Offenau beschließt Grundsteuer C: Das ändert sich für Grundstückseigentümer
Mit knapper Mehrheit hat der Offenauer Gemeinderat ein Maßnahmenpaket beschlossen, das höhere Hebesätze und die Einführung der Grundsteuer C umfasst.
Die Ankündigung, nicht nur die Grundsteuer B und die Gewerbesteuer anzuheben, sondern auch als erste Kommune im Landkreis Heilbronn die Grundsteuer C einzuführen, hatte nicht nur in Offenau für Aufsehen gesorgt. Schließlich machen erst wenige Städte und Gemeinden von dem seit Anfang 2025 möglichen Instrument Gebrauch.
Am Dienstagabend hat der Offenauer Gemeinderat die weitreichenden Änderungen auf den Weg gebracht – in einer fünfstündigen Sitzung und vor über 200 Besuchern im Kulturforum Saline.
Nicht alle Offenauer Gemeinderäte stimmen für Steuererhöhungen
Wie liefen die Entscheidungen ab?
Sowohl bei der Einführung der Grundsteuer C als auch bei den Erhöhungen der Hebesätze der Gewerbesteuer sowie der Grundsteuer B votierten acht Gemeinderätinnen und Gemeinderäte dafür, fünf stimmten mit Nein ab. Dadurch erhielten die Vorschläge der Verwaltung eine, wenn auch knappe, Mehrheit.
Was bedeutet das im Detail für die Personen, die Grundsteuer B abführen müssen?
Der Hebesatz steigt von 280 auf 580 Punkte, also mehr als eine Verdoppelung. Allerdings muss dieser Sprung auch eingeordnet werden: Die Grundsteuer B wurde in den vergangenen 20 Jahren nicht erhöht. Die einzige Änderung hing mit der Grundsteuerreform im vergangenen Jahr zusammen.
Offenau setzt auf Grundsteuer C: Gewerbesteuer steigt weniger stark
Hätte es keine andere Lösung gegeben?
Laut Verwaltung nein. In einem zweiten Konsolidierungspaket hatte die Gemeinde verschiedene Sparmaßnahmen auf den Weg gebracht, die der Gemeinderat ebenfalls am Dienstag verabschiedete. Damit konnten laut Zahlenwerk bereits 420.500 Euro oder 236 Hebesatzpunkte eingespart werden: unterm Strich nicht ausreichend.

Was passiert mit der Gewerbesteuer?
Auch die wird angehoben, allerdings in einem kleineren Rahmen: Der Sprung von 370 auf 395 Hebesatzpunkte fällt bedeutend geringer aus. Die Gewerbesteuer, so Kämmerer Holger Leister, schwanke jedes Jahr, habe aber ein niedriges Niveau erreicht, auf dem sie wohl auch verharren werde. Leichte Steigerungen seien allerdings nach wie vor möglich.
65 Grundstücke sind in Offenau von der Grundsteuer C betroffen
Wie wichtig sind die Grundsteuer B und die Gewerbesteuer?
Essenziell. Und meist die größten Steuereinnahmequellen der Kommunen. Sie sind das finanzielle Rückgrat und machen überhaupt erst die freiwilligen Leistungen wie kulturelle Angebote möglich. Die Einnahmen fließen zum Beispiel auch in die Infrastruktur. Besonders in diesem Bereich hat Offenau in den vergangenen Jahrzehnten viel investiert.
Was bedeutet die Einführung der Grundsteuer C?
Sie betrifft Eigentümer von unbebauten, aber baureifen Grundstücken. 65 konnte die Gemeindeverwaltung in Offenau ausmachen. Rund 37.000 Quadratmeter Bauland sind betroffen. Der erwartete Betrag pro Grundstück entspricht laut Kämmerer Holger Leister in etwa der jährlichen Wertsteigerung des jeweiligen Areals. Übrigens: Grundsteuer B und C werden nicht gleichzeitig erhoben. Entweder wird die eine oder die andere Variante gezahlt.
Grundsteuer C in Offenau: Je mehr Menschen, desto höher die Schlüsselzuweisungen
Welchen Effekt erhofft sich die Gemeinde?
Auch wenn viele Bürger unken, es gehe lediglich um mehr Steuereinnahmen: Die Einführung wird mit der Schaffung von Wohnraum begründet. Der soll auf den noch unbebauten Grundstücken entstehen. Denn je mehr Menschen in Offenau leben, desto höher sind die Schlüsselzuweisungen. Die Höhe des Betrags schwankt von Gemeinde zu Gemeinde. Auf dieses Geld könne man nicht länger verzichten, sagt der Bürgermeister Michael Folk.
Wie geht es jetzt weiter?
Folk rät allen Betroffenen zu einem Besuch im Rathaus, um sich dort eingehend beraten zu lassen. Der Hebesatz für die Grundsteuer C wurde auf 2200 Punkte festgelegt, die Satzung verabschiedet. Damit wird die Steuer noch dieses Jahr erstmals erhoben.
Wie reagierten die Gremiumsmitglieder?
Rainer Beer (FVW) betonte, man wolle zusätzliche Versiegelung im Außenbereich vermeiden, die Gemeinde verfolge seit Jahren ein flächensparendes Vorgehen. Die CDU argumentierte in ihrer anschließenden Haushaltsrede, die Beschlüsse seien eine Zumutung für die Betroffenen.
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