Rückkehr zur Atomkraft? Was EnBW und Neckarwestheim davon halten
Die Internationale Atomenergiebehörde ermuntert zum Wiedereinstieg in Deutschland. Auch die CDU will die Rückkehr zur Kernenergie prüfen. Wie der Vorschlag in Neckarwestheim ankommt.
Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Endlager-Suche für Atommüll im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis eingestellt wird. Nun flammt die Diskussion um die Rückkehr zur Atomenergie erneut auf.
Energie in Deutschland ist im Vergleich zu vielen anderen Ländern teuer. Das belastetet Wirtschaft und Verbraucher gleichermaßen. Unter einer neuen Regierung ab Februar könnte daher das Thema Rückkehr zur Atomenergie wieder an Brisanz gewinnen – zumal sich entsprechende Stimmen aus der Union häufen.
Chef der Atomenergiebehörde: Rückkehr zur Kernkraft wäre "logisch"
Eine Rückkehr Deutschlands zur Kernkraft wäre nach den Worten des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, nur "logisch und rational". Die Bundesrepublik sei weltweit das einzige Land, das vollständig aus der Atomenergie ausgestiegen sei, sagte er auf der UN-Klimakonferenz in Baku. Andere Staaten, die dies angekündigt hätten, ruderten inzwischen wieder zurück. Er sei "nicht überrascht", dass nun deutsche Parteien eine Rückkehr zur Atomenergie fordern.

Italien macht Atomausstieg rückgängig
Einen vollständigen Atomausstieg hat vor gut 30 Jahren auch Italien durchgeführt, doch bereitet die aktuelle rechte Regierung den Betrieb neuer Atomkraftwerke vor. Grossi verwies darauf, dass Atomkraftwerke quasi keine klimaschädlichen Treibhausgase ausstoßen. Für den Planeten wäre es daher "eine sehr schlechte Idee", die Atomenergie abzuschaffen. "Deshalb wollen Länder, die Atomenergie haben, mehr Atomenergie. Und viele Länder, die keine Atomenergie haben, wollen Atomenergie. Es gibt nur ein Land, Deutschland, das sich vollständig zurückgezogen hat - es ist das einzige."
Union will Wiedereinstieg in Kernkraft prüfen
CDU und CSU im Bundestag hatten erst vergangene Woche das Abschalten der letzten Kernkraftwerke zum 15. April 2023 mitten in der Energiekrise eine ideologisch motivierte Fehlentscheidung der Ampel-Regierung genannt. Es brauche nun eine Bestandsaufnahme, ob eine Wiederaufnahme des Betriebs "unter vertretbarem technischem und finanziellem Aufwand" noch möglich ist.
Was der Betreiber des Atomkraftwerks Neckarwestheim zur Diskussion sagt
Doch was sagen die Betreiber der früheren Atomkraftwerke dazu? Die EnBW verweist auf das deutsche Atomgesetz, das eindeutig regele, dass mit den deutschen Kernkraftwerken kein Strom mehr produziert werden dürfe. "Mit der jeweiligen Inanspruchnahme der Rückbau-Genehmigungen für unsere fünf Kernkraftwerke verfügen diese Anlagen auch über keine Betriebsgenehmigungen mehr für die Stromproduktion, und es gibt keine Grundlage, diese wieder in Kraft zusetzen", teilt die EnBW mit.
"Eine Diskussion über die weitere Nutzung der Kernkraft hat sich für uns vor diesem Hintergrund erledigt", betont ein Konzernsprecher.
Neckarwestheims Bürgermeister verweist auf die hohen Kosten
Zu den drei verbliebenen Atomkraftwerken, die im April 2023 als letzte in Deutschland abgeschaltet wurden, gehörte auch das Kernkraftwerk Neckarwestheim II. Die Gemeinde habe mit dem Kraftwerk wirtschaftlich gesehen "goldene Zeiten erlebt", sagt Bürgermeister Jochen Winkler. Eine mögliche Rückkehr zur Kernkraft hält er jedoch wegen der hohen Kosten und vertraglichen Verpflichtungen grundsätzlich für "schwierig".
"Die Debatte ist zu weit gedreht", sagt Winkler, "das ist reines Wunschdenken." Vieles sei am Standort Neckarwestheim bereits zurückgebaut worden. Eine Reaktivierung würde viel Geld erfordern, auch die Rückbauverträge der EnBW müssten rückabgewickelt werden. Allein diese Kosten würden im Millionenbereich liegen, so Winkler: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand das bezahlen würde." Zwar wünsche sich mancher Neckarwestheimer die Atomkraft zurück - doch stehe dahinter oft der Wunsch nach günstigeren Strompreisen.
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Kommentare
Jörg Haffelder am 14.11.2024 19:20 Uhr
Alleine schon mit den Korrosionsproblemen im Dampferzeuger (siehe diverse HST Berichte) kann kein vernünftig denkender Mensch ein Wiederanfahren von Neckarwestheim II in Erwägung ziehen. Wir hatten Glück, dass es hier insbesondere in den letzten Betriebsjahren keine ernsten Zwischenfälle gab. Warum jetzt das Glück nochmal herausfordern?
Dazu kommt, dass auch unsere "deutschen" Brennstäbe einen Teil zur radioaktiven Verschmutzung an der französischen Normandie beigetragen haben. Will man da wirklich weiterhin beteiligt sein? (Wer das bisher nicht kennt: einfach mal "la hague" und "abwasser" in gängige Suchmaschinen eingeben und die Berichte lesen)