Regionalbahnen in der Krise: DB-Bashing ist zu billig
Unpünktlich, unzuverlässig: Bahnfahren in der Region Heilbronn bleibt ein Ärgernis. Auf die DB einzudreschen, greift zu kurz, meint unser Autor.
Es ist schon traurige Tradition: Beim Qualitätsranking des Landes belegen die Linien in der Region die hinteren Plätze. Dabei ist das Ranking in Form einer Bundesligatabelle fragwürdig, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Der Tabellenführer, die Schwäbische Alb-Bahn, hat es ungleich leichter, gute Ergebnisse einzufahren als die störungsanfälligen Bahnen in den Metropolregionen.
Festzuhalten bleibt: Die Pünktlichkeit, für Pendler wohl der entscheidende Punkt, ist auf der Strecke zwischen Stuttgart und Heilbronn auf einem inakzeptablen Wert. Jeder dritte Zug schafft es nicht ins Ziel, ohne eine Verspätung von mehr als vier Minuten anzuhäufen. So bringt man niemanden vom Auto auf die Schiene.
Zu einfach: Alle zeigen reflexartig auf die Deutsche Bahn
Reflexartig zeigen die Beteiligten, Ministerium und Bahnunternehmen, auf die Deutsche Bahn. Die fährt zwar nur einen Teil der Züge, aber die Betreiber stehen ohnehin nicht im Fokus der Em

pörung. Das ist die DB Infrago, zuständig für die Infrastruktur, also den Zustand der Gleise, Weichen und Stellwerke. Die DB-Tochter hat beim Baustellenmanagement häufig unglücklich agiert, die Kommunikation steht zu Recht in der Kritik. Was bei dem Konzern abgeladen wurde, ist aber auch nicht von Pappe und hat nicht nur mit dem vielgescholtenen Projekt Stuttgart 21 zu tun.
Gleichzeitig, und das wurde S21 erst nachträglich übergestülpt, wird der Bahnknoten um Stuttgart jetzt auch noch zum Vorreiter in Sachen Signal-Digitalisierung. Ein Mammutvorhaben, das derzeit an seine Grenzen zu stoßen scheint. Dass das alles nicht geräuschlos vonstatten geht, ist nicht verwunderlich. Baustellen, Sperrungen, Verzögerungen sind die Folge.
DB-Bashing ist zu billig, die Gründe der Misere sind komplex. Letztlich hilft nur, kräftig in die Sanierung und den Ausbau der Frankenbahn zu investieren, damit eine der wichtigsten Regionalstrecken des Landes endlich ihrer Bedeutung gerecht werden kann.
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