Nach Führerschein-Fällen: Identitätsbetrug erreicht nun auch die Securitybranche
In der Region Heilbronn wurden 14 Haftbefehle im Zusammenhang mit Stellvertreterprüfungen bei Führerscheinen erlassen. Betrugsversuche wurden nun auch im Sicherheitsgewerbe festgestellt.
Betrug mit falschen Identitäten ist nun auch im Sicherheitsgewerbe bekanntgeworden. Nach Recherchen der Heilbronner Stimme gab es im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn bislang einen bekannten Vorgang, der an die Staatsanwaltschaft Heilbronn zur Prüfung weitergegeben worden sei, teilt eine Polizeisprecherin mit. Dem Polizeipräsidium Stuttgart sind fünf Versuche gemeldet worden, heißt es von der dortigen Pressestelle.
Betrugsversuche bei einer IHK-Prüfung aufgefallen – Fälle auch in Heilbronn?
Wer im Securitybereich arbeiten möchte, muss bei einer Industrie- und Handelskammer (IHK) eine schriftliche und mündliche Prüfung ablegen. Dort seien die Betrugsversuche auch aufgefallen, teilt die Polizeisprecherin aus Stuttgart mit. Wie viele es in Heilbronn waren, wollte ein Sprecher nicht beantworten. Man führe keine Statistik, heißt es. „Zu Einzelfällen oder betroffenen Geschäftsbereichen äußern wir uns nicht“, teilt er weiter schriftlich mit.
Bei der IHK Karlsruhe seien Fälle bekannt, bei denen versucht wurde, Stellvertreterprüfungen durchzuführen, erklärt ein Sprecher des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags. „Es sollten mithilfe gefälschter Ausweispapiere Prüfungen für andere Personen geschrieben werden.“ Wie viele es waren, teilt er nicht mit. Ob Täter auch mal erfolgreich waren, konnte die Polizei in Stuttgart nicht sagen.
Betrug mit falschen Identitäten greift immer weiter um sich
Ob Interessenten vor der Prüfung an einer Schulung teilnehmen müssen, handhaben IHK unterschiedlich. In Heilbronn heißt es, dass Wachpersonal im Bewachungsgewerbe nur dann beschäftigt werden dürfe, wenn es mindestens an einer IHK-Unterrichtung erfolgreich teilgenommen habe. In Karlsruhe bietet man, an einem Kurs teilzunehmen. Verpflichtend ist es nicht.
Menschen im Sicherheitsgewerbe dürfen Besucher durchsuchen
Mitarbeitern im Sicherheitsgewerbe stehen erweiterte Rechte zu. Sie dürfen bei Einlasskontrollen Menschen durchsuchen. Unter bestimmten Voraussetzungen gilt das auch für Sicherheitspersonal, das als City-Streife eingesetzt wird, wie es auch in Heilbronn der Fall war. Nimmt ein Sicherheitsmitarbeiter an einer erweiterten Schulung teil, hat er die Erlaubnis, Geldtransporte zu begleiten – und ist damit berechtigt, eine scharfe Waffe zu tragen.
Nach den Erfolgen des Polizeipräsidiums Heilbronn im Zusammenhang mit gefälschten Identitäten bei Fahrprüfungen hat die Polizei in Nürnberg jüngst einen großangelegten Betrug bei Deutsch- und Einbürgerungstests aufgedeckt. Pro Prüfung mussten zwischen 2500 Euro und 6000 Euro an einen Stellvertreter bezahlt werden. Wie oft so etwas im Landkreis Heilbronn vorkam, konnte ein Sprechers des Landratsamts Heilbronn nicht sagen. Bei der Stadt Heilbronn habe es bei Sprachzertifikaten zwei Fälschungen gegeben, die bei Einbürgerungsanträgen vorgelegt wurden.
Bereits im vergangenen Jahr ist dem Polizeipräsidium Heilbronn ein bundesweit beachtlicher Schlag gegen einen Ring von Betrügern mit falschen Identitäten gelungen. Spezialisten für Organisierte Kriminalität des Präsidiums Heilbronn und die Staatsanwaltschaft Heilbronn hatten zwischen Januar und Juni des vergangenen Jahres zu Stellvertreterprüfungen bei Führerscheinprüfungen ermittelt. Dies habe nun zu 18 Verfahren mit insgesamt 22 Beschuldigten geführt, teilt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Heilbronn mit. 14 Haftbefehle seien erlassen worden. Die Zahlen beruhten auf der Erinnerung und eigenen Dokumentation der Dezernenten, teilt die Sprecherin mit. Es könne seitens der Staatsanwaltschaft nicht ausgeschlossen werden, dass es in dem Gesamtkomplex noch weitere Verfahren gibt.
Fahrschulinhaber von der Staatsanwaltschaft angeklagt
„Bei den Beschuldigten handelt es sich um Organisatoren, Vermittler und Stellvertreter“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es seien auch Verfahren gegen Auftraggeber anhängig. Die genaue Zahl sei nicht bekannt. Mittlerweile seien zwei Fahrschulinhaber angeklagt, von denen mindestens einer im Landkreis Heilbronn wohnt. Sie sollen bei der Vermittlung von Stellvertretern und Prüflingen mitgewirkt haben. In weiteren sieben Verfahren sei Anklage an das Amtsgericht Heilbronn erhoben worden. Darunter seien überwiegend Stellvertreter, in zwei Fällen handelte es sich auch um Organisatoren von Stellvertreterprüfungen, teilt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit.
In sechs dieser Verfahren sind bereits Urteile ergangen. Die Angeklagten wurden zu Gesamtfreiheitsstrafen zwischen zwei Jahren und sechs Monaten und drei Jahren verurteilt, in einem Fall wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten zur Bewährung verhängt.
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