„Nachfrage eingebrochen“ – Heizöl-Unternehmen kämpfen mit Folgen der Preissteigerung
Nach dem Winter sind einige Heizöltanks leer. Doch statt nachzubestellen, warten Kunden auf bessere Preise. Für Händler hat das spürbare Folgen.
Noch immer heizt in Deutschland rund ein Fünftel aller Haushalte mit Heizöl. Nach dem Winter sind auch in der Region bei vielen Menschen die Heizöltanks leer. Die meisten Kunden warten mit Nachbestellungen ab. Grund sind die aktuell hohen und stark schwankenden Preise. Für Heizölhändler hat das spürbare Folgen.
Massive Nachfrageeinbrüche bei Heizölhändlern im Raum Heilbronn
„Die Nachfrage ist massiv eingebrochen“, sagt Alexander Keller, Geschäftsführer der Ernst Keller GmbH in Heilbronn. Seit mehr als 100 Jahren beliefert das Unternehmen Privathaushalte mit Heizöl. „Normalerweise empfehle ich meinen Kunden immer im Frühjahr aufzufüllen, da ist der Ölpreis meist am niedrigsten“, sagt Keller.
2026 ist das anders: Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Preise hoch und volatil. So ist der Preis pro 100 Liter seit Ende Februar von knapp 100 Euro auf zeitweise mehr als 150 Euro angestiegen. Viele Kunden zögern deshalb mit Bestellungen.
Kunden bestellen kleinere Mengen Heizöl
Normalerweise würde die Nachfrage im Frühjahr ansteigen, fährt Keller fort: „Wir haben jetzt im April einen Einbruch zwischen 50 bis 75 Prozent.“ Bestellt werde aktuell selten – und wenn, dann nur in kleinen Mengen. Statt 5.000 Liter landen dann nur 1.000 Liter im Tank. „Die Menschen schauen, dass sie jetzt gut in den Sommer kommen in der Hoffnung auf bessere Preise.“
Ähnlich schildert es auch Antonia Hauser, Sachgebietsleiterin für den Heizölverkauf bei der Hermann Mogler Mineralölgroßhandlung. „Wir haben nur etwa ein Fünftel der Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr“, sagt sie. Gleichzeitig warnt sie vor möglichen Folgen: „Ich befürchte, dass bei sinkenden Preisen dann plötzlich viele Kunden auf einmal bestellen.“ Das könnte zu Verzögerungen bei der Lieferung führen.
Heizölhändler geben zurückhaltende Empfehlungen und raten zu flexiblen Bestellstrategien
Für die Unternehmen hat die Entwicklung bereits konkrete Auswirkungen. „Da muss man wegen ein paar tausend Litern auch mal von Zaberfeld über Lauffen und Weinsberg eine Tour fahren, die man sonst mit 20.000 Litern fährt“, sagt Keller. Die Touren seien dadurch deutlich weniger effizient, rentabel sei das Geschäft dann kaum noch.
Teilweise geben die Händler die zusätzlichen Kosten weiter. Vor allem bei kurzfristigen Bestellungen könnten in Einzelfällen Aufpreise anfallen, sagt Antonia Hauser: „Die Leute warten, warten und warten, bis der Tank dann leer ist.“ Dann müsse es oftmals schnell gehen und Kunden einzeln angefahren werden.
Bei Empfehlungen halten sich die Händler derzeit zurück. Keller rät eher dazu, kleinere Mengen zu bestellen, um flexibel zu bleiben, auch wenn dieser Ratschlag „kaufmännisch für sein Geschäft eigentlich verkehrt“ sei. Auch Hauser betont: „Niemand weiß, wie sich die Lage weiterentwickelt. Wir können nur die täglichen Preise beobachten.“
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