Gastronomen fordern Entlastung: Unmut über 19 Prozent Mehrwertsteuer steigt
Die Gastronomiebetriebe im Raum Heilbronn fordern eine einheitliche Mehrwertsteuer von 7 Prozent für alle. Auch die Personalprobleme belasten die Restaurants und Gaststätten.
Sie tragen alle blaue oder gelbe Sticker mit der Aufschrift 7 Prozent. Dabei geht es allerdings nicht um die entscheidenden Prozente zum Einzug in den Bundestag wie man in der heißen Schlussphase des Wahlkampfes vermuten könnte. Vielmehr geht es ums liebe Geld und den Ärger, der sich in den vergangenen Jahren in einer ganzen Branche aufgestaut hat. Und dieser Ärger ist bei der Jahreshauptversammlung der Dehoga Kreisstelle Heilbronn im Bürgerhaus Böckingen deutlich spürbar.
„Es ist zur Zeit einfach nicht mehr schön, Nachrichten zu schauen“. Mit diesen Worten begrüßte der Kreisvorsitzende Martin Kübler die rund 90 Mitglieder, die zur Versammlung gekommen waren. Die Kreisstelle Heilbronn zählt mit knapp 500 Mitgliedsbetrieben zu den starken Säulen des Verbandes im Land.
Knackpunkt 19 Prozent Mehrwertsteuer in der Gastronomie-Branche
Das vermeintlich gebrochene Versprechen, das die Branchenvertreter der Bundesregierung vorwerfen, wiegt schwer. Im Bundestagswahlkampf 2021 hatte der Bundeskanzler Olaf Scholz die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants und Kneipen auf sieben Prozent als dauerhaft bezeichnet. Sie war eingeführt worden, um der Gastronomiebranche nach Ausbruch der Corona-Pandemie zu helfen.

Dennoch beschloss die Regierung dann zum 1. Januar 2024 die Wiedereinführung des zuvor geltenden vollen Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent auf Speisen in Gaststätten. „Wir sind sauer, aber wir sind entschlossen zu kämpfen“, macht Kübler klar. Am meisten ärgert die Branche die Ungleichbehandlung bei der generellen Besteuerung der Speisen. Denn während das angebotene Essen in klassischen Gaststätten mit einem 19-prozentigen Mehrwertsteuerbetrag belastet wird, kommen die Imbissbetriebe, Lieferdienste, Caterer und Anbieter von Essen To go mit dem reduzierten Satz von sieben Prozent davon.
19 Prozent Mehrwertsteuer: Harte Auswirkungen auf Gastronomie-Branche in Heilbronn
„Letztes Jahr war aus vielerlei Hinsicht ein turbulentes Jahr“, fasste Thomas Mayer, Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie in der Dehoga, die ereignisreichen Monate zusammen. Der scheidende Gastronom von Mayer’s Burgrestaurant in Hohenbeilstein nannte neben der Mehrwertsteuererhöhung vor allem die wachsende Bürokratie, die steigenden Energiekosten und die Personalprobleme, die die Branche belasteten. „Der Dinosaurier der Dehoga-Kreisstelle“, wie Martin Kübler seinen langjährigen Kollegen spaßeshalber ankündigte, wollte aber auch Mut machen.
„Lasst euch nicht den Wind aus den Segeln nehmen“, ermahnte Mayer seine Kollegen. Das fällt nicht leicht angesichts der Vielfalt der Probleme. „Suchen Sie mal eine Frühstückshilfe, die morgens ab 6 Uhr am Buffet bedient“, legt Kilian Graf von Bentzel-Sturmfeder den Finger in die Wunde. „Und wenn ich jemanden habe, der sich etwas dazuverdienen will, will der nicht in ein festes Angestelltenverhältnis, weil es sich angesichts der Abgaben nicht mehr lohnt“, unterstreicht Bentzel-Sturmfeder, der in Ilsfeld-Schozach ein Weingut mit einem angegliederten Landhaus mit Hotel betreibt. „Es fehlt an allem, auch am Reinigungspersonal“, ergänzt sein Kollege Uwe Straub, der inzwischen im Landturm in Lauffen am Neckar kocht.
Gastronomie-Branche in der Region Heilbronn fehlt verlässliche Rahmenbedingungen
Auch deshalb schaut die Branche gebannt auf die Bundestagswahl am kommenden Sonntags und verlangt einen durchgreifenden Politikwechsel. „Es kommt jetzt auf eine konsequente Neuausrichtung der Politik an, mit der verlässliche Rahmenbedingungen gesetzt werden“, fordert Andrea Degenhart, Geschäftsführerin der Dehoga-Geschäftsstelle Heilbronn, die neben der Stadt auch die Kollegen im Main-Tauber-Kreis, im Hohenlohekreis und im Landkreis Schwäbisch Hall-Crailsheim betreut. „Nur dann kann das Gastgewerbe zukunftssicher und erfolgreich agieren“, betont Degenhart.
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