Stimme+
Patiententag an der SLK-Frauenklinik  
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Diagnose Brustkrebs: Heilungschance haben sich deutlich verbessert

   | 
Lesezeit  4 Min
Erfolgreich kopiert!

Was können Betroffene selbst tun und welche neuen Therapieoptionen gibt es? Das Team des Brustzentrums in Heilbronn informiert an diesem Samstag umfassend über die Krankheit. 

Das Team der SLK-Frauenklinik verkaufte am vergangenen Wochenende beim Spiel der SUN-Handballerinnen in der Ballei Hefeschleifen, um Spenden für die Versorgung von Krebskranken zu sammeln.
Das Team der SLK-Frauenklinik verkaufte am vergangenen Wochenende beim Spiel der SUN-Handballerinnen in der Ballei Hefeschleifen, um Spenden für die Versorgung von Krebskranken zu sammeln.  Foto: privat

Vor 20 Jahren wurde das Brustzentrum an der SLK-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe gegründet. Seitdem hat sich vieles getan bei der Diagnose und Therapie von Brustkrebs-Erkrankungen, wie die beiden Oberärztinnen Amelie de Gregorio und Anna-Sophie Kübler-Müller im Gespräch mit der Redaktion erklären. Sie und ein breites Team aus der Klinik sowie diverse Kooperationspartner stellen am Samstag, 26. Oktober, von 13 bis 17 Uhr bei einem Patiententag die ganzheitliche Betreuung am Brustkrebszentrum Heilbronn-Franken vor. Hier ein Überblick zu Themen und Entwicklungen bei der Behandlung von Brustkrebs.

Verbesserungen in der Therapie von Brustkrebs 

Die Heilungschancen bei Brustkrebs haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv verbessert. Es gibt zahlreiche neue Therapieoptionen und viel gezieltere Behandlungsmöglichkeiten, mit denen Ärzte auf die individuelle Situation der Patientin eingehen können. Bei Operationen ist es mittlerweile häufiger möglich, die Brust zu erhalten. Lässt die Diagnose es zu, können auch Lymphknoten gezielter entfernt werden.Chemo- und Antihormontherapie sind klassische Behandlungsmethoden. Daneben gibt es viele neue Medikamentengruppen. Das hat dazu geführt, dass die schlimmen Nebenwirkungen, die man aus früheren Jahrzehnten kannte, wie zum Beispiel bewegungsunfähige Arme in Folge von Radikaloperationen, so heute nicht mehr auftreten.

Dr. Anna-Sophie Kübler-Müller ist Oberärztin und Leiterin der Brustchirurgie des SLK-Brustzentrums.
Dr. Anna-Sophie Kübler-Müller ist Oberärztin und Leiterin der Brustchirurgie des SLK-Brustzentrums.  Foto: SLK

Der Übelkeit bei Chemotherapie kann man frühzeitig durch die Gabe bestimmter Begleitmedikamente entgegenwirken. Eine Psychoonkologische Betreuung, die Patientinnen und deren Familien zusteht, hilft, die seelischen Folgen der Erkrankung aufzufangen. Brustkrebs ist zwar noch immer die am häufigsten auftretende Erkrankung bei Frauen, doch wird sie in frühem Stadium entdeckt, liegen die Heilungschancen bei über 90 Prozent. „Die Diagnose ist natürlich immer ein Schock, doch die Krankheit hat dank der modernen Medizin auch ein bisschen ihren Schrecken verloren“, sagt Amelie de Gregorio. Weiter nicht zu verhindern ist der Haarverlust bei gängigen Chemotherapien. „Das ist emotional ein großes Problem, weil die Frau dann bei jedem Blick in den Spiegel sieht, dass sie krank ist“, sagt Anna-Sophie Kübler-Müller. Aber das Thema sei temporär und die Versorgung mit Perücken gut.

Die Fruchtbarkeit erhalten, das geht heute in vielen Fällen 

Die Phase, in der Frauen Kinder bekommen, hat sich nach hinten verschoben und fällt in eine Phase, in der Brustkrebs schon häufiger auftritt. Früher war klar: Bei der Diagnose wird Frauen davon abgeraten, schwanger zu werden, oder die Schwangerschaft wurde durch die Folgen der Therapie unmöglich. Inzwischen gibt es Chancen auf den Erhalt der Fruchtbarkeit. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen teilweise die Kosten für die Maßnahmen. Jede Frau unter 40 mit Brustkrebs wird beraten.

Eizellen können entnommen und eingefroren werden, um später wieder eingesetzt zu werden. Dasselbe gilt für Eierstockgewebe, das entnommen und wieder implantiert werden kann. In bestimmten Fällen kann eine Antihormontherapie bei frühen Krebsstadien auch für eine Schwangerschaft unterbrochen werden. „Der Kinderwunsch ist ein wahnsinnig wichtiges Thema“, sagt Anna-Sophie Kübler-Müller. Eine Garantie, dass es später klappt, ein Kind zu bekommen, gebe es jedoch nicht, so Amelie de Gregorio.

