Unklare Führerscheinreform bremst Fahrschulen in Heilbronn und Umgebung aus
Ob und wann eine Führerscheinreform kommt, ist offen. Doch schon die Ankündigung hat Folgen: Viele Fahrschüler warten ab, Fahrschulen berichten von sinkenden Anmeldezahlen – auch in der Region Heilbronn.
Die Ankündigung einer Führerscheinreform hat bundesweit für Diskussionen gesorgt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hatte im Herbst Maßnahmen in Aussicht gestellt, mit denen der Führerschein künftig günstiger werden könnte. Unter anderem standen mehr digitale Lernangebote, weniger Pflicht-Sonderfahrten und eine Reduzierung des Prüfungsfragenkatalogs im Raum.
Inzwischen hat der Bundesverkehrsminister Erwartungen gedämpft: Ob und wann die Reform kommt, ist offen, zentrale Punkte gelten als noch nicht ausgereift. Doch schon die Ankündigung allein hat spürbare Folgen – auch für Fahrschulen in der Region.
Führerscheinreform auf unbestimmte Zeit verschoben – Ankündigung bremst Fahrschulen aus
Wie aus einer Pressemitteilung des europäischen Verkehrssicherheitsverbands Moving International Road Safety Association hervorgeht, sind die Führerschein-Anmeldungen bundesweit deutlich zurückgegangen. Demnach lagen die Neuanmeldungen im November im Durchschnitt mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Der Verband führt den Rückgang auf die Ankündigung des Verkehrsministeriums zurück. Viele Interessierte hätten ihre Anmeldung verschoben, in der Hoffnung, der Führerschein werde bald günstiger. Laut Moving entstehe dadurch ein „völlig unnötiger Ausbildungsstau“, während Fahrschulen gleichzeitig mit erheblichen Umsatzeinbußen zu kämpfen hätten.
Nicht Fahrstunden, sondern Motivation sei entscheidend
Udo Geiger, der in Bretten und Sulzbach eine Fahrschule betreibt, berichtet ebenfalls von rückläufigen Anmeldezahlen. Der Fahrschulinhaber sagt, bei ihm seien die Zahlen ebenfalls gesunken. Einen tatsächlich günstigeren Führerschein hält er jedoch für unrealistisch: Autos würden teurer, Versicherungen ebenfalls.
Entscheidend ist aus seiner Sicht nicht die Anzahl der Fahrstunden, sondern die Motivation der Fahrschüler. „Die Prüfung hat einen gewissen Anspruch, den der Prüfling erfüllen muss“, sagt Geiger. Wer versuche, die Ausbildung zu stark zu komprimieren, riskiere geringere Fahrkompetenz. Die Reform bezeichnet er als „Schnellschuss ins Leere“ und warnt davor, Einsparungen auf Kosten der Verkehrssicherheit vorzunehmen.
Fahrlehrer aus Bad Wimpfen warnt vor Folgen des Pausierens
Wolfgang Fischer von der Fahrschule Fischer in Bad Wimpfen berichtet, dass selbst bereits angemeldete Fahrschüler ihre Ausbildung derzeit pausieren. Viele gingen davon aus, dass der Führerschein im Jahr 2026 günstiger werde und sich ein Abwarten lohne.
Er warnt jedoch vor den Folgen: Wer seine Ausbildung unterbricht, riskiere, dass Prüfaufträge oder Ausbildungsverträge ablaufen, Theorie- oder Praxisanmeldungen verfallen oder Unterlagen neu beantragt werden müssen. Das bedeute zusätzlichen Zeitaufwand, mögliche Mehrkosten und eine weitere Verzögerung bis zum Erhalt des Führerscheins.
Aus seiner Sicht bringt ein Abwarten keine Vorteile. Im Gegenteil könne eine Pause sogar zu mehr Fahrstunden und höheren Kosten führen.
Fahrschulchef aus der Region Heilbronn kritisiert Kosten und hohe Durchfallquote
Dieter Bahnmüller, der Fahrschulen in Leingarten, Böckingen und Neckarsulm betreibt, bewertet die Reformansätze differenzierter. Er kritisiert, dass der Führerschein seit Jahren zu teuer sei und verweist auf extrem hohe Durchfallquoten, die „jenseits von gut und böse“ seien. Bahnmüller sieht eine Mitverantwortung bei großen Fahrschul-Ketten, die aus seiner Sicht Fahrschüler teilweise finanziell ausnehmen.
Einige Reformideen hält er dennoch für sinnvoll. Online-Theorieunterricht habe sich während der Corona-Zeit bewährt, gerade weil junge Menschen ohnehin digital lernten. Wichtig sei es, wieder „Lust auf den Führerschein“ zu machen. Als Beispiel nennt er eine Fahrschülerin, die von einer anderen Fahrschule zu ihm gewechselt sei und dort bereits 8500 Euro gezahlt habe.
Warum Online-Unterricht allein den Führerschein teurer machen kann
Auch der Verband Moving International Road Safety Association betont in seiner Pressemitteilung, dass die Branche Digitalisierung nicht grundsätzlich ablehne. Reiner Online-Unterricht verankere sicherheitsrelevante Inhalte jedoch schlechter, insbesondere bei jungen Menschen. Was in der Theorie fehle, müsse später durch zusätzliche Fahrstunden ausgeglichen werden – und das treibe die Kosten am Ende sogar nach oben.
Moving plädiert deshalb für ein Mischmodell: digitale Elemente sollen die Ausbildung ergänzen, nicht den Präsenzunterricht ersetzen. Andernfalls drohten langfristige Schäden für Ausbildungsqualität und Verkehrssicherheit.
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