erkrankung oder eine Impfung später die Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten erhöhen würden.
Wann sollte man langanhaltenden Husten abklären lassen?
Kempa: Eine einfache akute Bronchitis dauert. Acht bis 12 Wochen kann man da unter Umständen schon rechnen. Auch nach dem Abklingen können die Bronchien noch sehr empfindlich sein, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Eine genaue Abgrenzung zwischen den Nachwirkungen eines Infekts und Asthma zu treffen, ist häufig nicht leicht. Symptome, mit denen man zum Arzt sollte, sind Fieber oder blutiger Auswurf beim Husten. Das sind Warnsignale, die auf eine Reihe von schwereren Erkrankungen hindeuten können. Das Problem ist auch: Irgendwann verselbstständigt sich das. Je länger Husten anhält, desto schwieriger wird es, den Ausstieg zu finden.

Wie geht der Arzt diagnostisch vor, um die Ursache für Husten zu ergründen?
Kempa: Husten ist eines der häufigsten Symptome in der Praxis eines Hausarztes und das Modell für Stufendiagnostik hat sich gut bewährt. Zunächst würde man versuchen, die Ursache der Beschwerden durch eine Blutuntersuchung und ein Röntgenbild zu ergründen, denn es gilt schon relativ früh, eine Lungenentzündung auszuschließen. Danach kämen zum Beispiel eine Untersuchung der Lungenfunktion oder sogenannte Provokationstestungen, um Asthma auszulösen. Dinge, nach denen man zusätzlich schauen kann, sind außerdem Reflux-Thematiken, gerade bei älteren Menschen, oder Kehlkopfentzündungen.
Welche Rolle spielt Keuchhusten?
Kempa: Für uns in der Klinik keine, man erkrankt in der Regel nicht schwer, und ich finde auch nichts über dramatisch gestiegene Zahlen. Die Impfung gegen Keuchhusten gehört zu den Grund- und Auffrischungsimpfungen für Kinder und Jugendliche, dennoch sind Infektionen möglich. Häufiger sind sie im höheren Lebensalter, wenn der Impfschutz nachlässt. Wenn man eine solche Erkrankung früh erkennt, kann man mit einem Antibiotikum die Symptomdauer abkürzen.

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