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Hermann Eppler ist tot – Leingarten nimmt Abschied von Altbürgermeister

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Hermann Eppler führte Leingarten von 1970 bis 2002. In seiner Amtszeit verwirklichte er unter anderem das Eichbottzentrum und die Stadtbahn. Am 10. Februar starb er im Alter von 89 Jahren.


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Geradlinig, bürgernah und verantwortungsvoll – Bürgermeister durch und durch. Dazu stets ein philosophischer Spruch und eine Zigarette in der Hand: So beschreiben ihn Familie, Freunde und Bekannte.

Hermann Eppler, der von 1970 bis 2002 insgesamt 32 Jahre lang Bürgermeister der damaligen Gemeinde Leingarten war und anschließend zum bisher alleinigen Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, verstarb am 10. Februar im Alter von 89 Jahren. Er hinterlässt seine Frau Elfriede, eine Tochter, einen Sohn und drei Enkel.

Hermann Eppler, 32 Jahre Bürgermeister von Leingarten, mit 89 Jahren verstorben

Geboren wurde Hermann Eppler am 10. Januar 1937 in Dornstetten im Schwarzwald. Nach einer sechsjährigen Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst folgten berufliche Stationen im Landratsamt Esslingen und im Städtetag Baden-Württemberg. Am 12. April 1970 kandidierte er erfolgreich für das Amt des ersten Bürgermeisters der neu gegründeten Gemeinde Leingarten – entstanden aus den Ortsteilen Großgartach und Schluchtern.

Dreimal wurde er wiedergewählt und setzte in seinen 32 Amtsjahren zahlreiche große Projekte um. Dazu zählten die Neubaugebiete „Eichbott“ und „Ob der Mühle“, das Eichbottzentrum mit Schule, Sporthalle und Kulturzentrum, mehrere Kindergärten sowie die Anbindung mit der Stadtbahn nach Heilbronn und Karlsruhe.

Als erster Bürgermeister nach dem Zusammenschluss von Großgartach und Schluchtern gestaltete Hermann Eppler Leingarten maßgeblich.
Als erster Bürgermeister nach dem Zusammenschluss von Großgartach und Schluchtern gestaltete Hermann Eppler Leingarten maßgeblich.  Foto: privat

Er war Mitbegründer des Abwasserzweckverbands Leintal und trug dazu bei, den Leinbach als Naherholungsgebiet zu entwickeln. Besonderen Wert legte er auf die Ansiedlung von Industrie, wodurch das neu formierte Leingarten um fast 4.000 Einwohner wuchs. Auch Ortskern- und Straßensanierungen brachte er auf den Weg. Einmal sagte er dazu: „Ich habe schon viele Straßen befahren, die schlimmste war aber immer die von Leingarten nach Kirchhausen.“ Auch dieses Vorhaben wurde schließlich umgesetzt.

Wie Hermann Eppler Leingarten seit 1970 prägte und zur Stadt entwickelte

Sein Amt verstand er als Berufung. Er arbeitete nachts sowie an Wochenenden und las regelmäßig Zeitungen, um sich eine fundierte Meinung zu bilden. Eine im Haus installierte Alarmanlage war direkt mit der Feuerwehr verbunden und schlug bei jedem Einsatz an, berichten seine Angehörigen, die dadurch manches Mal aus dem Schlaf gerissen wurden.

Morgens und nach der Mittagspause lief er von zu Hause ins Rathaus – in der Hoffnung, unterwegs Bürger zu treffen, die sich nicht ins Rathaus trauten. Um unparteiisch zu bleiben, trat er keinem örtlichen Verein bei, unterstützte jedoch zahlreiche Veranstaltungen, ob beim Käsritt hinter der Zapfanlage oder bei der Gewässerpflege des Fischereivereins. Selbst bezeichnete er sich als schwäbischen liberalen Praktiker. „Ich halte mich dabei an den altrömischen Satz von Ovid: In der Mitte wirst du am sichersten gehen“, sagte er einmal.

Parallel engagierte sich Eppler im Kreistag sowie bei der FDP. „Eppler hat mit leisen, aber deutlichen Tönen die Kreispolitik geprägt“, sagte der frühere Bürgermeister von Hardthausen, Harry Brunnet.

Durch seine zahlreichen Verpflichtungen musste die Familie oft hinten anstehen. Dennoch galt er als liebevoller Familienvater.

Hermann Eppler: Ein schwäbischer liberaler Praktiker

Nach dem Ende seiner Amtszeit lebte er mit seiner Frau weiterhin in Leingarten. Binokel, das wöchentliche Fußballspielen und die Suche nach Mineralien zählten zu seinen Hobbys. Zudem reiste er gerne, besonders nach Korsika – schon während seiner Amtszeit. Seinen letzten Flug dorthin unternahm er 2024, bevor sich sein Gesundheitszustand verschlechterte. Die letzten Tage verbrachte er im betreuten Wohnen. Zu seinen festen Gewohnheiten gehörte es, mit einer Korsika-Mütze gemütlich eine Zigarette zu rauchen.

Infolge mehrerer kleinerer Erkrankungen verstarb er am 10. Februar friedlich. „Ein Vollblutbürgermeister warst du“, würdigte ihn sein Amtsnachfolger Ralf Steinbrenner einst. Epplers Sohn Günther sagte: „Er hatte Ecken und Kanten, aber bei ihm galt noch das Credo: Ein Mann, ein Wort.“

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