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Von Tiermedizin zu Baukultur: Lara Soyez aus Ilsfeld über ihren Weg ins Handwerk

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Lara Soyez aus Ilsfeld ist Stuckateurmeisterin aus Leidenschaft und präsentiert ihr Handwerk auch im TV. Eigentlich wollte sie aber mal einen ganz anderen Beruf wählen.

Von Stefanie Pfäffle
Die Ilsfelderin Lara Soyez liebt ihren Beruf von ganzem Herzen, auch wenn der ursprünglich gar nicht auf ihrem Plan stand.
Die Ilsfelderin Lara Soyez liebt ihren Beruf von ganzem Herzen, auch wenn der ursprünglich gar nicht auf ihrem Plan stand.  Foto: Pfäffle, Stefanie

Ein bisschen verrückt sei das schon gewesen, auf einer Bühne mit lauter Architekten und Professoren, im Rücken den Bundesadler. „Ich hab das Handwerk vertreten, weil auch jemand aus der Praxis dabei sein sollte“, erinnert sich Lara Soyez. Jemand junges und dann noch eine Frau, das habe sie schon gefreut.

Die 26-jährige Stuckateurmeisterin aus Ilsfeld war Anfang September beim Festakt „Demokratie und Räume – 25 Jahre Baukultur“ im Bonner Bundeshaus dabei. Und das, obwohl das Handwerk ursprünglich auf ihrer Berufswunschliste nicht ganz oben stand.

Junge Stuckateurmeisterin Lara Soyez: Vom Tiermedizin-Studium zurück ins elterliche Handwerksunternehmen

Lara Soyez wächst quasi im Stuckateur- und Malerbetrieb ihrer Eltern auf. Die Firma liegt ihr am Herzen, doch nach dem Abitur entscheidet sich die Hunde- und Pferdefreundin für Tiermedizin. Dabei sind alle in der Familie vom Bau: Papa Stuckateur, Mama Architektin, Schwester Bauingenieurin. Ein Jahr lang studiert Lara Soyez in Budapest.

„Dann hab ich mir von heute auf morgen gesagt, nein, mein Herz schlägt für was anders. Ich bin heimgefahren und hab meinen Eltern erklärt: Ich will eine Stuckateurausbildung gleich mit Meister machen“, erzählt sie mit einem breiten Grinsen. Die seien fast vom Stuhl gefallen, schließlich war die Tochter noch nie auf einer Baustelle.

Ausbildung und Meistertitel in Rekordzeit mit klarer Zielstrebigkeit

Doch Lara Soyez weiß jetzt genau, was sie will. Am nächsten Tag fährt sie mit dem Vater zur Stuckateurschule in Leonberg, meldet sich an und los geht’s. Auf dem kürzesten Weg, denn sie will in nur dreieinhalb Jahren sowohl Geselle als auch Meister werden. Das wird die junge Frau auch durchziehen.

Noch während der eigenen Lehre übernimmt Lara Soyez die Ausbildungsabteilung im Familienunternehmen. „Ich konnte denen natürlich damals noch nicht erklären, wie sie was am besten verputzen, dafür haben wir ja genügend Meister im Betrieb, aber ich konnte mich richtig gut in sie hineinversetzen“, erzählt sie von der zusätzlichen Aufgabe. Sozialkompetenz etwa könne man ihnen trotzdem mitgeben, sie spüren lassen, dass sich da jemand kümmert. „Zum Ausbilder braucht es mehr als fachliche Kompetenz, wenn man es liebt und lebt, dann läuft das“, ist sie überzeugt.

Frauen im Handwerk: Respekt auf der Baustelle, Herausforderungen außerhalb

Den Schritt weg von der Tiermedizin hinein ins Handwerk hat die Ilsfelderin keinen Tag bereut. „Das ist meine absolute Leidenschaft, ich liebe es, mit meiner Familie zusammen zu arbeiten, in einem Team, das mich teilweise schon als Baby kannte“, schwärmt sie. Viele würden sich fragen, wie das denn mit den männlichen Kollegen auf der Baustelle so laufe, aber für sie sei das eine Bereicherung. Da werde viel zusammen gelacht und sich gegenseitig geholfen. „Bei uns herrscht ein unglaublich wertschätzender Umgang, ich hab da nie schlechte Erfahrungen gemacht.“

Außerhalb der Firma passiere das schon eher mal, da habe sie als Frau schon so manche üble Situation erlebt, gibt die selbstbewusste Meisterin zu. „Als Frau ist es wirklich sehr wichtig, die richtige Firma zu finden.“ Letztlich sei es aber so: „Wenn man Leistung bringt, interessiert es am Ende niemanden, deswegen lege ich da auch gar nicht so gerne den Fokus drauf.“ Es gehe darum, die Stärken von jedem zu sehen und nicht so zu tun, als könne man alles.

Verantwortung für Azubis, Bauleitung und die Zukunft des Familienbetriebs

Inzwischen bekommt Lara Soyez immer mehr Verantwortung, ist neben Azubis und Personal auch in der Bauleitung aktiv. Irgendwann wollen sie, ihre Schwester und zwei Kinder von Mitgesellschaftern den Betrieb übernehmen, gehen dafür auch schon in entsprechende Schulungsprogramme.

„Es ist schon ein Geschenk, dass unsere Väter sich damit überhaupt auseinandersetzen, und wir sind dankbar, dass sie da offen und innovativ sind“, betont Lara Soyez. So werde die Zukunft gemeinsam gestaltet, denn wie auf der Baustelle auch, geht das am besten im Team.

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