Was hohe Benzin- und Dieselpreise für Bus- und Pflegeunternehmen bedeuten
Mehrkosten durch steigende Diesel- und Benzin-Preise: Vielfahrer wie Bus- oder Pflegeunternehmen sind besonders betroffen. Doch die Situation bietet auch Anreize, etwas zu ändern.
Pflegedienste treffen die aktuell hohen Spritpreise besonders, vor allem die Dienste im ländlichen Umfeld. „Unsere Branche trifft es auf jeden Fall sehr stark“, meint Katica Schilling, Inhaberin von „d´hoim Pflegeservice Schilling“ in Brackenheim. „Die Mehrkosten bekommen wir leider nicht zurück.“
Pflegedienste, Busunternehmen und Co. von hohen Spritpreisen betroffen
Systemrelevante Betriebe sollten eine staatliche Hilfe bekommen, wenn sie etwa wegen explodierender Spritpreis in Schwierigkeiten geraten, findet die Pflegeunternehmerin. Dabei hat ihr Betrieb vorgesorgt. Die Brackenheimer seien in der glücklichen Situation, einen Großteil des Fuhrparks auf E-Mobilität umgestellt zu haben.
Elf der 18 Autos, die in 20 Kilometern Umkreis im Einsatz sind, sind demnach schon elektrisch, die letzten Benziner wollen die Schillings nach und nach gegen Elektroautos tauschen. Der Betrieb produziert laut Katica Schilling eigenen Strom mittels Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Gross-Reisen benötigt für die eigenen Busse 35.000 Liter Diesel – alle zehn Tage
Andreas Kühner, Geschäftsführer von Gross-Reisen und Vorstandsmitglied im Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO), sieht in der aktuellen Preissteigerung an der Zapfsäule „ein Déjà-vu“. Die Entwicklung erinnere ihn an den Beginn des Ukrainekrieges. „Unsre Branche ist krisenerprobt.“
Sein Unternehmen bezieht für die 60 Busse im Fuhrpark alle zehn Tage 35.000 Liter Diesel. „Treibstoff macht 20 bis 25 Prozent unserer Betriebskosten aus“, so der Diplomkaufmann. Natürlich belaste die Teuerung den Betrieb. „Wir können das nicht absichern, etwa durch Kontrakte. Dazu sind wir zu klein.“ Was den Linienverkehr betrifft, gebe es Preisgleitklauseln, um Kostensteigerungen abzufangen.
Die Krise böte auch Chancen. Kunden würden statt Kreuzfahrten oder Flüge wieder öfter auf Busreisen im Inland setzen. Und noch etwas macht dem Geschäftsführer von Gross-Reisen Hoffnung: „Wir bekommen im Dezember E-Busse.“ Auch Heilbronner Autofahrer haben sich zu den Spritpreisen an den Tankstellen geäußert.
Bürgerbusverein Eppingen spürt höhere Nachfrage wegen steigender Spritpreise
Der Bürgerbusverein Eppingen bewegt seine beiden Busse jeden Monat 4000 Kilometer weit, das entspricht 100 Liter Diesel pro Woche. „Wir gehen mindestens zweimal pro Woche tanken“, berichtet Geschäftsführer Lothar Schlesinger. Der ehrenamtlich organisierte Verein sei in der glücklichen Lage, die Tankzettel an die Stadt Eppingen weiterreichen zu dürfen, die sie dann begleicht.
„Es gibt im Moment noch keine Überlegungen, das Fahrangebot auszudünnen“, so Schlesinger, ganz im Gegenteil. Seitdem die Spritpreise infolge des neuen Nahostkonflikts in die Höhe geschnellt sind, erfreut sich der Verein über 15 Prozent mehr Fahrgäste. „Wir wären natürlich froh, wenn wir auf Elektromobilität umsteigen könnten“, so der Vorsitzende und Mitbegründer des Eppinger Bürgerbusses: „Das Feeling für elektrisches Fahren kommt jetzt so langsam.“
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