Dammgrundschule Heilbronn: Banner-Aktion der Verkehrswacht warnt vor Risiken durch Elterntaxis
Immer wieder Verkehrschaos und Rückstaus zu den Bring- und Abholzeiten. Viele Eltern trauen ihren Kindern nicht zu, alleine zur Schule zu gehen.

Im Bereich des Schulzentrums ist die Dammstraße verkehrsberuhigt. Die Fahrbahn ist verengt, die Gehwege verbreitert, Bäume und Sitzgelegenheiten sollen die Aufenthaltsqualität steigern. Doch praktisch an jedem Wochentag herrscht dort vor Schulbeginn und nach Schulschluss Verkehrschaos. „Die Autos stauen sich bis in die Schaeuffelenstraße zurück, es gibt regelmäßig Hupkonzerte“, beschreibt Denise Munz die Situation. Die Konrektorin der Dammgrundschule kennt natürlich auch den Grund hierfür: die vielen Elterntaxis.
Unübersichtliche Situationen schaffen Gefahren, Stress und Chaos
Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto direkt bis vor die Schultür – und holen sie exakt dort auch wieder ab. Der dadurch verdichtete und unübersichtliche Verkehr direkt vor Bildungseinrichtungen schafft Unsicherheit und Unübersichtlichkeit, Stress, Chaos und ruft vor allem Gefahrensituationen hervor.
„Viele Kinder laufen zwischen den parkenden, wartenden oder wieder anfahrenden Autos durch“, hat Munz schon häufig beobachtet. Weder im Elternbeirat noch bei Gesprächen mit der Polizei und dem städtischen Amt für Straßenwesen hat sich bislang eine Lösung ergeben. „Die Dammstraße lässt sich auch nicht einfach sperren, da dies in der Innenstadt massive Auswirkungen auf andere Straßen hätte“, erklärt Munz.
Banner-Aktion kann nur ein Appell an die Eltern sein
Bereits seit einigen Wochen hängt ein von rund 2000 landesweit verteilten Banner der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg vor der Schule. „Geh(t) doch! – Schulweg ohne Elterntaxi“, ist darauf zu lesen. „Natürlich kann so eine Aktion immer nur ein Appell sein, über das eigene Verhalten nachzudenken“, sagt Karsten Knodel, Vorsitzender der Verkehrswacht Heilbronn.
Offenbar sind die Elterntaxis aber nur Symptom einer tiefgreifenderen Veränderung. „Viele Eltern wollen ihre Kinder einfach vor allem beschützen. Der Schulweg birgt aus deren Sicht zahlreiche Gefahren“, erklärt Munz. Aus Sicht der Konrektorin ist das mit Blick auf das Einzugsgebiet der Dammgrundschule teilweise auch begründet: „Ich würde mein sechsjähriges Kind auch nicht im Dunklen durchs Industriegebiet laufen lassen.“ Es habe aber auch Kinder gegeben, die explizit selbst zur Schule laufen wollten, und die Eltern erlaubten es nicht. „Ich kann meine Kinder doch nicht vorm Leben schützen“, appelliert Munz dafür, dem Nachwuchs mehr zuzutrauen.
Kein Drive-In für Elterntaxis an der Dammgrundschule
Eltern sollten beispielsweise den Schulweg mal mit den Kindern zusammen ablaufen, um gerade auf die Gefahrenstellen aufmerksam zu machen. Laufgruppen mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft wären ebenfalls eine Lösung zur Verringerung der Elterntaxis. „Ich möchte alle Eltern ermutigen, ihren Kindern diesen Schritt zuzutrauen und sie auf dem Weg zur eigenständigen Mobilität zu begleiten“, hatte Elke Zimmer als Staatssekretärin im Verkehrsministerium bereits bei der Vorstellung des Projekts im vergangenen Dezember gesagt. „Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass der Schulweg zu Fuß wieder zur Regel wird, anstatt zur Ausnahme“, hatte Zimmers Amtskollege Volker Schebesta ergänzt.
Von diesem Zustand sind sie bei der Dammgrundschule noch weit entfernt. Das Problem erledigt sich erst mit zunehmendem Alter der Kinder, wenn das Elterntaxi zunehmend uncool wird. Bei der angrenzenden Damm-Realschule ist diese Phänomen zu beobachten. Einer waghalsigen Idee hat Munz jedenfalls jeglichen Riegel vorgeschoben. „Auf dem Schulgelände wird definitiv kein Rondell oder eine Art Drive-In für Elterntaxis eingerichtet. Der Schulhof bleibt für Autos tabu.“
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