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Ehrenamtliches Engagement

Hilver-App erleichtert Alltag für Talheimer Senioren – "segensreiche Einrichtung"

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Seit Einführung der Hilver-App Anfang Juli 2024 gab es in Talheim schon 46 Mal ehrenamtliche Unterstützung: vom Fahrdienst bis zum Unkraut jäten. 

Martina Spröhnle ist als Seniorenbeauftragte der Gemeinde Talheim auch Ansprechpartnerin für die Nutzer der Hilver-App. Sie freut sich über die gute Resonanz.
Martina Spröhnle ist als Seniorenbeauftragte der Gemeinde Talheim auch Ansprechpartnerin für die Nutzer der Hilver-App. Sie freut sich über die gute Resonanz.  Foto: Claudia Kostner

Seit einem halben Jahr gibt es die Hilver-App in Talheim. 34 ehrenamtliche Helfer und 43 Hilfeempfänger haben sich seit Anfang Juli schon registriert: „Diese Plattform ist eine segensreiche Einrichtung und unkompliziert in der Handhabung“, fasst die Seniorenbeauftragte Martina Spröhnle die Rückmeldungen zusammen, die sie von vielen Seiten bekommen hat. Die digitale Vermittlung von einfachen Arbeiten wie Rasen mähen oder Fahrdiensten kommt an in der 5100-Einwohner-Gemeinde. „Wir waren die Vorreiter in der Region Heilbronn“, ist Spröhnle stolz. 

Bei einer Veranstaltung im Mai hatten Bürgermeister Rainer Gräßle, Hilver-Initiator Thomas Walter aus Ötigheim und Martina Spröhnle das neue Angebot im Musikpavillon vorgestellt. Es gehe nicht darum, Konkurrenz zu Dienstleistern oder Pflegediensten aufzubauen. Stattdessen sollen zusätzliche Angebote geschaffen werden. „Die Menschen werden immer älter, Pflegesysteme kommen an ihre Grenzen, Angehörige sind oft nicht vor Ort oder stark belastet“, verdeutlicht Spröhnle. „Kommunen müssen sich Gedanken machen, wie sie ihren Beitrag dazu leisten, dass Senioren länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können.“

Hilver-App erleichtert Alltag für Talheimer Senioren: Keine dauerhafte Verpflichtung für die Helfer

Der Bedarf ist offensichtlich da in Talheim. „46 Vermittlungen gab es seit dem Start, das meiste waren Fahrdienste zu Ärzten oder anderen Terminen“, berichtet Spröhnle. Im Herbst sei aber auch oft Hilfe im Garten gefragt gewesen: Nüsse aufsammeln, Laub zusammenkehren, Unkraut jäten, Gartenmöbel in den Keller tragen, zählt die 44-Jährige als Beispiele auf. Aber auch einen Krankenbesuch oder technische Hilfe beim Einstellen eines Fernsehers gab es schon. Im Unterschied zu anderen ehrenamtlichen Angeboten müssten sich die Helfer nicht für regelmäßige Termine verpflichten, sondern könnten dann für andere da sein, wenn sie Zeit haben, so Spröhnle.

Die Nutzung der Hilver-App ist einfach. Wer Unterstützung braucht, lädt sie herunter,  registriert sich und stellt eine Anfrage. Wer das nicht schafft, kann zu Martina Spröhnle kommen. „Die Leute können mich auch anrufen, und ich stelle die Anfrage.“ 


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Hilver-App erleichtert Alltag: Persönliches Gespräch im Talheimer Rathaus

Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, lädt ebenfalls die App herunter und gibt seine Daten ein. Vor der Freischaltung werden die potenziellen Helfer aber ins Rathaus eingeladen. „Wir führen ein persönliches Gespräch“, sagt Spröhnle. Außerdem werde ein polizeiliches Führungszeugnis angefordert. „Das beruhigt die Leute, wenn jeder Helfer bei der Gemeinde bekannt ist.“ 

Wichtig ist, dass alle Anfragen über die App laufen. „Nur dann sind die Ehrenamtlichen bei ihrem Einsatz auch unfall- und haftpflichtversichert“, betont die 44-Jährige. Nicht jede Art von Hilfe wird auch gewährt. Beispielsweise, wenn jemand nach einer Putzfrau sucht. „Dann gebe ich entsprechende gewerbliche Adressen oder Ansprechpartner der  Pflegestützpunkte weiter“, so Spröhnle. „Meine Aufgabe ist es auch, die Helfer ein Stück weit zu schützen.“

Wichtig ist es der Ansprechpartnerin für die Hilver-App, das Thema im Ort dauerhaft präsent zu halten. Nicht alle Hilfsbedürftigen lesen das Mitteilungsblatt. „Bei Veranstaltungen spreche ich darüber, mache Werbung, frage, ob es Leute gibt, die möglicherweise Unterstützung bräuchten. Wir müssen auch an Menschen rankommen, die isoliert leben“, sagt Martina Spröhnle.

Hilver ist die Abkürzung für Hilfevermittlung. Initiator der vom Sozialministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg geförderten digitalen Plattform ist Thomas Walter aus Ötigheim. Seit der Einführung im Jahr 2022 bieten 15 Kommunen und Organisationen die Hilver-App an, darunter Heidelberg, Baden-Baden und Horb. In Stadt und Landkreis Heilbronn war Talheim 2024 die erste Gemeinde, die die Hilver-App eingeführt hat. „Das kostet eine monatliche Lizenzgebühr, abhängig von der Einwohnerzahl“,  sagt Martina Spröhnle. In Talheim sind es rund 3000 Euro im Jahr. „Viele andere Kommunen finden die Plattform toll, es scheitert aber oft an einer Person, die das Ganze managt“, so die Seniorenbeauftragte. Durch ihre Kontakte weiß sie, dass demnächst auch Heilbronn, Neckarsulm und Eberstadt die Hilver-App anbieten werden. 

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