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Flein: Neue Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet

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Kontroverse Diskussion im Fleiner Gemeinderat: Neun Wohncontainer für 18 Geflüchtete sollen auf dem Gelände Fischeräcker 13 aufgestellt werden. Keine Mehrheit für Jeuther-Areal.

Das Grundstück Fischeräcker 13 gehört der Gemeinde. Dort soll eine Containeranlage für Flüchtlinge entstehen.
Das Grundstück Fischeräcker 13 gehört der Gemeinde. Dort soll eine Containeranlage für Flüchtlinge entstehen.  Foto: Claudia Kostner

 „Wir haben keinen Beschlussvorschlag formuliert, das geschieht recht selten“, erklärte Fleins Bürgermeister Alexander Krüger. Dieser Satz offenbarte auch den „gewissen Dissens innerhalb der Verwaltung“ hinsichtlich des Standorts einer neuen Flüchtlingsunterkunft. Nach kontroverser Diskussion stimmte die Mehrheit des Gemeinderats bei sieben Gegenstimmen und einer Enthaltung (Krüger) für das Areal „Fischeräcker 13“ im Gewerbegebiet Egerten. Das ehemalige Jeuther-Areal in der Horkheimer Straße ist damit raus. Ob die Containeranlage gekauft oder gemietet wird, soll das Gremium im Mai entscheiden.

Die Fischeräcker 13 standen ursprünglich schon in der März-Sitzung auf der Tagesordnung. Auf Antrag von Dominic Götz (FWV) war das Thema aufgrund „zu vieler Unklarheiten“ aber vertagt worden. Für Alexander Krüger Grund genug, mit der Horkheimer Straße eine Alternative ins Spiel zubringen: „Mein Eindruck war, dass der Gemeinderat die Fischeräcker eher nicht will.“

Flein hat nicht genug Kapazitäten für Anschlussunterbringung

Zuvor hatte der Rathauschef die Dringlichkeit, eine neue Flüchtlingsunterkunft zu schaffen, deutlich gemacht. Aktuell könne Flein nicht die vom Land beziehungsweise Landratsamt geforderte Anzahl an Flüchtlingen zur Anschlussunterbringung aufnehmen. Im April betrage das Defizit 39 Personen – zwei so genannte Regelflüchtlinge und 37 Ukrainer. „Das ist die Zahl, die uns drückt“, so Krüger.

Die Bereitstellung von Wohncontainern sei unumgänglich. Ortsbaumeister Frank Wengert stellte die vertiefte Planung für die Fischeräcker 13 mit neun Wohncontainern inklusive Küchenzeile und Sanitäreinheit für 18 Personen vor. „Die Verwaltung sieht in der Aufteilung den Vorteil, dass die Flüchtlinge selbst zuständig sind für die Sauberkeit“, so Wengert. Zusätzlich sei ein Wasch- und Technikraum einzuplanen sowie Fahrradstellplätze.

Die Baugenehmigung werde für fünf Jahre erteilt und sei verlängerbar, ergänzte Bauamtsleiterin Annika Gärtner. Die Verwaltung empfehle den Kauf der Container, die etwa 265.000 Euro kosten werden. Für die Erschließung des Geländes kämen rund 100.000 Euro hinzu. Im Vergleich zur Miete hätte sich der Kauf nach zweieinhalb Jahren amortisiert. „Wir bitten um eine Entscheidung, damit wir loslegen können“, so Gärtner. Wegen des Vergabeverfahrens benötige das Bauamt eine gewisse Vorlaufzeit.

Das ehemalige Jeuther-Areal sei nur in einem Teilbereich nutzbar, weil es dort Pläne für die städtebauliche Entwicklung gebe. Zudem sei nicht sicher, ab wann der Platz zur Verfügung stehe, weil die Firma, die mit der Sanierung der Ortsdurchfahrt beauftragt ist, diesen auf jeden Fall bis November 2026 noch als Lagerplatz nutzen werde. Auch die Erschließung sei „etwas schwieriger“, so Frank Wengert. 

Räte sehen Konfliktpotenzial im Fleiner Gewerbegebiet

Bei den Standorten gebe es qualitativ große Unterschiede, fand Dr. Jochen Gärtner (SPD): „Außerhalb oder im Ortskern – das ist keine leichte Entscheidung.“ Helmut Kern hatte seine Schwierigkeiten mit den Fischeräckern. „18 Personen, überwiegend alleinstehend, da sehe ich Konfliktpotenzial. Die soziale Kontrolle im Gewerbegebiet ist gering“, so der FWV-Gemeinderat. Diese sei, ebenso wie die Integration, innerorts besser.

So sah es auch Thorsten Keller (FDP): „Ich hätte keine Lust, dort zu wohnen, wenn 18 junge Männer abends schlecht drauf sind“, meinte er mit Blick auf jene Fleiner, die im Gewerbegebiet wohnen. Er bevorzuge das Jeuther-Areal. Dr. Florentine Carow-Lippenberger wiederum sah gerade dieses „wegen der Nähe zum Kindergarten“ und den Hofwiesen kritisch. „Die Diskussion läuft in die falsche Richtung“, schaltete sich Bürgermeister Krüger ein. Seit 2015 würden in Flein Geflüchtete untergebracht: „Gott sei dank gab es bisher keine dramatischen Situationen.“

Anke Schäffer (FWV) brachte einen dritten Standort ins Spiel: den Parkplatz der Gemeindehalle, auf dem momentan Wohnmobile und Anhänger stehen. „Ich bin für die Fischeräcker, weil wir dort ein Grundstück haben, mit dem wir sonst absolut nichts anfangen können“, erklärte hingegen Jens Oppl (Bürgerliste). Für Albrecht Berroth (FWV) hätte es des Alternativvorschlags Horkheimer Straße „gar nicht bedurft“. Schließlich hätte das Gremium die Verwaltung schon im März 2025 beauftragt, einen Vorschlag für Fischeräcker 13 auszuarbeiten.

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