Enttäuschte Italien-Fans in der Region: „Warum trainiert Carlo Ancelotti nicht Italien?“
Viele Menschen in Deutschland haben am Dienstag die italienische Nationalmannschaft angefeuert. Nach der Niederlage gegen Bosnien-Herzegowina sind sie enttäuscht. Ein Blick in die Region.
Fabian Pizzuto vom Back-Snack-Point Eppingen, der jetzt den Kioskbetrieb im Freibad Obereisesheim übernimmt, ist als „überzeugter Fußballfanatiker“ sehr enttäuscht vom Abschneiden der Italiener. „Ich habe ja noch die Zeit in den 1990er Jahren erlebt, aber für meine Neffen tut es mir leid, dass wir im Fußball so schlecht sind.“
Die goldene Zeit der Squadra Azzurra bis hin zum Weltmeistertitel 2006 in Deutschland sind Erfolge, an die sich Pizzuto gerne erinnert. Aber das ist Vergangenheit. „Wir haben ja andere Sportarten, in denen wir erfolgreich sind, Tennis oder Volleyball“, versucht er seine Neffen zu trösten.

Underdog siegt verdient – Öhringer fordert prominenteren Trainer
Kelvin Karaca hat „natürlich für mein Heimatland“ die Daumen gedrückt. Aber „Bosnien-Herzegowina hat verdient gewonnen“, stellt er fest. „Die bosnische Mannschaft hat einfach mehr Teamgeist und Zusammenhalt gezeigt.“ Italien sei Favorit gewesen, aber der Gegner habe seine Rolle als Underdog gut angenommen – habe aber zum Beispiel mit Demirović und Džeko auch sehr gute Spieler. „Und im Elfmeterschießen kann dann sowieso jede Mannschaft gewinnen.“ Karaca ist Kellner in der Öhringer Pizzeria Da Luana und hat familiäre Wurzeln in Italien.
Jetzt hofft der 21-Jährige, dass die Mannschaft bei der Europameisterschaft wieder eine gute Leistung zeigt. Dafür müssen Sturm und Abwehr wieder besser aufgestellt werden, ist er sich sicher. Der Öhringer erinnert sich an Namen wie Balotelli oder Immobile – „die Namen in der Mannschaft heute kennt man nicht mehr“. Auch die Taktik mit einer Dreier-Kette sei schwierig, sagt Karaca, der selbst Fußball spielt. Außerdem fordert er eine Legende als Trainer: „Warum trainiert Carlo Ancelotti nicht Italien sondern Brasilien?“

In Ittlingen wird jetzt für Deutschland gefiebert
Francesco und Filippo Ferruggia, Inhaber der Ittlinger Pizzeria Fratelli, sind beide Fans des Fußballs. Deshalb sind sie auch traurig, dass die italienische Fußballmannschaft nicht an der WM teilnehmen wird. „Es wäre schön gewesen, wenn Italien dabei gewesen wäre“, sagt Filippo Ferruggia. Aber es sei immer noch ein Sport und „der bessere gewinnt eben“. Jetzt fiebern sie für Deutschland.
Die zwei Brüder sind in Deutschland geboren und aufgewachsen, deshalb verbinden sie sportliche Erfolge auch mit der deutschen Nationalmannschaft. „Wenn die es hinbekommen, dann haben wir schon viel erreicht“, sagt er.

Junger Fußballfan aus Heilbronn ist total enttäuscht
Für Leonardo Lombardi (11) aus Heilbronn ist am Dienstagabend ein großer Traum geplatzt: Noch nie hat der junge, leidenschaftliche Fußballfan und Fußballspieler Italien bei einer WM gesehen – und nun wird es wieder nichts. Der Junge, der sowohl die deutsche als auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt und für die SG Sonnenhof Großaspach in der U12 in der höchsten Jugendliga in Baden-Württemberg kickt, ist total geknickt.
Seine Hoffnung war, dass Italien im Elfmeterschießen gewinnt – „weil die Italiener im Elfmeterschießen doch so gut sind“. Nun bleibt Leonardo nur die Hoffnung auf die übernächste WM – oder auf die überübernächste. Dann, da ist der Realschüler ganz sicher, wird er selbst für Italien auf dem Platz stehen.

Italienischer Wirt will WM trotz misslungener Qualifikation schauen
Francesco Greco kommt gebürtig aus Italien. Das Qualifikationsspiel am Dienstag hat er sich nicht anschauen können, da musste er arbeiten. Denn der Heilbronner ist Wirt der Pizzeria Papa Gio, der Sportheimgaststätte des TSV Nordhausen. „Ein Fußballfan bin ich nicht“, räumt der Gastronom ein. Aber er finde es schade, dass der italienischen Nationalmannschaft der Einzug in die Weltmeisterschaft 2026 nicht gelungen ist.

„Was soll ich dazu sagen? Das ist nicht mehr die Mannschaft von früher“, sagt Greco deutlich. Doch trotz der Enttäuschung wolle der Pizzeria-Wirt die WM im Sommer verfolgen, wie er erklärt.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare