Burgrestaurant Hohenbeilstein schließt – mit besonderer Aktion zum Abschied
Das Burgrestaurant Hohenbeilstein hat geschlossen, mehr als 22 Jahre führte Thomas Mayer das Lokal. Wie er über das Ende denkt – und wie er sich von Gästen und Kollegen verabschiedet.
Im Minutentakt verlassen Besucher Mayers Burgrestaurant Hohenbeilstein. In ihren Händen tragen sie gefüllte Kartons und Körbe. In der Küche warten Töpfe, Boxen und großes Besteck auf weitere Abnehmer. Im Gastraum Tassen, Teller und Deko, im Gewölbekeller Wein- und Biergläser. „Ein Euro, zehn Euro, 80 Euro“ – Thomas Mayer hat beim Gastro-Flohmarkt alle Preise im Kopf. Kein Wunder, seit mehr als 22 Jahren führt er das Restaurant. Doch damit ist jetzt Schluss.
Burgrestaurant Hohenbeilstein schließt – Gastro-Flohmarkt zum Abschluss
„Ich denke, ich habe mir das verdient“, sagt der 65-Jährige über den Ruhestand. Waren es vor nicht allzu langer Zeit noch drei Leute in der Küche, stand er zuletzt meist alleine dort. Die Personallage war, wie in der gesamten Gastronomie, zunehmend herausfordernder geworden. Bevor sie nach Beilstein kamen, führten die Mayers elf Jahre das Rössle in Ilsfeld. „Das war unsere Startbahn“, sagt der Küchenmeister.

Der Wechsel nach Beilstein zum 1. Mai 2002 hatte seine Gründe. „Hier oben hat man ein Ausflugslokal, eine Terrasse mit einem schönen Ausblick“, sagt Mayer. Das Burgrestaurant hat aber auch seine Tücken, durch den Torbogen passt etwa kein Lieferanten-Lkw. Mayer behalf sich daher bis zuletzt mit seinem orangenen VW T3, Baujahr 1991. Gäste müssen vor einem Besuch zudem den zu bestimmten Uhrzeiten besetzten Kassenbereich der Falknerei Hohenbeilstein passieren.
Burgrestaurant Hohenbeilstein hat zu – Gastronom Thomas Mayer blickt auf die Branche
Darum muss sich Mayer nun nicht mehr kümmern, und auch weniger um die Entwicklungen in der Branche. Zurückhaltung bei Gästen, Mehrwertsteuer, Personal, Energie, Bürokratie – das sind die Sorgen, die Wirte beim Blick aufs neue Jahr umtreiben. Thomas Mayer sagt: „Früher machte das Kochen 70 Prozent aus und die Dokumentation und Verwaltung 30 Prozent – heutzutage ist das Verhältnis beinahe umgekehrt.“
Für die Branche, in der alleine in Baden-Württemberg nach Dehoga-Angaben seit 2019 mehr als 4000 Lokale zumachten, sieht er aber nicht nur schwarz. „Nach einer Talfahrt kommt auch immer wieder ein Aufstieg – es ist nur fraglich, wann und wie.“

Gerne verzehrten Gäste im Burgrestaurant Rostbraten oder saisonale Gerichte mit Gans oder Spargel. Zuletzt arbeitete Mayer mit Ehefrau und einer weiteren Angestellten zusammen, zudem mit fünf Aushilfen. „Eine regional-bodenständige Küche war immer unser Credo“, sagt Mayer. Dazu gehörte für ihn, die Spätzle täglich von Hand zu schaben oder nicht auf argentinisches oder brasilianisches Fleisch zu setzen.
Kontakt zu hiesigen Bauern und Winzern ist ihm nach eigener Aussage wichtig. „Wir müssen die Landwirte bei uns unterstützen, weil sie eine tragende Säule sind.“ Gehobener ging es in der Küche bei kulinarischen Weinproben mit Weingütern von vor Ort oder bei Menüs am Valentinstag etwa zu – „da konnten wir dann ein bisschen zaubern“.
Burgrestaurant Hohenbeilstein geschlossen – Gastro-Flohmarkt zum Abschied
Beim Gastro-Flohmarkt schätzt Mayer, dass zu einem Drittel Kollegen vorbeischauen, zu zwei Dritteln Privatpersonen. Wer sich noch ein Andenken sichern will, hat dazu am Montag noch bis 17 Uhr Gelegenheit. Einen Nachfolger für das Lokal in städtischer Hand gebe es noch nicht, Interessenten habe er die Räumlichkeiten gezeigt und auch die Kündigung frühzeitig ausgesprochen.
„Ab und zu tauchen Wehmutsmomente auf“, sagt der Gastronom, er sei „im Großen und Ganzen dankbar für die Zeit“. Auch für die Zeit, die er nun mehr hat mit Kindern und Enkeln. Und vielleicht auch für seine Hobbys: Musik, Modellbau und Angeln. „Die sind in letzter Zeit ein bisschen zu kurz gekommen.“
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