Überschall-Knall über Heilbronn: Wie Eurofighter den Luftraum sichern
Zwei Mal knallt es gewaltig, die Wände wackeln. Ein Überschallflug hat jüngst viele Menschen im Landkreis und in der Stadt Heilbronn erschreckt. Ein Leutnant erklärt, wie es zum Einsatz kam und welches Passagierflugzeug in den Vorfall verwickelt war.
Es ist ein bisschen wie im Film: Abfangjäger steigen in den Himmel auf, setzen sich links und rechts neben ein anderes Flugzeug und eskortieren es. So ist es am vergangenen Freitag passiert. Die Kampfjets flogen Überschallgeschwindigkeit. Menschen im Großraum Heilbronn berichteten von zwei extrem lauten Knallgeräuschen. Die Wände wackelten. „Das kommt gar nicht so selten vor“, sagt ein Pressesprecher der Luftwaffe. Der Leutnant erklärt, was hinter dem Vorfall steckt.
Überschall-Knall im Kreis Heilbronn: Luftwaffe überwacht den Luftraum über Deutschland
Die Luftwaffe der Bundeswehr überwacht den Luftraum über Deutschland. „Wir sehen zum Beispiel, ob Transpondersignale vorhanden sind“, sagt der Leutnant. Ein Transponder ist ein Gerät, das über Funk Signale empfängt und versendet.

Am Freitag sei ein „ganz normales Flugzeug“ mit zwei Piloten und zehn Passagieren von Nord nach Süd in Richtung Schweiz unterwegs gewesen, sagt der Leutnant. Konkret handele es sich um eine Bombardier DB-100-1A10 Challenger 300. Die Maschine sei in Tschechien registriert und auf dem Weg von Stockholm nach Palma de Mallorca gewesen.
Das Passagierflugzeug verlor kurzzeitig den Kontakt zu einer zivilen Fluggesellschaft. In solchen Fällen, die immer mal wieder vorkommen, prüft die Luftwaffe: „Welches Flugzeug ist das? Woher kommt es? Wohin will es? Wir fragen in Nachbarländern, ob sie Kontakt hatten.“ Fallen die Antworten negativ aus, steigen Abfangjäger auf.
Funkkontakt verloren: Kampfjets sind knapp 50 Minuten in der Luft
Zwei Eurofighter starteten um 13.34 Uhr im bayerischen Neuburg an der Donau. Dort befindet sich das Taktische Luftwaffengeschwader 74. Es ist einer von vier Eurofighter-Standorten der Luftwaffe. „Sie fliegen so schnell wie möglich“, sagt der Leutnant. Sonst würde es ja keinen Sinn machen.
Die Kampfflieger der Bundeswehr nahmen grob die Route über Schwäbisch Hall und Ludwigsburg und weiter Richtung Raststatt. In dem Bereich sei das Flugzeug identifiziert und die Lage geklärt worden. Die Abfangjäger flogen bis in die Nähe von Freiburg neben dem Passagierflugzeug, bevor sie wieder abdrehten. „Kurz vor der Schweizer Grenze waren die Probleme behoben und die Eurofighter flogen wieder nach Neuburg zurück.“ Landung: 14.22 Uhr.
Piloten verständigen sich untereinander auch ohne Worte
Dass ein Flugzeug den Funkkontakt verliert, ist für den Leutnant nichts Besonderes. „Es ist gar nicht mal so selten, dass ein Pilot den falschen Kanal eingestellt hat“, sagt der Leutnant. Die Abfangjäger setzen sich in einigem Abstand neben das betreffende Flugzeug. „Die Piloten gucken sich tief in die Augen, ob alles stimmt.“ Dem Leutnant zufolge kennen Piloten die Zeichen untereinander. Man fasse sich mal ans Ohr oder an den Mund, um zu signalisieren: „Wir hören dich nicht. Dreh mal an deinen Frequenzen.“ Manchmal wackelten die Piloten mit den Flügeln ihrer Maschinen, um zu zeigen, dass alles okay ist.
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