Lebensqualität hält Einzug
Heilbronn - All jenen, die beklagen, dass sich im Speckgürtel um die Heilbronner Innenstadt städtebaulich wenig tut, sei ein Besuch in der Nordstadt empfohlen. Auch mitten in der dunklen Jahreszeit kann man dann erkennen: Dieses Quartier blüht auf.

Heilbronn - All jenen, die beklagen, dass sich im Speckgürtel um die Heilbronner Innenstadt städtebaulich wenig tut, sei ein Besuch in der Nordstadt empfohlen. Auch mitten in der dunklen Jahreszeit kann man dann erkennen: Dieses Quartier blüht auf. Gestern machten sich Erste Bürgermeisterin Margarete Krug und Baudezernent Wilfrid Hajek ein Bild von der aktuellen Situation. Ihr Fazit: Was hier geschieht, ist vorbildlich für die Gesamtstadt.
Die Nordstadt gehört seit 2002 zum Förderprogramm "Soziale Stadt", in dessen Rahmen nicht nur Bauinvestitionen getätigt, sondern auch kulturelle, sprachliche und soziale Unterschiede mit viel Geld ausgeglichen werden. 4,2 Millionen Euro sind derzeit für Bauvorhaben eingestellt, davon bezahlt die Stadt zwei Millionen Euro.
Aufwertung
Neue Lebensqualität bietet seit etwa einem Monat die umgestaltete Dammstraße. In die nunmehr attraktive Wohnstraße flossen in den zurückliegenden eineinhalb Jahren rund 1,6 Millionen Euro. Mit diesem Geld wurden die Fahrbahn verengt, die Gehwege verbreitert, neue Parkplätze geschaffen, der Baumbestand erhöht und Sitzgelegenheiten eingebaut. Zur Kennzeichnung der verschiedenen Flächen wechseln sich gelblicher Betonstein, grauer Naturstein und Pflaster mit Rasenfugen ab. Vor der Dammschule und dem evangelischen Nikolai-Kindergarten wurde die Straße verkehrsberuhigt.
Grüne Oase
Mit dem 13 Ar großen Quartiersgarten entsteht in der Nordstadt ein Zentrum der Ruhe und Entspannung sowie der Begegnung und Kommunikation. Die offene, auf sechs Stützen stehende Sommerhalle, die Spielwiese, für die gerade der Rollrasen verlegt wurde, der Kindergarten mit Pflanzbeeten für Kräuter und Gemüse sowie der Gemeinschaftsgarten lassen den Streit im Vorfeld des Projekts um den Erhalt einer alten Scheune vergessen. Teile von ihr leben jetzt in der Sommerhalle weiter. Der Quartiersgarten, an dessen Konzeption die Nordstadtbewohner aktiv mitgearbeitet haben, wird zunächst der Diakonie, der Kirchengemeinde, den Schulen und Kindergärten zur Verfügung stehen. Die Diakonie wird Spiel-, Freizeit- und Beratungsangebote für die Bewohner erarbeiten und so den Zugang zum Garten an Nachmittagen, in den Ferien und an Wochenenden ermöglichen. Abends ist der Garten geschlossen.

Einzigartig
Für den im Sommer gestarteten Bau des Kinder- und Familienzentrums an der Olgakrippe ist die Halbzeit erreicht: Der Rohbau der ersten Einrichtung dieser Art in Baden-Württemberg ist fertiggestellt. Im Februar soll das eingeschossige Gebäude in Betrieb gehen. Die Kosten von 655 000 Euro werden über einen Zuschuss des Programms "Soziale Stadt" (355 000 Euro) sowie aus Nachlassmitteln der Heilbronner Bürgerin Irmingard Wild finanziert.
Das Konzept, das im Kinder- und Familienzentrum umgesetzt wird, zielt auf die Integration und Vernetzung von Angeboten im Bereich der Erziehung, Pflege und Bildung für die gesamte Familie ab. "Neben der Förderung von Stärken und Kompetenzen der Kinder und der Verbesserung der Elternarbeit ist zugleich eine Öffnung der Kindertageseinrichtung innerhalb des Quartiers beabsichtigt", sagte Manfred Urban, Leiter des städtischen Sozialamtes. In der Olgakrippe werden derzeit 120 Kinder bis zu zwölf Jahren ganztags betreut.
Nordstadt-Quartier
Das Sanierungsgebiet der Nordstadt erstreckt sich über eine Fläche von rund 50 Quadratmetern. Hier leben 8220 Menschen. Von ihnen sind 5877 Deutsche, 2343 Personen haben eine nichtdeutsche Herkunft. 4243 Bürger haben eine Zuwanderungsgeschichte. Die fünf stärksten ausländischen Nationen sind die Türkei (918 Personen), ehemaliges Jugoslawien (469), Italien (226), Griechenland (136) und Irak (68). Einwohner aus restlichen Nationen: 526 Personen. Von den 4289 Haushalten sind 1891 Singlehaushalte.
Stimme.de