Neubau in Bad Friedrichshall: Bestattungshaus Himmelblau schafft Raum für Trauer
Viel Licht statt dunkler Räume: In Bad Friedrichshall entsteht mit dem Neubau von Himmelblau ein Ort, der Trauer neu denkt – offen, persönlich und ohne Scheu.
Hell, freundlich und offen, so hat sich Anastasia Maurer den Neubau des Bestattungshauses Himmelblau in Bad Friedrichshall von Anfang an gewünscht. Tatsächlich ist fast das gesamte Gebäude gegenüber dem Hauptbahnhof von großen Fenstern geprägt, die viel Licht ins Innere lassen. Denn verstecken will die Geschäftsführerin den Tod nicht.
„Ich möchte ihn mehr ins Leben holen“, sagt sie bei einem Rundgang durch den Neubau, der im Oktober eröffnet werden soll. Dann feiert das Unternehmen zugleich seinen zehnten Geburtstag.
Bad Friedrichshall: Bestattungsunternehmen Himmelblau baut ein Gebäude nach eigenen Vorstellungen
Vor allem der Platzmangel im bisherigen Haupthaus in Heilbronn brachte Anastasia Maurer und ihren Mann Dennis vor rund fünf Jahren auf die Idee, neu zu bauen. Inzwischen geht es auf die Zielgerade. Wenn der Betrieb startet, „haben wir alles auf einer Fläche vereint“, sagt die Bad Friedrichshallerin.

Dazu gehört auch eine große Kühleinrichtung, die je nach System Platz für 15 bis 30 Verstorbene bietet. In die endgültigen Pläne flossen die Erfahrungen der vergangenen Jahre und viele Gespräche mit Kollegen aus der Branche ein. „Wenn wir schon bauen“, sagt Anastasia Maurer, „dann kommt alles rein, was wir möchten.“
Kreativraum soll Trauernden neue Möglichkeiten bieten
Dazu gehört neben Toiletten, Hygiene- und Trauerräumen auch ein Kreativraum. Der Gedanke sei ihr ganz spontan gekommen, erinnert sie sich, als sie über den Zeitdruck bei Trauerfeiern auf Friedhöfen nachgedacht habe. 30 Minuten, größer ist das Fenster in der Regel nicht, um Abschied zu nehmen.
Wie der Raum neben Bastel- und Schreibutensilien sowie Sitzmöglichkeiten am Ende ausgestaltet sein wird, steht noch nicht fest. „Er wird wachsen“, ist Anastasia Maurer überzeugt von ihrer Idee.
Das Herz des Neubaus ist bereits fertig: In der Trauerhalle finden bis zu 200 Gäste Platz, von der hohen Decke hängen unauffällige Lampen. Wer möchte, kann dort auch eine Diashow zeigen – die technischen Voraussetzungen seien im Gegensatz zum Friedhof vorhanden, erklärt die Bestatterin. „Jeder kann selbst entscheiden, was er möchte.“
„Eine Trauerfeier kann nicht wiederholt werden“
Wichtig ist ihr, dass das Wissen über die verschiedenen Möglichkeiten vorhanden ist. Dabei helfe auch der Instagram-Account, auf dem Anastasia Maurer und ihre neun Mitarbeiter über ihren Alltag sprechen. „Wir haben viel Freude an unserem Beruf.“
Der ist im Gegensatz zu den meisten anderen nicht geschützt. Theoretisch kann sich also jeder Bestatter nennen, ohne eine Ausbildung in diesem Bereich absolviert zu haben. Bei Anastasia Maurer ist das anders, sie ist seit drei Jahren ganz offiziell Bestattermeisterin.
„Trauer muss nichtimmer traurig sein.“ Anastasia Maurer
Ursprünglich arbeitete sie im Vertrieb, bildete sich dann selbst fort und gründete vor fast zehn Jahren das Unternehmen Himmelblau. Trotz aller Theorie habe sich der erste Sterbefall komisch angefühlt, erzählt sie. Heute ist der Umgang mit dem Sterben für sie alltäglich geworden. Der Respekt vor den Verstorbenen und den Angehörigen sei aber natürlich nach wie vor da. „Eine Trauerfeier kann nicht wiederholt werden.“
Offenheit gilt auch im Bestattungshaus
Um den Tag selbst so angenehm wie möglich zu gestalten, schließt an die Trauerhalle ein Raum zum Zusammensitzen an. Auch dort: viele hohe Fenster, viel Licht. Offenheit ist Anastasia Maurer wichtig. Die Fenster zu verhängen, damit niemand sieht, was passiert, kommt für sie nicht infrage.

Der einzige öffentliche Raum, in den kein natürliches Licht fällt, ist die Sargausstellung direkt am Eingang. „Das Holz muss vor der Sonne geschützt werden“, erklärt die Bestatterin. Das Angebot werde bewusst übersichtlich gehalten, um die Trauernden nicht zu überfordern. Man gehe immer im Tempo der Kunden.
Einen Namen für den Neubau gibt es mittlerweile auch. Der wurde bei einer Umfrage auf Instagram herausgearbeitet: „Trostinsel“ soll das Gebäude nach seiner Eröffnung heißen. Die Trauer könne hier einen Platz finden, sagt die Bad Friedrichshallerin. „Sie muss nicht immer traurig sein.“
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