"Elterntaxis so gut es geht vermeiden": Verkehrsämter wappnen sich zum Schulstart
Zum Schulstart am 9. September rechnen Behörden im Raum Heilbronn mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen. Besonders im Fokus sind Elterntaxis – für viele ein ärgerliches Phänomen.
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge blicken sicherlich viele Schulkinder dem neuen Schuljahr entgegen. Nach sechs Wochen Ferien heißt es für sie am Montag, 9. September: Willkommen zurück. Der Schulstart ist immer eine Zeit, in der es hoch her geht – auch, was das Verkehrsaufkommen vor den Schulen betrifft. Eine Datenanalyse zeigt, wie sicher die Schulwege in Heilbronn sind. Für Unmut sorgen vielerorts die sogenannten Elterntaxis. Wie reagieren Verkehrsämter auf das Phänomen?
„Das Problem Elterntaxis taucht an verschiedenen Schulen immer wieder auf“, sagt Andreas Lemmle, Leiter der Verkehrsbehörde und stellvertretender Amtsleiter beim Ordnungsamt Bad Rappenau. Fahrverbotszonen seien deshalb zwar nicht geplant, jedoch suche der Vollzugsdienst vor Ort immer wieder den direkten Kontakt zu Autofahrern, die Straßen vor der Schule blockieren.
Direkte Ansprache: Vollzugsdienst sensibilisiert wegen Elterntaxis
„Meine Kollegen gehen vormittags häufig raus an die Schulen, sprechen mit den Eltern, und versuchen, sie zu sensibilisieren“, sagt Lemmle. „Sie sprechen sie direkt an und machen sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam.“ Ziel sei es, „dass den Eltern bewusst wird, dass ihr eigenes Kind vielleicht sicher ankommt, sie aber möglicherweise andere Kinder gefährden.“ Mit dieser Methode habe man gute Erfahrungen gemacht, betont Lemmle.
Fahrverbotszonen seien bisher an Bad Rappenauer Schulen noch kein Thema, da sie auf öffentlichen Parkplätzen nicht umsetzbar seien, sagt Lemmle. „Es gibt jedoch einige andere Maßnahmen zum Schulstart. Beispielsweise vermehrte Geschwindigkeitsmessungen und Kontrollen, bei denen die Kollegen vor Ort sind.“
Auch in Eppingen sensibilisieren Schulen in Elterngesprächen zum Thema Elterntaxis, wie Hannah Fürst von der Pressestelle der Stadtverwaltung Eppingen erklärt. Schon in Kindergärten gebe es solche Gespräche, um frühzeitig darauf aufmerksam zu machen. „Gerade das zu Fuß zur Schule gehen wird durch die Kindergärten aktiv mit den Vorschulkindern geübt.“ Darüber hinaus gebe es für alle Schulen im Ort eine Schulwegplanung – ein digitales Tool, mit dem Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Lehrern die Geh- und Radrouten auf dem Weg zur Schule erheben und Problemstellen markieren können.
Elterntaxis auch in Bad Friedrichshall ein Thema: So gut es geht vermeiden
Wie Bad Friedrichshalls Bürgermeister Timo Frey berichtet, werde das Thema Elterntaxis zu Beginn des Schuljahres auch bei ihm im Ort diskutiert. Das sei ihm von Seiten der Schulleitung bestätigt worden. „Bei der Grundschule Duttenberg wirkt man beispielsweise dahingehend auf die Eltern ein, dass die Kinder grundsätzlich nicht direkt an der Schule abgeliefert werden, sondern auf dem gegenüberliegenden Parkplatz der Deutschordenhalle.“ So sei die Situation gut tragbar.
Auch am Beispiel der Grundschule Kochendorf werde deutlich, dass es eine Beschränkung in Form einer Fahrverbotszone im Moment noch nicht brauche. „Für das Elterntaxi haben wir extra die Möglichkeit in der Kirchbrunnenstraße, um den Lindenweg zu entlasten“.
Falls Schulleitungen im Einzelfall Handlungsbedarf sehen, prüfe man als Straßenverkehrsbehörde, was möglich und zielführend sei. „Außerdem legen wir Wert darauf, dass auch künftig in jedem Stadtteil eine Grundschule angeboten wird – nach dem Motto: kurze Beine – kurze Wege.“ Insgesamt gelte es, Elterntaxi-Fahrten so gut es geht zu vermeiden.
Keine geplanten Fahrverbotszonen zum Schulstart – aber viele andere Maßnahmen
Lea Mosthaf, Pressesprecherin im Landratsamt Heilbronn, bestätigt, dass ihr im Landkreis derzeit keine geplanten Fahrverbotszonen zum Schulstart bekannt sind. Allerdings wisse sie von Fällen aus der Vergangenheit aus verschiedenen Kommunen, in denen Verkehrsmaßnahmen zum Schutz von Schulkindern angeordnet wurden – beispielsweise Halteverbotszonen oder Straßensperrungen während der großen Pause.
Verkehrsbehörden in und rund um Heilbronn
Im Kreis Heilbronn gibt es insgesamt fünf zuständige Ämter für Verkehr: Das Landratsamt Heilbronn ist Untere Straßenverkehrsbehörde für den Landkreis Heilbronn. Eigene Zuständigkeiten haben Eppingen (mit Gemmingen und Ittingen), Bad Rappenau (mit Kirchardt und Siegelsbach), Bad Friedrichshall und Neckarsulm.
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