Sinn und Unsinn von Studien zu neuen Therapien 

Amelie de Gregorio spricht beim Patiententag über „Sinn und Unsinn von Studien“, denn diesbezüglich gebe es immer wieder viele Fragen und Verunsicherung. „Studien sind die Grundlage des medizinischen Fortschritts“, erklärt sie. Alles, was man tut, werde wissenschaftlich untersucht. „Denn es geht um Fakten, nicht um Meinung.“ Manche Patienten wollten aus Angst, „Versuchskaninchen“ zu sein, nicht an Studien teilnehmen. Ihnen kann sie die Angst nehmen: In Deutschland würden nur Medikamente, zum Beispiel auf Wirksamkeit, getestet, die schon in anderen Studien zuvor an Menschen getestet worden seien. Die Kriterien von Arzneimittel- und Ethikkommission seien extrem streng, auch aufgrund der deutschen Geschichte im Dritten Reich.

Professor Amelie de Gregorio ist Oberärztin an der SLK-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiterin der Dysplasiesprechstunde.
Professor Amelie de Gregorio ist Oberärztin an der SLK-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiterin der Dysplasiesprechstunde.  Foto: SLK-Kliniken Heilbronn GmbH

Andere Patienten wollten dagegen unbedingt an einer Studie teilnehmen, weil sie sich davon viel versprechen. Auch in diesem Bereich gelte es aber, individuell abzuwägen: Macht die Teilnahme für den Patienten überhaupt Sinn? Welchen möglichen Nutzen gibt es und sind andere Therapieoptionen schon ausgereizt?

Bewegung unterstützt die Heilung maßgeblich 

Zwei Faktoren auf Patientenseite beeinflussen die Heilungschancen maßgeblich: Bewegung und die Mitarbeit, die sogenannte Compliance. Die Wissenschaft geht davon aus, dass etwa zehn Prozent der Brustkrebs-Fälle durch regelmäßige Bewegung vermieden werden könnten. „Eine ungesunde Lebensführung kann Krankheiten beeinflussen“, sagt Amelie de Gregorio. Umgekehrt könne jeder Patient selbst aktiv werden bei der Prävention und um die Therapiechancen zu verbessern. Dabei hängt es stark vom individuellen Fitnesslevel ab, mit welcher Sportart und Intensität man am besten den Einstieg findet.

Die positiven Effekte von Walking seien gut erforscht, sagt Kübler-Müller. Amelie de Gregorio berichtet von einer Studie, die beim diesjährigen Krebskongress in Barcelona vorgestellt wurde und die belegt, dass High-Intensity-Training (HIT), also eine sehr intensive Trainingsart, bei der man an seine Grenzen geht, eine Chemotherapie unterstützt. Zudem beeinflusst Bewegung das psychische Wohlbefinden und lindert Begleiterscheinungen der Therapie wie Fatigue, also chronische Müdigkeit. Auch die Anbindung an Selbsthilfegruppen ist empfehlenswert, so die Ärztinnen. Bei SLK berät dazu eine ausgebildete Pflegefachkraft, die auf Brustkrebspatientinnen spezialisiert ist, auch eine Bewegungsberatung wird angeboten.

Das Brustzentrum war bei Gründung 2004 eines der ersten in der Republik 

Das 2004 gegründete Brustzentrum in Heilbronn ist nach Auskunft der beiden Ärztinnen eines der ersten zertifizierten derartigen Zentren in Deutschland. Etwa 300 Primärfälle, also Frauen und wenige Männer, bei denen Brustkrebs erstmalig festgestellt wird, werden pro Jahr dort behandelt. Es sei durch Studien nachgewiesen, dass Patientinnen, die an einem zertifizierten Brustzentrum behandelt werden, bessere Heilungschancen haben, sagt Kübler-Müller. „Die Zertifizierung ist ein wichtiges Kontrollinstrument, auch um immer auf dem neuesten Stand der Medizin zu sein.“

Routine bei komplexen Operationen gilt ebenfalls als Qualitätsmerkmal. Deshalb soll mit der jetzt beschlossenen Krankenhausreform auch die Konzentration bestimmter Eingriffe an großen Zentren gefördert werden. Zusätzlich wichtig: Die Möglichkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit. Viele Fachgruppen, zum Beispiel aus Onkologie, Frauenheilkunde, Kardiologie oder dem HNO-Bereich, arbeiten unter dem Dach des Brustzentrums zusammen, um die Patientinnen zu versorgen.

Professor Amelie de Gregorio ist Oberärztin und Leiterin der Dysplasiesprechstunde an der SLK-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Heilbronn. Dr. Anna-Sophie Kübler-Müller ist Oberärztin und Leiterin der Brustchirurgie des SLK-Brustzentrums.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben