Wanderfalke, Mäusebussard, Milan: Wie Greifvogel und Mensch im Landkreis Heilbronn aufeinandertreffen
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Die Greifvogel-Populationen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten erholt. Die Tiere rücken zum Teil näher in den Lebensraum des Menschen, was für beide Seite Gefahren bergen kann.
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Wilde Greifvögel schauen gerne bei uns im Wildparadies vorbei und hoffen, Futter abstauben zu können“, erzählt Benedict Stirblies, Cheftierpfleger und Falkner im Wildparadies Tripsdrill. Der Rotmilan und der Schwarzmilan sind zwei heimische Arten, die es nicht nur im Cleebronner Wildpark zu bestaunen gibt, sondern die auch in der Region frei leben. Oft sieht man die Segelflieger entlang des Neckars fliegen, weil sie in Wassernähe brüten. Manchmal balzen die wilden Exemplare auch mit den Tieren aus Tripsdrill, sagt Stirblies.
Sieht man im Heilbronner Raum einen Greifvogel auf einem Feld kreisen oder am Autobahnrand auf einem Ast sitzen, so handelt es sich meistens um einen Mäusebussard oder einen Milan, sagt Katja Nießner, Vorsitzende der Nabu-Gruppe Beilstein, deren Schwerpunkt auf Greifvögeln liegt. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren mehrere Arten zum Teil stark vom Aussterben bedroht. Seither ist viel für die Erholung der Populationen getan worden. Genaue Zahlen für den Landkreis Heilbronn werden nicht erfasst. Grundsätzlich hätten die Vogelschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten aber „definitiv Wirkung gezeigt“, sagt Nießner.
Ein Schild verweist auf das Naturschutzgebiet Lauffener Neckarschlinge. In Arealen wie diesem müssen Passanten besonders Rücksicht auf die Natur und die Tiere nehmen.
Foto: Heil, Theresa
Diese Greifvogelarten kommen im Landkreis Heilbronn vor
Der Wanderfalke etwa war bis 1970 durch das Pestizid DDT stark bedroht. „Durch das DDT-Verbot und das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher wurde der Wanderfalke zur Erfolgsgeschichte des Vogelschutzes“, erklärt Alexandra Ickes, Nabu-Artenschutzreferentin beim Landesverband Baden-Württemberg. Der Fischadler galt im Südwesten lange als ausgestorben, da er als Fischräuber „gnadenlos verfolgt“ worden sei. Nach 116 Jahren brütet ein Paar in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge im Südwesten am Rhein.
Ob sich die Population eines Tages in den Landkreis Heilbronn ausweitet, sei noch nicht abzusehen, sagt Katja Nießner. Hierzulande sei der Mäusebussard die häufigste Greifvogelart, gefolgt vom Turmfalken, dem Habicht und dem Milan. „Über die Hälfte der Weltpopulation des Rotmilans lebt nur bei uns in Deutschland“, erklärt Falkner Stirblies aus Tripsdrill. Die Populationen seien stagnierend, verbesserten sich zwar nicht, gingen aber auch nicht zurück.
Verkehrs-Unfälle mit Greifvögeln: Das rät die Polizei Autofahrern
Menschengemachte Bedrohungen wie Lebensraumverlust, Kollision mit Windkraftanlagen, Umweltverschmutzung und illegale Verfolgungen stellen weiterhin eine konstante Bedrohung für die Greifvögel-Population in Deutschland dar, sagt Alexandra Ickes.
Auch durch Fensterscheiben und Autos kommen die Federtiere immer wieder zu Tode. Im Jahr 2024 kam es im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis zu 20 Wildunfällen mit Vögeln, gibt die Polizei Auskunft. Hier gelte wie auch bei Rehen oder anderem Wild: Keine Ausweichmanöver durchführen, sondern abbremsen und die Fahrspur halten. „Gefährden Sie niemals Menschenleben für ein Tierleben“, mahnt eine Polizei-Sprecherin. Unfallverwickelte sollten nicht versuchen, dem Tier zu helfen. „Sie können für verletztes Wild nichts Sinnvolles tun“, so die Sprecherin weiter. Stattdessen sei der Unfall bei der Polizei zu melden, damit diese unverzüglich den Jagdpächter informieren könne.
Jogger und Gassigeher: Das gilt es bei Greifvögeln zu beachten
Grundsätzlich ist die vom Menschen ausgehende Gefahr für die Greifvögel größer als umgekehrt. „Von Milanen geht keine Gefahr für Mensch oder Tier aus“, sagt etwa Falkner Stirblies. „In der Regel müssen Spaziergänger und Gassigeher sich nicht um Greifvögel sorgen“, sagt auch Alexandra Ickes. Empfindlich sei lediglich die Brut- und Aufzuchtzeit.
In sehr wenigen Ausnahmefällen könnten die Tiere Menschen aggressiv begegnen, wenn die sich dem Nest zu sehr annähern. Jogger und Radfahrer seien stärker betroffen, weil ihre schnellen Bewegungen als Bedrohung wahrgenommen werden könnten. „Falls ein Angriff erfolgt, sollte man sich langsam zurückziehen und den Kopf schützen“, rät Ickes. Kleine Hunde stellen theoretisch ein Angriffsziel dar und sollten sich immer in Zugriffsnähe von Menschen aufhalten. Solche Fälle seien jedoch sehr selten, betont Ickes. Katja Nießner rät Hühnerhaltern, diese mit einem Netz vor Angriffen zu schützen. Milane und Bussarde würden eher kleine Tiere wie Mäuse jagen und seien zu schwach, um ein Huhn als Beutetier zu fassen, aber bei Habichten komme das durchaus vor.
Immer wieder sieht man auch über Heilbronn Greifvögel kreisen, zum Beispiel im Osten der Stadt. Wenn kleine Beutetiere knapp werden, etwa durch Pestizide in der Landwirtschaft, suchen sich die Vögel auch in urbanen Lebensräumen neue Jagdgebiete, erklärt Ickes. Einige Vogelarten hätten sich an Städte angepasst, der Wanderfalke etwa könne Stadttauben in der Luft erbeuten.
Schutzgebiete
An verschiedenen Orten im Landkreis weisen Schilder auf Naturschutzgebiete hin, zum Beispiel an der Neckarschlinge in Lauffen. Diese werden vom Regierungspräsidium Stuttgart zum Beispiel wegen ihrer Biodiversität ausgewählt. Für Passanten bedeutet das: auf den Wegen bleiben, nichts pflücken oder entfernen, kein offenes Feuer oder Camping, keine Drohnen und kein Müll. Bei Verstößen gegen die Verhaltensregeln drohen Bußgelder oder, in schwerwiegenden Fällen, auch strafrechtliche Konsequenzen, sagt Alexandra Ickes vom Nabu. Im Landkreis Heilbronn gibt es 20 Naturschutzgebiete und 51 Landschaftsschutzgebiete. Im nördlichen Landkreis gibt es zudem die Vogelschutzgebiete „Jagst mit Seitentälern“ und „Kocher mit Seitentälern“, im südlichen Landkreis den „Stromberg“.
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