Erfolgsgeschichte in Bad Wimpfen: Müller-Azubi aus Albanien wird Landesbester
Erald Almeta kam aus Albanien zur Frießinger Mühle nach Bad Wimpfen – heute ist er Landesbester Müller-Geselle in Baden-Württemberg. Seine Ausbildung zeigt, wie Integration und beruflicher Erfolg Hand in Hand gehen können.
Lisa Frießinger ist ganz ehrlich: „Die erste Tendenz war: Wir schaffen es, ihn durch die Ausbildung zu bringen. Niemals hätten wir uns erträumt, dass da ein Landessieger rauskommt“, gibt die Geschäftsführerin und Gesellschafterin der Frießinger Mühle in Bad Wimpfen zu. Doch Erald Almeta belehrte sie eines Besseren. Der 25-Jährige ist im August 2022 für die Ausbildung zum Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Getreidewirtschaft (Fachrichtung Müllerei) aus Albanien nach Deutschland gekommen und ist in seinem Bereich nun der beste Geselle in Baden-Württemberg.
Von Albanien nach Bad Wimpfen: Start in eine ungewöhnliche Ausbildung
Erald Almeta hatte nach dem Gymnasium lange überlegt, was er machen will – direkt in seiner Heimat studieren oder vielleicht auch in Deutschland. Er beschließt, erstmal Deutsch zu lernen, arbeitet sich in eineinhalb Jahren auf B1-Level hoch. Sein Bruder Eneo absolvierte in derselben Zeit eine Ausbildung zum Müller in Heilbronn, wechselte dann zur Frießinger Mühle. „Das klang einfach wirklich spannend, weil der Beruf so eine große Vielfalt mit sich bringt und nie langweilig wird“, erzählt der Neckargartacher.

Also beschließt er, sich in Bad Wimpfen zu bewerben. Zu dem Zeitpunkt war das die erste Bewerbung im Betrieb, die aus dem Ausland kam. „Wir kannten aber ja seinen Bruder und der betonte, wie intelligent Erald ist, dass er sich wirklich reinhängt und er ihm auch helfen werde. Also sagten wir ja“, erinnert sich Lisa Frießinger. „Nach sechs Monaten dachten wir nur: Wow, was legt der denn für eine Entwicklung hin, er zog es einfach komplett durch.“
Ausbildung in Bad Wimpfen: Mit Ehrgeiz zur Schichtleitung in Rekordzeit
Dabei war der Anfang schwer, gibt der 25-Jährige zu. B1-Level hin oder her, die ersten zwei Wochen versteht er im Betrieb kaum ein Wort. Doch in Windeseile ändert sich das, nach einem halben Jahr versteht Erald Almeta alles, was ihm erklärt wird. „Es sei denn, es war zu sehr Dialekt“, gibt er lachend zu. Aber dann habe er halt nachgefragt. Gerne geht er samstags freiwillig zur Arbeit, weil dann weniger los ist und die Leute mehr Zeit zum Erklären haben.
In der Schule kommen noch mehr Dialekte dazu, glücklicherweise reden die Lehrer aber hochdeutsch, und schnell wundern sich auch die, wie gut der Albaner nicht nur mitkommt, sondern sich auch aktiv im Unterricht beteiligt. „Der Vorteil war, dass ich aus einem großen Betrieb komme, da kannte ich quasi alle Maschinen schon.“ Schon nach zweieinhalb Jahren darf er seine erste Schicht leiten, was sonst nicht mal jeder nach der Ausbildung schafft.
Landesbester Müller-Geselle nach Ausbildung in Bad Wimpfen
Trotzdem wundert es ihn, als er zu den Mühlenmasters, einem Wettbewerb von frischgebackenen Gesellen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, eingeladen wird. Zwar schafft es Erald in Österreich nicht aufs Treppchen, stolz ist er trotzdem. Zwei Wochen später dann die E-Mail von der Handwerkskammer, dass er Landesbester ist. „Das ist schon was Großes, das liegt auch an meinem Ausbilder Klaus Hecht, der mir immer alles gut erklärt hat.“
Jetzt will der 25-Jährige erstmal Erfahrung sammeln und dann vielleicht noch den Meister oder den Techniker draufsatteln.
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