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Grundsteuer C

Offenau vor Einführung der Grundsteuer C: So gehen andere Kommunen mit dem Thema um

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Im Landkreis Heilbronn gehen die Kommunen beim Thema Grundsteuer C verschiedene Wege. Während Offenau die Einführung plant, setzen andere auf Innenentwicklung und freiwillige Lösungen.


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Wenn der Gemeinderat am heutigen Dienstag zustimmt, dann wird noch in diesem Jahr die Grundsteuer C in Offenau eingeführt. Die Kommune wäre die erste im Landkreis Heilbronn, die von dieser seit Anfang 2025 bestehenden Möglichkeit Gebrauch macht. Der Grundgedanke: Eigentümer von unbebauten, aber baureifen Grundstücken sollen zum Bau motiviert werden.

In Offenau (Landkreis Heilbronn) beträfe das laut Verwaltung rund 80 Areale. Diese wolle man für den Wohnungsbau vermarkten, sagt Gemeinderat und erster stellvertretender Bürgermeister Jürgen Kowol (FWV). Neben Verkaufserlösen könne man so auch neue Einwohner nach Offenau locken und damit höhere Steuerumlagen generieren.

Einführung der Grundsteuer C: Neckarsulm geht anderen Weg

Andere Kommunen im Landkreis haben bisher von der Einführung der Grundsteuer C abgesehen. Auch wenn das Thema hier und da diskutiert wird. So wie in Lehrensteinsfeld. Dort hatte man das Mittel Anfang April in Betracht gezogen, die Idee allerdings wieder verworfen.

Die Offener Verwaltung möchte am Dienstagabend die Grundsteuer C einführen. Stimmt der Gemeinderat zu, wäre die Kommune die erste im Landkreis Heilbronn.
Die Offener Verwaltung möchte am Dienstagabend die Grundsteuer C einführen. Stimmt der Gemeinderat zu, wäre die Kommune die erste im Landkreis Heilbronn.  Foto: Ranjo Doering

Auch Neckarsulm hat bisher von der Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht. „Aus städtebaulichen Gründen wäre die Grundsteuer C grundsätzlich ein geeignetes Instrument, um zusätzlichen Wohnraum zu initiieren“, sagt Rathaussprecher Andreas Bracht auf Stimme-Nachfrage. Auch bestehende Siedlungsstrukturen könnten ergänzt und die Innenentwicklung weiter gestärkt werden.

Resonanz auf Anschreiben des Neckarsulmer Oberbürgermeisters ist gering

Allerdings setzt man in Neckarsulm auf eine andere Strategie: „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ habe das Ziel, brachfallende Baugrundstücke zu mobilisieren und in Zusammenarbeit mit privaten Investoren Wohnraum zu schaffen, so Bracht. Dieses Konzept sei bisher „mit großem Erfolg“ umgesetzt worden. Im Rahmen der Innenentwicklung könnten beispielsweise im Wohngebiet Neuberg rund drei Hektar privater Baufläche aktiviert werden. Eigentümer unbebauter Grundstücke werden in Neckarsulm laut Bracht seit Jahren angeschrieben, auch OB Steffen Hertwig appelliere an Eigentümer. „Die Resonanz ist jedoch sehr gering“, so Bracht. Allerdings: „Die Stadt kann niemanden zwingen, ihre freien Grundstücke zu bebauen.“

„Die Innenentwicklung könnte gestärkt werden.“Andreas Bracht

Das wäre auch mit der Grundsteuer C nicht möglich, deren Berechnung analog zur Grundsteuer B erfolgt. Allerdings mit einem gesonderten Hebesatz. In Offenau soll der laut den Plänen der Verwaltung bei 2200 Punkten liegen. Angenommen, ein Grundstück ist 500 Quadratmeter groß und der Bodenrichtwert liegt bei 250 Euro pro Quadratmeter, dann ergibt sich ein Grundsteuerwert von 125.000 Euro. Multipliziert mit der Steuermesszahl von 0,13 Prozent ergibt das einen Steuermessbetrag von 162,50 Euro. Bei einem Hebesatz von 2200 Prozent würde in Offenau daraus eine jährliche Grundsteuer von rund 3575 Euro entstehen.

Heilbronn befürchtet hohen Personalaufwand und mögliche Ungleichbehandlung

Ob das Instrument zieht, ist umstritten. Dazu kommen hoher bürokratischer Aufwand und Personalmangel in den Kommunen. Aus diesen Gründen hat auch die Stadt Heilbronn im vergangenen Februar von einer Einführung abgeraten.

„In Offenau sind rund 80 Grundstücke betroffen.“Michael Folk

Zum hohen Verwaltungsaufwand, etwa durch die jährliche Pflege des Baulückenkatasters und die nötige Allgemeinverfügung für betroffene Grundstücke, komme hinzu, dass es kein passendes IT-Verfahren gibt, was den Personalaufwand erhöht und Fehler wahrscheinlicher macht. Außerdem könnten Unternehmen durch höhere Kosten auf Erweiterungsflächen von Investitionen abgehalten werden, heißt es. Kritisch sieht die Stadt auch mögliche Ungleichbehandlungen gegenüber bebauten, aber nur gering genutzten Grundstücken. Da im Februar zudem noch viele Messbescheide des Finanzamts aus der Grundsteuerreform fehlten, hielt sie eine Einführung für verfrüht.

Wendlingen war eine der ersten Gemeinden, die die Grundsteuer C eingeführt hat

Ganz anders hingegen Wendlingen am Neckar. Dort wurde – wie auch in Tübingen, Maulbronn, Mendringen und Sasbach – bereits die Grundsteuer C eingeführt. Seit 1. Januar 2025 zahlen Eigentümer von unbebauten Grundstücken zusätzliche Abgaben. Der Hebesatz liegt bei 250, in Tübingen bei 540 Punkten. Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel begründete die Einführung vor allem mit der gewünschten Lenkungswirkung. Ziel sei es, Eigentümer dazu zu bewegen, seit Jahrzehnten unbebaute Grundstücke endlich einer Bebauung zuzuführen.

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