Bürgermeisterwahl Cleebronn: Es wird ein Rennen unter zwei Favoriten
Drei Männer und eine Frau wollen den Chefsessel im Rathaus Cleebronn übernehmen. Die Wähler entscheiden am 1. Februar darüber. Das Stimme-Forum vor voller Halle zeigte: Zwei Bewerber liegen klar vorn.

Ortsentwicklung, Betreuung in Kita und Grundschule, Baugebiet: Die Gemeinde Cleebronn hat viele Punkte, um die sich der Bürgermeister in den nächsten Jahren kümmern muss. Amtsinhaber Bürgermeister Thomas Vogl hört nach 24 Jahren auf, um die Gunst der Wähler kämpfen Eugen Raile (32 Jahre), Timo Wenzel (37 Jahre), Ingrid Schmidt (42 Jahre) und Eugen Sokolkov (44 Jahre). Das Interesse am Stimme-Forum, moderiert von den Autoren Linda Möllers und Ben Ferdinand, stößt auf großes Interesse: Weitaus mehr Interessierte wollen in die Halle, als es darin Platz hat.

Es zeigt sich: Den Wahlkampf dürften Eugen Raile und Timo Wenzel unter sich ausmachen, beide sind Verwaltungsfachleute. Ingrid Schmidt bleibt oft vage, an manchen Stellen wirkt sie unsicher, dafür spult sie in anderen Momenten wie auswendig gelernt ihre Punkte ab. Eugen Sokolkov wirkt ebenfalls unklar. Kommunikation, die er nach eigenen Angaben als Schulleiter schon pflegt, fehlt ihm in der Halle manchmal.
Hauptamtsleiter kennen sich in der Kommunalpolitik aus
Eugen Raile als Hauptamtsleiter in Cleebronn und Timo Wenzel als Hauptamtsleiter in Erligheim beherrschen die Kommunalpolitik, können mühelos verschiedene Punkte ansprechen. Dabei gehen sie auch auf rechtliche Hürden ein, wenn es um eine nachträgliche, zweite Erschließungsstraße für ein Baugebiet geht.
Die Männer positionieren sich klar bei Punkten, die für manchen Wähler entscheidend sein dürften: Eugen Raile kann sich vorstellen, aus Heilbronn näher an Cleebronn heranzuziehen, in die Gemeinde allerdings nicht. Timo Wenzel will kein Kreistagsmandat anstreben – im Gegensatz zu vielen Bürgermeistern in der Region, die im Gremium des Landkreises sitzen.
Amtsleiter haben Erfahrung
Beim Wachstum zeigt sich die Erfahrung der beiden Amtsleiter. Wenzel betont, dass Cleebronn „gesund wachsen“ müsse, aber nicht zu schnell. Man müsse schließlich auch die Infrastruktur anpassen. Eugen Raile setzt auf die Bebauung von Flächen innerorts, gerade weil Aspekte des Naturschutzes beachtet werden müssen.
Die beiden Männer wissen um die Grenzen der Möglichkeiten, die ein Ort und ein Bürgermeister haben. Einen Wochenmarkt in die Gemeinde bringen: Das könne man versuchen, so Eugen Raile. Die Menschen müssten ihn aber auch nutzen. „Er muss sich halten können.“ Timo Wenzel sieht das genauso.
Wenig Unterschiede haben die beiden, wenn es um die Einsatz der 2,1 Millionen Euro geht, die der Ort aus dem Bundesprogramm Infrastruktur erhält. „Wir stehen vor wichtigen Aufgaben“, so Eugen Raile, der das Geld hälftig in Bauhof und Kernzeit stecken würde. Die beiden Objekte stehen bei Timo Wenzel ebenfalls auf der Agenda, nur: „2,1 Millionen Euro hören sich viel an, sind aber schnell aufgebraucht.“
So agieren Ingrid Schmidt und Eugen Sokolkov
Ingrid Schmidt wirkt manchmal unsicher, erkennt zudem einen möglicherweise entscheidenden Punkt ihres Wahlkampfs nicht. Bei der medizinischen Versorgung hat sie nach eigenen Angaben mit Ärzten gesprochen und will sogar Interessenten für Cleebronn haben. Namen nennt sie jedoch auch auf Nachfrage nicht. Das versteht Eugen Raile nicht: Würde seine Mitbewerberin tatsächlich einen Arzt in den Ort bringen, wendet er sich direkt der Kandidatin zu, „haben Sie die Stimmen sicher“. Daraufhin rudert sie zurück. Ein Versprechen sei der Arzt nicht, „ein Ziel“, so Ingrid Schmidt.
Durchgehend möchte eine Bürgermeisterin Schmidt erreichbar sein, auch per Whatsapp, sagt sie. Laut Timo Wenzel ist diese Kommunikationsform in öffentlichen Verwaltungen nicht zulässig. Zudem bringe eine solche Erreichbarkeit einem Cleebronner nichts, der einen Pass benötige. „Das Fachpersonal muss erreichbar sein“, so Timo Wenzel.
Eugen Sokolkov überrascht mit seiner klaren Positionierung, dass ihm der Ausbau der Solarenergie wichtiger ist als die Schaffung von Wohnraum. Einen Hausarzt solle die Gemeinde direkt anstellen, die Alte Kelter möchte er beleben, Cleebronn habe nicht viel Ortskern.
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